Eine von bundesweit 19 Messstationen steht bei Reilos

Lokführer-Gewerkschaft GDL fordert: Mehr tun gegen Zuglärm

Will mehr Akzeptanz für den Transport auf der Schiene: GDL-Vorstandsmitglied Patrick Rehn am Bahnübergang in Reilos.
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Will mehr Akzeptanz für den Transport auf der Schiene: GDL-Vorstandsmitglied Patrick Rehn am Bahnübergang in Reilos.

Die Bebraer Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will dem Güterverkehr auf der Schiene durch den Ausbau der Lautstärkemesser zu mehr Akzeptanz verhelfen.

Die Bahnlinie Fulda-Bebra gehört zu den hochbelastetsten Strecken der Bundesrepublik: Der Schienengüterverkehr aus Kassel, Göttingen, Eisenach und dem süddeutschen Raum bündelt sich dort, bis zu 220 Güterz��ge sind täglich auf den Gleisen unterwegs. Auch deshalb steht bei Reilos seit etwa einem Jahr eine von bundesweit nur 19 Lärmmessstationen des Eisenbahn-Bundesamtes, mit denen die Lautstärke vorbeifahrender Züge in Echtzeit aufgezeichnet wird.

Die Bebraer Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert nun den Ausbau dieser Lautstärkemesser, um Lärmquellen besser zu identifizieren und deren Beseitigung auch kontrollieren zu können. Denn das Kuriose ist: Ausgerechnet die sogenannten Flüsterbremsen tragen durch sogenannte Flachstellen ihren Teil zum Zuglärm bei (siehe Hintergrund). „Betroffen sind besonders die Anwohner viel befahrener Strecken, wie es zwischen Fulda und Bebra der Fall ist“, sagt Vorstandsmitglied Patrick Rehn.

Die unscheinbare Messstation bei Reilos erfasst bereits jetzt mit zwei Mikrofonen pro Gleis die Lautstärke und per Kamera die Geschwindigkeit sämtlicher vorbeifahrender Züge. Die Daten sind nahezu in Echtzeit im Internet abrufbar. Bei den mit 100 Stundenkilometern vorbeirauschenden Gütertransporten steigt der Lärmpegel am Gleis durchaus auf 95 Dezibel und mehr. Die 19 Messstationen am deutschen Bahnnetz erfassen mehr als zwei Drittel des gesamten Schienengüterverkehrs, heißt es vom Eisenbahn-Bundesamt.

Zeichnet Zuglärm in Echtzeit auf und stellt die Daten ins Internet: die Lärmmessstation des Eisenbahn-Bundesamtes an den Gleisen bei Reilos. Im Hintergrund links ist das Umspannwerk zu sehen.

Der GDL reicht das nicht: „Der Schienengüterverkehr steht immer noch im harten Wettbewerb mit dem Straßentransport“, sagt Rehn. Weil die Zugzahlen und damit auch die Lärmbelastung stiegen, verliere der Warentransport per Bahn allerdings wieder an Zustimmung. Durch eine Aufrüstung der Kamera ließen sich Wagennummern und auch die Halter der Waggons ermitteln, bei denen eine Lärmbelastung auftrete. Diese könnten dann gezielt – und mit Frist – aufgefordert werden, die Mängel zu beseitigen. Eine Versuchsanlage, die den gesamten passierenden Zug fotografiert, stehe bereits bei Vollmerz im Spessart (Main-Kinzig-Kreis), so Rehn. Zudem sollten lärmende Flachstellen als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden.

Eine Erfassung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im viel befahrenen Rheintal hatte bereits 2014 ergeben, dass bei sieben Prozent aller Zugachsen eine Lärmbelastung durch Flachstellen auftritt. „Bei Güterzügen mit 120 Achsen macht sich das schon bemerkbar“, sagt Patrick Rehn – auch wenn manche Garnituren komplett unauffällig seien, während „es sich in anderen Züge ballt“. Auf der Strecke zwischen Fulda und Bebra haben die Züge in der Regel zwischen 80 und 150 Achsen.

Hintergrund: Erst flüstern, dann poltern

Die sogenannten Flüsterbremsen bestehen aus speziellen Kunststoffen und nicht mehr wie ihre Vorgänger aus Stahl. Dadurch raut sich die Lauffläche der Räder beim Bremsen nicht mehr auf, die Räder bleiben glatt und der rollende Zug ist entsprechend leiser. Die Kehrseite des Materials: Bei starken Bremsungen und ungünstiger Witterung blockieren die Räder, die sich eigentlich selbst bei stärksten Bremsungen noch leicht drehen sollten. Weil Material auf Material reibt, entstehen unterschiedlich lange und tiefe Unebenheiten im Rad – die sogenannten Flachstellen, die beim Vorbeifahren des Zuges für teilweise laut polternde, klopfende oder schlagende Geräusche sorgen.

Weitere Informationen im Internet unter: laerm-monitoring.de

Von Clemens Herwig

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