Emotionale Debatte über Flüchtlings-Notunterkünfte in Hersfeld und Bebra

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Bad Hersfeld/Bebra. Emotional, aber meist sachlich wurde am Donnerstag bei Bürgerversammlungen in Bad Hersfeld und Bebra über die geplanten Unterkünfte für Flüchtlinge diskutiert.

Dabei hatten die Bürger die Möglichkeit, Landrat Dr. Michael Koch, Sozialdezernentin Elke Künholz und dem stellvertretenden Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber ihre Fragen zu stellen, aber auch Sorgen zu artikulieren.

Aktualisiert am Freitag um 7.14 Uhr

Landrat Koch betonte erneut, dass es sich bei den geplanten Unterkünften um Notquartiere gegen Obdachlosigkeit handelt. Der Herkules-Markt sei ein gutes Gebäude, weil er groß und sicher ist. Allerdings sei im bewusst, dass die Lage an der Breitenstraße mit den vielen Schülern, die dort umsteigen, nicht optimal sei. Koch unterstrich, dass nicht alle 1000 in Kürze erwarteten Flüchtlinge im Herkules-Markt untergebracht werden sollen.

Elke Künholz machte erneut deutlich, dass die jetzt geplanten Quartiere „Überlauf-Einrichtungen“ sind, weil die Aufnahmezentren in Gießen aus allen Nähten platzen. „Die Menschen kommen aber nicht auf einen Schlag zu uns, sondern schubweise.“ Aggressive Zwischenrufe aus der Zuhörerschaft „was danach komme“ konterte Koch souverän mit dem Hinweis darauf, dass man „hier auch nicht schlauer sei als in der Bundesregierung“.

Stellten sich den Fragen der Bürger in Bebra: von links Bürgermeister Uwe Hassl, Hermann-Josef Klüber vom RP, Landrat Dr. Michael Koch, Sozialdezernentin Elke Künholz, Dieter Pfaff und Frank Hildebrand vom Landratsamt. Foto: Künemund

Bei der Diskussion wurden von vielen Bürgern Sorgen und Ängste geäußert. Vor allem mehrere Frauen sagten, sie fürchten sich bei dem Gedanken, dass viele junge Männer in der Breitenstraße unterkommen sollen.

Eine junge Frau, die selbst einen Migrationshintergrund hat, warnte zudem vor der Gefahr einer ideologischen Unterwanderung durch extremistische Kräfte in den Reihen der Flüchtlinge. „Ich würde mir mehr Realismus in der Debatte wünsche“, sagte sie.

Kritik wurde von einigen Zuhörern an der Auswahl des Notquartiers geübt, angeblich gebe es Alternativen in Bad Hersfeld. Das bestritt Landrat Koch und verwies darauf, dass im Herkules-Markt mehr Menschen als in der Geistal- und Waldhessenhalle zusammen unterkommen können. Man wolle ohnehin auch weiterhin versuchen, Turnhallen als Notquartiere zu vermeiden. Garantieren könne er das aber nicht.

Auch Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling räumte ein, dass „zwei Herzen in seiner Brust schlagen“. Einerseits überzeugten ihn die logistischen Vorteile einer großen Sammelunterkunft im Herkules-Markt. Andererseits wisse er um die Probleme im Quartier Breitenstraße, dass die Stadt eigentlich als Sanierungsgebiet ausgewiesen hatte, um es umzustrukturieren.

Fehling appellierte an die Toleranz der Hersfelder, machte aber auch deutlich, dass die Flüchtlinge bei uns „keine Narrenfreiheit“ genießen.

Im Anschluss an die Bürgerversammlung in Bad Hersfeld stellten sich Landrat Dr. Michael Koch, Bürgermeister Uwe Hassl und andere Verantwortliche auch den Fragen von ungefähr 200 Bürgerinnen und Bürgern Bebras. Zu Anfang wurden im Plenum die Themen öffentliche Sicherheit, Verweildauer in der Unterkunft und Aufnahmekapazität angesprochen.

Blick in die Aula. Foto: Künemund

Landrat Dr. Michael Koch betonte, dass der ehemalige Toom-Markt noch nicht als Unterkunft feststeht. Man wolle aber wie auch in Bad Hersfeld vermeiden, Flüchtlinge in der Großsporthalle einzuquartieren. Die Redner wiesen zudem daraufhin, dass gerade die Bebraer in der Vergangenheit schon bewiesen haben, wie gut sie integrieren können. Trotzdem wurden Sorgen und Ängste hinsichtlich ansteckender Krankheiten oder Beschulung ernst genommen und ausführlich beantwortet.

Von vielen Zuhörern kamen zudem konkrete Nachfragen, wo und wie man helfen könne. Entsprechende Angebote koordiniert das Landratsamt. Dazu wurde ein Bürgertelefon geschaltet unter der Rufnummer 06621 / 87 5000. Dort können natürlich auch Fragen gestellt werden.

Um 21.15 Uhr endete die Bürgerversammlung mit mehreren Statements, die Hoffnung machten, dass Bebra auch mit 500 Flüchtlingen gut klarkommen wird. Bernd Holzhauer wies zum Beispiel darauf hin, dass auch Skodran Mustafi aus einer fremden Kultur zugezogen und jetzt ein erfolgreicher Fußballer aus Bebra sei. Horst Pfau appellierte, die Herausforderung anzunehmen und Elisabeth Rehs forderte dazu auf, die Menschen mit offenen Armen und einem freundlichen Lächeln zu begrüßen.

Ob der ehemalige Toom-Baumarkt am Ende als vorübergehende Notunterkunft genutzt wird, steht aber noch gar nicht fest. Landrat Koch betonte, es sei das gute Recht eines jeden, Ängste zu haben, und sagte, die Polizei sei „an unserer Seite“. Er werde mitteilen, sobald die Nutzung des Baumarktgebäudes konkret werde.

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