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Hans-Joachim Heist alias Heinz Erhardt war auf Bebraer Drive-In-Bühne zu Gast

Hans-Joachim Heist alias Gernot Haßknecht alias Heinz Erhardt beim Drive-In-Festival in Bebra.
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Hans-Joachim Heist alias Gernot Haßknecht alias Heinz Erhardt beim Drive-In-Festival in Bebra.

„Schöne Menschen haben schöne Autos“ – diese Erkenntnis nahm Hans-Joachim Heist alias Gernot Haßknecht alias Heinz Erhardt ganz sicher von seiner nachmittäglichen Visite in Bebra mit.

Eigentlich hätte er bereits im März im Lokschuppen auftreten sollen. Jetzt trat Heist mit seinem Erhardt-Programm auf der Drive-In-Bühne des Bebraer Musikfestivals auf. Sein Auftritt lockte knapp 100 Zuschauer in rund 40 Autos auf den Mehrzweckplatz. Die Technik half beim Überbrücken der räumlichen Distanz zu den Menschen in ihren Fahrzeugen: Über UKW gelangte der Ton glasklar und gut regelbar in die Autoradios und selbst in den hinteren Reihen war es möglich, den Künstler über die LED-Videowände auch in Großaufnahme zu sehen.

Eine Brille reichte Hans-Joachim Heist für die Verwandlung: Er zitierte nicht nur die berühmten Gedichte und Lebensweisheiten, er war Heinz Erhardt in Mimik und Gestik, in Sprache und Habitus. Mit viel Frische und Lebendigkeit und großer Lust an der Kunst der gepflegten Verwirrung und Wortverdrehung erweckte er die unsterblichen Texte zum Leben, unter denen Klassiker wie die Balladen vom Ritter Fips und Ritter Kunibert, das Gedicht von Zeus und der schönen Europa, dem König Erl, vom Nasshorn und vom Trockenhorn sowie von der Made selbstverständlich nicht fehlen durften. Unter dem Einfluss mehrerer Schnäpse, die sich allerdings als Wasser erwiesen, riskierte Heist flotte Tänzchen und hüpfte – „wie von der Tante Ella gestochen“ – zu den von ihm gesungenen Liedern des Altmeisters Erhardt, der nicht nur Dichter, sondern auch ein durchaus ernst zu nehmender Musiker war, über die Bühne.

Hier gibt es viele weitere Fotos vom Heinz-Erhardt-Nachmittag beim Drive-In-Festival auf dem Mehrzweckplatz in Bebra.

Nur manchmal musste der selbst ernannte „scheue Schelm“ Heinz Erhard alias Hans-Joachim Heist das Publikum mit einem energischen „Stipendium!“ zur Ordnung rufen, um „Noch’n Gedicht“ vortragen zu können. Und natürlich konnte sich Heist an einigen Stellen Bezüge zur Gegenwart nicht verkneifen: So lästerte er über die Inflation der amerikanischen Feste in Deutschland („Hallo Wien gehört doch eigentlich eher nach Österreich“), um dann eine spitze Bemerkung über den Horrorclown im Weißen Haus fallen zu lassen.

Auch wenn mehr Zuschauer der Stimmung sicher gutgetan hätten: Wer da war, kam voll auf seine Kosten. Die meisten der Zuschauer, die zum Teil aus den benachbarten Kreisen angereist waren, outeten sich als bekennende Fans des Wortakrobatik-Virtuosen der 1950er und 1960er Jahre. Bei den meisten gehört nach eigenen Angaben das „Große Heinz-Erhardt-Buch“ zur Standardausstattung des heimischen Bücherregals.

Nach fast einem Vierteljahr Kulturabstinenz freuten sich die Zuschauer sichtlich auf den Auftritt auf dem Mehrzweckplatz und honorierten ihn dann auch mit lautstarken Hupkonzerten, mit dem Einsatz der Lichthupe und mit Winkeinlagen.

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