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Entscheidung über Pläne von Logistiker Pfenning in Bebra erneut vertagt

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Von: Clemens Herwig

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Machen den Weg nicht frei: Unterstützer der Nachbarschaftsinitiative stehen für unser
Machen den Weg nicht frei: Unterstützer der Nachbarschaftsinitiative stehen für unser © Clemens Herwig

In Bebra hat sich eine Nachbarschaftsinitiative gegründet, die Unterschriften gegen den Bau einer „Monsterhalle“ sammelt. Eine Entscheidung der Stadt zu den Plänen wurde vertagt, das Unternehmen bittet um Aufschub.

Bebra – Eine Entscheidung, ob die Pläne von Logistiker Pfenning im Industriegebiet in Bebra von der Stadt wohlwollend begleitet werden, wird es vorerst erneut nicht geben: Das Unternehmen bittet um Aufschub.

Hintergrund dürfte auch der Widerstand gegen den Entwurf einer Neun-Hektar-Halle an der Georg-Ohm-Straße mit einer Höhe von 17 Metern sein, der unter anderem bei einer Bürgerversammlung deutlich geworden ist – wir berichteten. Mittlerweile hat sich eine Nachbarschaftsinitiative gegründet, die Unterschriften gegen das Projekt sammelt.

Ursprünglich sollte das Bebraer Stadtparlament am 7. Juli im zweiten Anlauf entscheiden, ob der Logistiker willkommen ist. Pfenning wolle nun aber zunächst prüfen, ob eine kleinere Halle und ein Anschluss an die Bundesstraßen 27 und 83 möglich sind – etwa im Rahmen der Ortsumgehung Lispenhausen, so Bürgermeister Stefan Knoche.

Vom Unternehmen aus Heddesheim (Baden-Württemberg), das bereits in Bad Hersfeld und Ludwigsau Hallen baut, heißt es auf Nachfrage: „Wir beabsichtigen, das Projekt in Bebra weiterzuverfolgen, und haben daher eigeninitiativ um zeitlichen Aufschub der Entscheidungsfindung gebeten“, sagt Sprecherin Yeliz Kavak-Küstner.

„Damit möchten wir allen Beteiligten die notwendige Zeit einräumen, aufgekommene Fragestellungen gemeinsam zu erörtern.“

Stadt Bebra erhält weiterhin Anfragen

Laut Knoche erreichen Bebra zudem Anfragen „verschiedener Projektentwickler, die auch Zeitung lesen“ und ebenfalls Ideen für das Gelände an der Georg-Ohm-Straße hätten.

Wie ernsthaft dieses Interesse ist, will die Verwaltung bis September ausloten. Dann könnten die Logistiker-Pläne und etwaige Alternativen das Stadtparlament erneut beschäftigen.

Geht es nach einer Nachbarschaftsinitiative, verändert sich auf dem mehr als 20 Hektar großen Gelände mit überwiegend landwirtschaftlichen Flächen gar nichts.

Einige Anwohner leben nur etwa 100 Meter Luftlinie vom möglichen Hallenstandort entfernt. Die Initiative fordert, die Fulda-Aue als Natur- und Naherholungsgebiet für Mensch und Tier zu erhalten und für die „Monsterhalle“ keinen guten Boden zu vernichten.

Befürchtet werden auch ein Wertverlust der eigenen Grundstücke und mehr Lärm – nicht nur durch Lastwagen. Eine Halle würde als „Betonwand“ den Krach zurück nach Bebra werfen, der derzeit in der offenen Fulda-Aue verebbe.

Die Argumente für die Ansiedlung wie 200 Arbeitsplätze im Logistiksektor und Einnahmen für den Stadtsäckel überzeugen die Anwohner nicht. „Die Erlebnisregion Mittleres Fuldatal kann man dann vergessen.“

Unterschriften sollen am 7. Juli überreicht werden

Zu den Kritikern der Pläne gehören auch die Unternehmer-Brüder Semm. Ihre Firmengelände liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem schmalen städtischen Grundstück, auf dem das Industriestammgleis verläuft, das den Standort für Pfenning so interessant macht. Das Unternehmen will den eingehenden Transport teils auf die Schiene verlegen.

Die gegen das Projekt gesammelten Unterschriften sollen vor der Parlamentssitzung am 7. Juli übergeben werden, weil die Pläne trotz Aufschub nicht vom Tisch seien. Die Kritiker überlegen bereits, zu einer Bürgerschaftsinitiative anzuwachsen.

Auch Sportvereine befürchten Nachteile für die nahe Biberkampfbahn, wo jüngst ein neuer Kunstrasenplatz eingeweiht worden ist. So schreibt Dirk Wahl, Vorsitzender des 1. FV Bebra, an die Stadt: In die Biberkampfbahn seien „rund 650 Teuro“ – also über eine halbe Million Euro – investiert worden.

Die „geilste Sportanlage im Kreis“ zu haben sei Ansporn der Vereine – die nun besorgt auf die Pläne zur „Mega-Logistikhalle“ blickten.

(Clemens Herwig)

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