Bahnpläne sorgen für Wirbel

Fulda-Gerstungen: Ministerium rechnet mit Halt auf grüner Wiese

Das Foto zeigt einen ICE auf en Gleisen in Bad Hersfeld.
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Kommt die Bahn oder fährt sie künftig an Bad Hersfeld vorbei? Am Trassenverlauf der Schnellbahnstrecke Fulda-Gerstungen hängen viele Planungen und Projekte in der Kreisstadt.

Ein Papier des Bundesverkehrsministeriums sorgt für Wirbel in Eisenbahnerkreisen.

Hersfeld-Rotenburg – Aufgelistet wird der über bisherige Planungen hinaus nötige Infrastrukturausbau des Bahnnetzes, um das ehrgeizige Ziel des Deutschlandtaktes zu erreichen – auch auf der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen. Der Aufreger: Das Ministerium rechnet beim Zusatz-Ausbau im Landkreis (Kostenfaktor: 4,98 Milliarden Euro) mit einem Streckenverlauf, der an Bad Hersfeld vorbeiführt und für einen Halt auf der von vielen abgelehnten grünen Wiese sorgen würde.

Konkret soll laut Ministerium die Neubaustrecke „Kirchheim – Blankenheim – Gerstungen“ für eine Maximalgeschwindigkeit von mindestens 230 Stundenkilometern statt der bisher geplanten 200 km/h ausgebaut werden. „Der Vorschlag würde Bad Hersfeld als Fernverkehrshalt ausschließen“, sagt Patrick Rehn. Der Lokführer aus Bebra und verkehrspolitische Sprecher der GDL Kassel hat das Papier entdeckt und die Diskussion in Eisenbahnerkreisen beobachtet.

Deutschlandtakt fordert hohes Tempo

Ziel des Deutschlandtaktes ist ein bundesweit abgestimmter Fahrplan. Neubaustrecken werden entsprechend geplant. Ein Entwurf für den Abschlussbericht zum Projekt soll in den kommenden Wochen vorliegen. Vorgesehen ist ein Halbstundentakt auf den wichtigsten Verbindungen im Fernverkehr mit guter Anbindung zum Nahverkehr. Dafür müssen die Strecken schneller werden – im Kreis sollen Züge etwa zwischen Bebra und dem Hönebacher Tunnel bis zu 230 km/h fahren.

Handelt es sich also um eine Vorfestlegung beim Streckenverlauf? Die Bahn hatte im Beteiligungsforum für die Neubaustrecke bisher stets betont, dass noch nach der besten Variante im Kreis gesucht wird – und beschwichtigt auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Ministerium habe für seine Untersuchung eine exemplarische Streckenführung aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 zugrunde gelegt. „Das heißt aber nicht, dass diese Variante auch so umzusetzen ist“, so eine Bahn-Sprecherin. Die Entscheidung liege weiterhin bei den Planern der Bahn. „Die DB Netz AG als Vorhabenträger entwickelt, untersucht und bewertet in ihrer Planung verschiedene Varianten“, heißt es.

Dennoch soll die Infrastrukturliste ein Thema des nächsten Beteiligungsforums werden. Zumal das Ministerium auch in weiteren Punkten von den Bahnplänen abweicht. So ist im Landkreis ein zweiminütiger Aufenthalt der Züge auf der Neubaustrecke in Bad Hersfeld oder Bebra vorgesehen. Die Eisenbahnerstadt als Fernverkehrshalt hatte die Bahn jedoch mehrfach ausgeschlossen. (Clemens Herwig)

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