Erst Schülerin, dann Sekretärin

Siglinde Bachmann geht seit 46 Jahren in Bebra zur Schule

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An ihrem Schreibtisch: Siglinde Bachmann hat immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Schüler und Lehrkräfte. Im Schulsekretariat herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Links im Bild ihre Kollegin Sandra Roth und in der Mitte Lehrerin Regina Röse.

Bebra. Es war nicht ihr Traum, als gerade ausgelernte Industriekauffrau, 18 Jahre alt, an der eigenen Schule Sekretärin zu werden. Doch mittlerweile ist Siglinde Bachmann seit über 40 Jahren an ihrer Schule in Bebra tätig.

„So viele gescheite Lehrer“, hat Siglinde Bachmann damals gedacht, „das war eigentlich nicht mein Ding“, zumal sie die gleichaltrigen Schüler abends in der Disco traf.

Doch ihr Klassenlehrer Dieter Wiegand und Stenolehrerin Erika Winterstein überredeten sie, in Bebra anzufangen und nicht wie geplant in Kassel oder Frankfurt. Den ersten Arbeitstag allerdings fehlte sie - wegen der Führerscheinprüfung.

Auch wenn es kein leichter Anfang war, fühlte sich die junge Frau aus Obersuhl bald wohl an der Schule, wurde von vielen und wird bis heute liebevoll das „Bachmännchen“ genannt. Mittlerweile ist sie fast 42 Jahre an der Schule tätig und damit Dienstälteste. Rechnet man ihre eigene Schulzeit hinzu, geht sie seit 46 Jahren in Bebra zur Schule. Nach Gerhard Müller und Hans Gerlach, Friedrich Heßler und Dieter Wiegand arbeitet sie nun zusammen mit Kollegin Sandra Roth für das dritte Schulleiterteam, Wolfgang Haas und Reiner Marth.

Anfangs rief Schulleiter Müller noch zum Diktat, sie notierte in Steno und schrieb auf der Schreibmaschine ohne Korrekturfunktion. Bei einem Fehler musste das ganze nochmals abgetippt werden. Für jeden Schüler - zeitweise über 2000 - gab es eine Karteikarte sowie eine Personalakte, und weil die Schulpflicht länger dauerte als heute und so mancher den Unterricht scheute, liefen zeitweise bis zu 40 Bußgeldverfahren über ihren Schreibtisch.

Wer immer ein Problem hat, das Bachmännchen hilft und weiß Rat. Sie kennt nicht nur ganze Schüler- und Lehrergenerationen samt Kindern, sondern ist auch noch im Förderverein sowie im Kriseninterventionsteam aktiv, sorgt bei Veranstaltungen und Feiern für passende Deko.

Sie erlebte den Neubau des Kaufmännischen Trakts (1976/2011) an der Stelle des alten Hausmeisterhauses und den für das Berufliche Gymnasium (2011). Sogar von einer Bombendrohung im Jahr 2001 weiß sie zu erzählen.

Bis heute geht sie mit Freude in die Schule, berichtet Siglinde Bachmann lachend. Der Umgang mit jungen Leuten macht ihr ebenso Freude wie gemeinsame Aktivitäten mit dem Kollegium, Schulfeste oder das Singen im Lehrerchor. Am meisten schätzt sie an ihrer Schule das harmonische Miteinander und die Herzlichkeit im Umgang miteinander. Dies mache das gute Schulklima aus, sagt Siglinde Bachmann. Seit die Arbeit fast nur noch am Computer erledigt wird, werde weniger miteinander gesprochen, bedauert die Obersuhlerin. Aber ohne Schule würde ihr etwas fehlen.

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