Ehrenamtliche Hilfe für die Betreuung der Flüchtlinge ist gefragt

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Bebra. In diesem Jahr sind bereits 116 teilweise schwer traumatisierte Flüchtlinge aus Syrien, aber auch aus Eritrea und Somalia, in den Kreis Hersfeld-Rotenburg gekommen.

600 könnten es am Ende des Jahres werden, sagt Frank Hildebrand vom Fachdienst Migration beim Kreis. Genau weiß das aber keiner. Er und seine Kollegen sowie eine ganze Reihe anderer, vor allem kirchlicher Organisationen kümmern sich mit großem Einsatz um die Menschen, doch die Hilfe reicht nicht aus. Das wurde kürzlich beim Runden Tisch soziales Engagement in Bebra deutlich. Er fand unter Leitung von Melanie Dwier von der Jugendhilfestation II statt.

Ehrenamtliche Helfer würden gebraucht, sagte Uli Rathmann von der Stadtjugendpflege. Über Antonia Rösner vom Fachdienst Migration des Kreises soll ein Netzwerk aufgebaut werden. Wer eine Patenschaft übernehmen möchte, Begleitung bei Arzt- oder Behördenbesuchen anbieten kann, sollte sich bei ihr melden. Auch Sprachlehrer werden gesucht, Sportvereine, die Kinder und Jugendliche aufnehmen wollen. Gebraucht werden ferner tragbare Bekleidung vor allem für Kinder, Kinderbücher und Spielzeug

Dass schon viel getan wird, zeigen einige Beispiele:

• An der Grundschule in Bebra wurden in den vergangenen Monaten 21 Flüchtlingskinder aufgenommen. Schulleiterin Annemarie Warneck berichtete von schweren Schicksalen. Acht Stunden Sprachunterricht gibt es, Lesepaten springen ein. Die Integration laufe reibungslos, sagte Warneck. Die Vielsprachigkeit sei eine Bereicherung.

• An der Gesamtschule hat man eineinhalb Lehrerstellen für Deutschunterricht von 25 Flüchtlingskindern freigeschaufelt. Die Sprache sei erstmal das Wichtigste, war sich Manfred Brill mit den anderen der Runde einig. Die Schüler seien sehr willig und machten tolle Fortschritte.

• Durch die neuen Mitschüler schauten die Schüler anders in die Welt, sagte Schulsozialarbeiterin Christina Kindler. Sie zitierte ein syrisches Mädchen (17), die zwei Jahre nicht zur Schule gehen konnte, mit den Worten: „Hier ist Leben.“

• Die Tafel in Bebra öffne mittwochs eigens für die Neuankömmlinge aus den Krisengebieten, meinte Marion Raub.

Die Flüchtlinge stünden unter einem enormen Druck, dass ihr Asylantrag schnell anerkannt werde und sie ihre im Kriegsgebiet bedrohten Angehörigen nachholen könnten, berichtete Gundula Pohl von der Flüchtlingsberatung der Diakonie. Manche Eriträer hätten jedoch nach zwei Jahren noch keine Gewissheit.

Das Treffen fand im Haus der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Bebra statt. Viele der 264 Familien im Kreis und in Sontra, die der Gemeinde angehören, haben Verpflichtungserklärungen für Angehörige abgegeben, sagte Gastgeber Gevriye Demir. Damit müssen sie für deren Lebensunterhalt samt Krankenversicherung aufkommen - bei Bedarf auch nach Anerkennung des Asyls. Die Familien kratzten alles zusammen, um ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen, sagte Pohl. Wenn sie sich finanziell übernehmen, springe zwar der Landkreis ein, müsse das Geld aber zurückfordern, erläuterte Hildebrand.

Problematisch ist unter anderem die kurzfristige Ankündigung von Flüchtlingen. Erst einen Tag vorher wisse man, wer komme. So hatten die Menschen, die jetzt im Immensee bei Ronshausen sind, zunächst keine Kleidung. Der erste Sprachkurs mit Orientierung für die Asylbewerber hat in Bebra begonnen. Weitere im Kreis sollen folgen, aber es fehlt an Sprachlehrern.

Neun Integrationskurse laufen im Kreis für diejenigen mit Aufenthaltserlaubnis. Überlegt wird die Einrichtung von Intensivklassen zwei bis drei Wochen vor dem ersten Schulbesuch der Kinder.

Kontakt: für Ehrenamtliche, Patenschaften, Sportangebote Antonia Rösner, Tel. 06621/873515, für Sachspenden Alexandra Klee-Richter, 06621/873531.

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