Dramatische Szenen vor 73 Jahren

Zeitzeuge erinnert sich: An Ostern 1945 kam der Krieg nach Breitenbach

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Von der Bogenbrücke blieben nur Trümmer: Am Mittag des 1. April 1945, dem Ostersonntag, sprengten SS-Truppen die Fuldabrücke in Breitenbach. Die gewaltige Detonation richtete großen Schaden an, auch weil die Sprengladung wohl unfachmännisch angebracht war und die Druckwelle sich gegen das Dorf richtete. Tags drauf errichteten die Amerikaner eine Pontonbrücke.

Breitenbach. An Ostern 1945 traf der Zweite Weltkrieg die Region mit voller Wucht. Auch in Breitenbach spielten sich dramatische Szenen ab. Zeitzeuge Ottokar Ritter, 1934 in Breitenbach geboren, erinnert sich.

Vor 73 Jahren fielen die Ostertage ebenfalls auf den 1. und 2. April. Es waren die Tage, an denen der Krieg nach Breitenbach kam und Tod, Leid und Zerstörung über das Dorf brachte. In der Osterwoche heben Zivilisten, Volkssturmmänner und Fremdarbeiter Schützengräben an der Hersfelder Straße und an den Feldwegen aus, da die Amerikaner aus Richtung Hersfeld erwartet werden. Auf den Straßen werden viele Gefangene hin und her transportiert. Amerikanische Aufklärungsflieger beherrschen den Luftraum. Am Karfreitag rollten viele Panzer der Wehrmacht auf dem Rückzug durch Breitenbach.

Alle Häuser geräumt

Zeitzeuge Ottokar Ritter, der 1934 in Breitenbach zur Welt kam. 

Am Ostersamstag kommt eine Einheit der Waffen-SS mit etwa 30 Männern nach Breitenbach mit dem Auftrag, die vorrückenden Amerikaner zu bekämpfen. Bis 17 Uhr müssen alle Häuser an der Hersfelder Straße geräumt werden. Die Einwohner fliehen zu Bekannten. Am Ostersonntag stirbt gegen 10 Uhr der Befehlshaber der Flak, Major Alfred Lauer, auf seinem Gefechtsstand am Höberück. Lauer wollte die Fuldabrücke schonen und das Dorf kampflos übergeben.

Am Vormittag errichtet die SS auf der Hauptstraße in Höhe des alten Pfarrhausee eine Panzersperre. Beim Aufbau der Panzersperre rät Pfarrer Wilhelm Scheffer den SS-Soldaten, den sinnlosen Versuch zu unterlassen, worauf ein SS-Mann antwortet: „Noch ein Wort und Sie werden sofort erschossen.“

Gegen 13 Uhr sprengen SS-Männer die Brücke. Die Amerikaner greifen gegen 15.30 Uhr aus Richtung Lüdersdorf an und dringen nach Breitenbach vor, wobei sie von SS-Männern beschossen werden. Daraufhin schießen die Amerikaner die Bauernhöfe Becker und Schade in der Ortsmitte in Brand. Als gegen 18 Uhr aus Richtung Blankenheim weitere US-Panzer nach Breitenbach einrollen, werden auch diese von den Männern der Waffen-SS mit Panzerfäusten aus dem Schutz der Häuser und des offenen Bachkanals heraus beschossen. Weitere Gebäude geraten in Brand. Die Kämpfe dauern bis etwa Mitternacht an.

Dann setzen sich die SS-Männer über die Fulda bei der Ulfenmühle in Richtung Osten ab. Die Amerikaner, die mehr als zwanzig Soldaten verloren haben, ziehen sich nach Lüdersdorf zurück.

Die letzten Kriegstage in Breitenbach: Unser Foto zeigt einen deutschen Soldaten an der Hersfelder Straße auf Höhe der Bäckerei Siebald (heute Thiel). Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Pfarrer schwenkt weiße Fahne

Am Ostermontag rollen am Morgen 30 Panzer nach Breitenbach. Pfarrer Scheffer geht ihnen mit einer weißen Fahne entgegen und übergibt das Dorf an die Amerikaner. Bis 11.30 Uhr ist das gesamte Dorf besetzt. Wegen der getöteten Soldaten drohen Geiselerschießungen. Dies kann in Verhandlungen mit dem amerikanischen Kommandeur verhindert werden. Als Vergeltung beschießen die Amerikaner Wohnhäuser und Scheunen mit Phosphorgranaten, sodass es an vielen Stellen im Ort zu Bränden kommt.

Am Osterdienstag rollen die amerikanischen Verbände über die von Pionieren in der Nacht errichteten Pontonbrücke in Richtung Bebra weiter.“ (red/ses)

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