Ehemalige Mitarbeiter: Schreiben wurde uns vorenthalten

Erneut Streit bei der Tafel Bebra-Rotenburg: Brief sorgt für Frust bei Helfern

Treffen unter Corona-Bedingungen: Am Breitenbacher See sind ehemalige ehrenamtliche Helfer der Tafel Bebra-Rotenburg zusammengekommen, um sich zu beraten.
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Treffen unter Corona-Bedingungen: Am Breitenbacher See sind ehemalige ehrenamtliche Helfer der Tafel Bebra-Rotenburg zusammengekommen, um sich zu beraten. Die Helfer sind unzufrieden.

In der Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Tafel Bebra-Rotenburg und ihren ehrenamtlichen Helfern kehrt keine Ruhe ein. Jetzt sorgt ein Brief für Aufregung.

Bebra/Rotenburg - Bereits im Oktober hatten zehn Ehrenamtler frustriert die Öffentlichkeit gesucht. Der Vorwurf: Man wolle sie als unbequeme Mitarbeiter aus dem Weg haben. Neuer Streitpunkt ist nun ein von den hauptamtlichen Organisatorinnen der Tafeln unterzeichnetes Schreiben des zuständigen Zweckverbands der Diakonie.

In dem Brief wird den ehrenamtlichen Helfern gedankt, die sich vor und auch während der Corona-Pandemie für die Tafel eingesetzt haben. Verständnis wird auch geäußert für alle, die sich als Teil der Risikogruppen aus der Arbeit zurückgezogen haben. „Wer jetzt nicht mehr dabei ist, hat gute Gründe. Als Verantwortliche für die Tafelarbeit und die Bahnhofsmission haben wir vollstes Verständnis dafür, wenn Frauen und Männer, die sich zur Risikogruppe zählen, nicht mehr mitarbeiten. Wir bitten sogar darum, sich aus der praktischen Arbeit zurückzuziehen, da uns auch Ihr Wohlbefinden am Herzen liegt“, heißt es wörtlich.

Ehemalige Mitarbeiter: Teil des Schreibens wurde uns vorenthalten

Hingewiesen wird auch auf einen zweiten Teil des Schreibens, in dem alle, die weiterarbeiten möchten, unter anderem unterschreiben sollen, dass sie dies auf eigenes Risiko tun. Aber dieser Teil des Schreibens ist bei den Ehrenamtlichen im Raum Bebra-Rotenburg offenbar nicht angekommen. Und das ärgert all jene, die ohnehin davon überzeugt sind, dass die Leitung des Zweckverbands der Diakonie und besonders die Tafel-Leiterin in Bebra persönlich sie als unbequeme Mitarbeiter aus dem Weg haben möchten.

Sie sehen die Corona-Krise nur als vorgeschobenen Grund an, sie loszuwerden, und verstehen den Brief direkt als Rauswurf. „Wenn wir den zweiten Teil des Briefs bekommen hätten, hätten wir alle unterschrieben und könnten weitermachen,“ sagt etwa Hiltrud Becker, die die Gesamtsituation bei einem Treffen auch als „verfahrene Kiste“ beschreibt. Gundula Pohl, die beim Zweckverband der Diakonie auch für den Brief zuständige Frau, ist fassungslos: Man habe damit einfach nur dokumentieren wollen, dass keiner ein schlechtes Gewissen haben muss, der in diesen Zeiten sein Ehrenamt aufgibt.

Dass die umstrittene zweite Seite zwar bei den Ehrenamtlichen in Bad Hersfeld, aber nicht bei denen im Kreisteil Rotenburg angekommen ist, bedauert Dekanin Gisela Strohriegl. Das sollte eigentlich einheitlich gehandhabt werden, das zweite Schreiben sollten die für die Dienste eingetragenen später unterschreiben. Da sei organisatorisch etwas schief gegangen.

Dekanin Strohriegl: Gesprächsangebot wurde kurzfristig abgesagt

Auch der Dekanin ist die angespannte Situation bewusst. Sie sagt aber auch, dass es innerhalb der Ehrenamtlichen nur eine kleine Gruppe von Unzufriedenen gebe. „Die Leute haben nicht reihenweise aufgehört“. Sie weist auch darauf hin, dass es ihrerseits Gesprächsangebote gegeben habe. Dazu sei auch ein ausreichend großer Raum angemietet worden. Doch seitens der Unzufriedenen sei der Termin kurzfristig abgesagt worden. Das bestätigt auch Wolfgang Hahner, der zu den unzufriedenen Ehrenamtlern gehört und ebenfalls abgesagt hatte. Die meisten hätten den Termin aus persönlichen Gründen oder wegen des Ansteckungsrisikos nicht wahrgenommen.

Dabei wird ein klärendes Gespräche von allen befürwortet, das wurde beim Treffen der ehemaligen Tafel-Mitarbeiter ebenso deutlich wie im Gespräch mit der Dekanin. Strohriegl macht aber auch klar, dass Ehrenamtliche nicht über Personalfragen bei der Diakonie mitentscheiden könnten.

Die Hauptkritik der Ehrenamtlichen wendet sich nach wie vor gegen die neue Tafel-Leiterin, von der sie sich nicht angemessen behandelt fühlen. Dass man sich bei einem Leitungswechsel neu sortieren müsse, sei normal, so die Dekanin. Eine Professionalisierung sei notwendig, weil sich auch die Vorgaben im Laufe der Jahre geändert hätten. Diese im Bereich Hygiene und Arbeitssicherheit konsequent umzusetzen, sei Teil der Leitungsaufgaben, auch wenn dies kritisiert werde. (Silke Schäfer-Marg)

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