Heimatfeste im Oktober fallen aus

Traditionsfeste werden Corona-Opfer: Keine Kirmes in Bebra und Weiterode

 
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Die Corona-Pandemie hat die nächsten Opfer unter den Traditionsveranstaltungen im Kreis gefordert. Mit einem dreiminütigen Video wirbt der Weiteröder Festausschuss um Verständnis: Unser Foto zeigt die Vorsitzenden Anika Koch und Tim Heckroth bei einer Szene, die deutlich macht: Eine zünftige Kirmes zu Corona-Zeiten? Das funktioniert nicht.

Jetzt steht es fest: In Bebra und Weiterode finden im Oktober keine Kirmesveranstaltungen statt.  

Bis zuletzt habe es noch Hoffnung gegeben, heißt es von der Stadtentwicklung SEB und aus dem Rathaus. Wegen der Coronavirus-Pandemie und der unsicheren Rechtslage habe man sich in enger Absprache mit den Veranstaltern gegen die Großevents entschieden.

„Es gibt keine Möglichkeit, bei den Veranstaltungen die notwendigen Sicherheitsvorschriften zu gewährleisten“, sagt Bürgermeister Stefan Knoche. Die zahlreichen Erkrankungen nach einem Gottesdienst einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt hätten gezeigt, dass das Virus noch nicht besiegt sei. „Nicht zuletzt brauchen alle Beteiligten und die Lieferanten der Veranstaltungen Planungssicherheit. Zum jetzigen Zeitpunkt blieb uns leider keine andere Wahl“, begründet Knoche die Entscheidung.

In Lüdersdorf steht eine Entscheidung noch aus, auch die Solzer Kirmesgruppe will sich alle Optionen offen halten: „Wir wollen die Veranstaltung ungern ganz ausfallen lassen“, sagt Daniel Schmerfeld vom Vorstand. Zwar liegt die viertägige Kirmes mit dem Starttermin 20. August im Corona-Banngürtel – in Solz reiche allerdings bereits eine Vorlaufzeit von zwei Wochen, um ein Konzept bei möglichen Lockerungen anzupassen. „Fest steht: Die Kirmes wird nicht im üblichen Maß stattfinden“, sagt Schmerfeld.

"Stimmungskiller" bringen Weiteröder Kirmes zum Schweigen

Mit einem knapp dreiminütigen Video hatte der Festausschuss am Mittwochabend verkündet, dass die Traditionsveranstaltung in Weiterode zum Corona-Opfer wird. Die über die Grenzen des Bebraer Stadtteils beliebte Kirmes im Oktober wird auf das kommende Jahr verschoben. „Hygienische Auflagen, Abstandsregelungen und vielleicht sogar Zutrittsbeschränkungen sind Stimmungskiller für Jung und Alt“, heißt es in dem Beitrag, der auf den Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram veröffentlicht und über den Nachrichtendienst WhatsApp verschickt wurde. Das Organisationsteam – dieses Jahr der Weiteröder Jugendclub, Turnverein und Tischtennisverein – wirbt darin um Verständnis. Mit Erfolg: Das Video wurde in kürzester Zeit mehr als 70 Mal geteilt und hat tausende Interessierte erreicht. Die meisten Kommentare unter der Absage-Nachricht: in Tränen aufgelöste Emojis.

Leicht gemacht haben sich die Weiteröder die Entscheidung nicht, betonen Festausschuss-Vorsitzender Tim Heckroth und Stellvertreterin Anika Koch. Was für die Rotenburger ihr Strandfest und für die Hersfelder ihr Lullusfest ist, wird in Weiterode jährlich als Kirmes auf dem Festplatz gefeiert. Vor drei Wochen fiel die Entscheidung aber einstimmig: eine zünftige Kirmes ist in Corona-Zeiten unmöglich.

Planung für Heimatfest kommt 2021 zum Zug

Sämtliche Verträge mit den Bands standen da bereits fest – die Auftritte von DJ BenH aus Bad Hersfeld, den Stoapfälzer Spitzbuam und den Frankenräubern wird es jetzt im kommenden Jahr geben.

Es ist auch ein besonders hartes Jahr für Gustav Adolf Kirmes: die fiktive Figur ist mehr als ein Weiteröder Kirmes-Maskottchen. Seit vielen Jahren lebt Gustav für das Fest – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Ausgraben der Kirmes wird aus seiner Sicht erzählt, und wenn sie zu Ende geht, kommt auch der fiktive Weiteröder ums Leben, jedes Jahr auf andere, an ein aktuelles Ereignis angelehnte Art und Weise. Dann ist Trauerzeit in Weiterode.

2020 hat Corona-Patient Gustav nicht einmal bis zum Auftakt durchgehalten.

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