Auf Spurensuche im Altkreis

Erwin Willing hat ein Buch über Rotenburg und die Region geschrieben

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Liefert ein Kaleidoskop von Anekdoten: Die Geschichte Bebras nimmt in Willings Werk „Spurensuche“ einen breiten Raum ein. Willing – hier als Fotomontage vor dem Rathaus in Bebra – selbst ist mit der Eisenbahnerstadt eng verbunden. Seine Großmutter und vier Schwestern seiner Mutter lebten in Bebra.

Erwin Willing erinnert in seinem Buch „Spurensuche – Nachdenkliches und Heiteres aus der Geschichte des Altkreises Rotenburg und seiner Nachbarorte“ an vergangene Zeiten. 

Schon lange werden in den alten Dorfschulen von Hergershausen, Heinebach, Lispenhausen, Blankenheim, Machtlos, Ronshausen, Wildeck, Weiterode und Bebra keine Schüler mehr unterrichtet. Neue Rathäuser haben alte Amtsstuben abgelöst. Kurfürsten und Provinzfürsten sind demokratischen Gremien gewichen. Nun hat der gebürtige Meckbacher Erwin Willing, dessen Ahnenreihe engste Verbindungen mit der Stadt Bebra aufweist, die alten Gebäude, Chroniken und Protokollbücher zu neuem Leben erweckt – in seinem Buch „Spurensuche – Nachdenkliches und Heiteres aus der Geschichte des Altkreises Rotenburg und seiner Nachbarorte“.

Das Ergebnis ist ein Spiegel der Zeitgeschichte, ein buntes Kaleidoskop von Anekdoten, Überlieferungen, Erzählungen und geschichtlichen Fakten, eben Nachdenkliches und Heiteres aus der Geschichte des Altkreises Rotenburg. Das Buch enthält Anekdoten von Land und Leuten aus noch nicht gar allzu grauer Vorzeit und erzählt dabei auch launig ebenso vom Hausschlachten wie der Zeit der Postkutschen, aus der noch die in vielen Orten geläufigen Straßennamen wie „Nürnberger Straße“ herrühren.

Anschaulich schildert der Autor die Entwicklung vom Schulhalter zum studierten Lehrer sowie von der kirchlichen bis zur staatlichen Schulaufsicht an den Volksschulen. Kritische Bemerkungen zur Prügelstrafe finden ebenso ihren Platz wie die anschauliche Beschreibung der Nutzung von Schiefertafel, Griffel und Schwämmchen.

Die Geschichte der Rotenburger Quart als teilsouveränes Fürstentum findet ebenso wie die Zeit der französischen Regenten sowie der ständig wechselnden Kurfürsten, Kaiser, Könige und sonstigen Potentaten ihren gebührenden Niederschlag, wobei Geschichten wie die vom Rotenburger Klapperstorch stets dafür sorgen, dass der Inhalt lebendig bleibt. Drastische Schilderungen von der fast vollständigen Vernichtung der Region aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sorgen für die notwendige historische Einordnung. Nicht fehlen darf die Geschichte der Bahn und insbesondere des Bahnhofs Bebra.

Breiten Raum nimmt die Zeit des Nationalsozialismus sowie des Zweiten Weltkrieges ein. Der für seine klare Position bekannte Autor nennt Ross und Reiter. Kein Einzelfall war die Ernennung Hitlers zum Ehrenbürger schon vor dessen endgültiger Machtergreifung.

Die Gleichschaltung der Volksschulen führte zu dramatischen Misshandlungen, wie im Fall eines sechsjährigen Mädchens, das von einem fanatischen Nazi-Lehrer in Weiterode nur deshalb mehrmals am Kragen gepackt, geschüttelt und angeschrien wurde, weil sein Vater sich dem Eintritt in die NSDAP verweigerte.

Zu der in Bebra durch unlängst verlegte „Stolpersteine“ anschaulicher gestalteten Geschichte der Judenvertreibung zitiert Willing seinen eigenen Vater, der für seine frei geäußerte Meinung, die Ausschreitungen in der Stadt seien „eine Schande für Deutschland“, fast Schläge bezogen hätte.

Der Autor stellt den Horror der Naziprogrome im Mikrokosmos der Dörfer und Städte um die Ecke dar, schildert Szenen aus dem Alltag der Menschen und lässt ihn so nahezu spürbar werden. Auch für den Bombenkrieg der Alliierten gegen die deutschen Städte findet Willing deutliche Worte.

Die Gegenüberstellung von Geschichte und zwischenmenschlich geschildertem Geschehen ist es, was Erwin Willings Werk so lesenswert macht.

Der Autor wird sein Buch am morgigen Mittwoch, 25. September, im Rahmen des Auftakts zur 1250-Jahrfeier im Hessischen Hof in Bebra persönlich vorstellen. Das Buch ist sowohl im örtlichen sowie Online-Buchhandel, als auch direkt beim Autor erhältlich. Es kostet 10,99 Euro. Mehr Infos: Erwin Willing, Muskatellerstraße 8, 86179 Augsburg, Email: gewilling@web.de zey

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