Pläne für Öffnung entwickelt

Ein Sommer ohne Freibad? Betreiber in Waldhessen warten auf Entscheidungen zur Saison 2020

Biberbad in Bebra bibbert: Die Eröffnung der Freibadsaison wird aufgrund der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben. Christian Plafki bereitet das Biberbad dennoch auf eine mögliche Öffnung vor.
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Biberbad in Bebra bibbert: Die Eröffnung der Freibadsaison wird aufgrund der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben. Christian Plafki bereitet das Biberbad dennoch auf eine mögliche Öffnung vor.

Die Bäder sind bereit, doch die Prognosen sind düster.

Viele Betreiber im Kreis Hersfeld-Rotenburg rechnen damit, dass die Freibadsaison 2020 durch die Corona-Krise ins Wasser fällt. Eine Entscheidung dazu steht derzeit noch aus.

„Wir wollen natürlich alle die Bäder öffnen, aber es muss sich erst klären, ob sie unter die bis Ende August in Hessen verbotenen Großveranstaltungen fallen“, sagt Schwimmmeister Kay Thimet, der Bäder in Bad Hersfeld, Kirchheim, Nentershausen, Philippsthal und Schenklengsfeld betreibt. Er hofft darauf, dass Bund und Land noch Anfang Mai entscheiden, ob einer Freibadsaison unter Einhaltung strenger Hygiene-Verordnungen möglich ist. Auch Heringens Bürgermeister Daniel Iliev würde gern „zumindest in der Ferienzeit“ das Fritz-Kunze-Bad öffnen. Realistisch gesehen sei jedoch damit zu rechnen, dass der Gesetzgeber keinen Sommerbetrieb zulässt. Auch Alexander Wirth, Bürgermeister von Wildeck, geht aktuell davon aus, dass das Freibad in Obersuhl nicht öffnen wird: „Dafür würden wir Anfang September das Hallenbad zur Nutzung freigeben.“ In Ronshausen werden derzeit keine Vorbereitungen für eine Öffnung des Freibads getroffen. „Persönlich gehe ich davon aus, dass wir für diese Saison den Badpark leider gar nicht öffnen können“, befürchtet Bürgermeister Markus Becker. Die Entscheidung für den Beginn der Vorbereitungen werde von Woche zu Woche nach hinten geschoben.

Dennoch bereiten sich einige Freibäder im Landkreis weiter auf die Badesaison vor, falls ein Betrieb möglich werden sollte. Das heißt, die üblichen Vorbereitungen der Bäder wie die Pflege der Grünanlagen, die Überprüfung, der Schwimm- und Badewassertechnik und das Reinigen der Sanitärbereiche werden weiterhin erledigt.

Außerdem überlegen die Betreiber, wie eine Badesaison in Zeiten von Corona aussehen könnte: „Wir haben Pläne entwickelt zu Hygieneregeln und möglichen Öffnungszeiten mit begrenzter Anzahl an Besuchern und einer begrenzten Aufenthaltsdauer“, sagt Tim Hildebrand, Betriebsleiter der Bäder in Rotenburg. So sollen alle Gäste die Möglichkeit zum Besuch bekommen. Es müsse wohlüberlegt sein, wie in der Praxis der Zugang geregelt wird. Eine gerechte Lösung mit größtmöglicher Sicherheit für alle Badegäste zu finden, sei durchaus eine Herausforderung. 

„Die Öffnung der Freibäder ist dieses Jahr für die Bevölkerung besonders wichtig. Wahrscheinlich werden alle zu Hause sein und keinen Sommerurlaub machen können“, sagt Alexander Schmeh, Geschäftsführer der Bädercoach GmbH, der im Auftrag der Stadt Rotenburg die Betriebsleitung der Bäder übernimmt. 

Wenn es wieder zu einem schönen und warmen Sommer kommen sollte, wollen sich die Menschen abkühlen und es zieht sie ans Wasser. „Werden die Freibäder geschlossen bleiben, wird es an Flüssen und Seen zu einem hohen Besucheraufkommen kommen und es ist eventuell mit einer erhöhten Anzahl an Ertrinkungstoten zu rechnen. Deshalb spreche ich mich für eine kontrollierte Öffnung der Freibäder aus.“ 

Für eine mögliche Schwimmbadöffnung hat sich Alexander Schmeh bereits Gedanken gemacht. Er stellt sich die Freibadsaison folgendermaßen vor: Begrenzte Besucherzahlen, Zahlung online bei der Stadt, Mundschutz außerhalb des Schwimmbeckens, erhöhter Hygieneaufwand der Badebereiche, Händedesinfektion für die Gäste, Überwachung und Kontrolle der Einhaltung durch das Schwimmbadpersonal und Änderungen der Öffnungszeiten. „Eventuell müssten die Freibäder täglich zwischendurch geschlossen werden zur Reinigung und Desinfektion. Aber das sind alles erst einmal nur Ideen und noch nichts steht fest.“ 

Doch was ist, wenn die Bäder nicht öffnen können? „Einerseits würden uns die Eintrittsgelder fehlen, andererseits minimieren sich dann die laufenden Kosten, wenn kein Betrieb ermöglicht wird“, erklärt Daniel Iliev, Bürgermeister der Stadt Heringen. Die laufenden Kosten des Fritz-Kunze-Bades werden wie üblich durch die Stadt getragen. Das heißt, wenn das Freibad in diesem Jahr durch das Coronavirus höhere Einbußen verzeichnet als in den vergangenen Jahren, muss die Stadt Heringen entsprechend einen höheren Zuschuss zahlen. „Meine Hoffnung ist, dass das Land den Kommunen in diesem Bereich unter die Arme greift.“ 

Die Situation ist auch für einige Vereine eine schwierige. „Wir haben eine erfolgreiche Schwimmabteilung beim TV 03 Heringen, die nun unter Wettkampfbedingungen nicht trainieren kann. Ebenso müssen unsere wichtigen Lebensretter vom DLRG sich in Geduld üben“, sagt Daniel Iliev. Er könne aktuell nur von Mitteilung zu Mitteilung des Landes schauen. „Das erschwert auch die Planung zum Einsatz des Personals. Denkbar wäre, dass wir Mitarbeiter des Bades intern umsetzen, damit ihnen weiterhin ermöglicht wird, zu arbeiten.“ 

Zunächst aber müssen alle Betreiber der Schwimmbäder und alle Schwimmfreunde im Landkreis die nächste Abstimmungsrunde von Bund und Ländern hoffnungsvoll abwarten

Von Carolin Eberth

In der Kleinstadt Wolfhagen im Landkreis Kassel ist eine Entscheidung gefallen: Die Schwimmbäder bleiben zu

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