Küster Otto Schmidt rief Imker zur Hilfe

Gerettet: Bienenschwarm hatte sich in der Gilfershäuser Kirche eingenistet

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Hier hatten sich die Bienen eingenistet: Unter dem Boden des Kirchenobergeschosses. Jetzt soll das Loch mit Rauspund wieder fachgerecht verschlossen werden.

Gilfershausen. Als Küster der Kirche in Gilfershausen hat Otto Schmidt immer was zu tun. Jetzt hat er mit der Hilfe eines Imkers einen Bienenschwarm gerettet, der sich in der Kirche eingenistet hatte. 

Schmidt übt zusammen mit seiner Frau Gisela seit 1992 das Küsteramt aus, aber eigentlich tut er noch viel mehr. Eher bleibt bei Schmidts zu Hause etwas liegen, als dass es in der Kirche irgendwo klemmt. Ob es die Tür war, die nicht richtig schloss, die hochmoderne Funkanlage zum Glockenläuten oder die Halter für die Taufkerze und das Taufbecken in schmiedeeiserner Art: Otto Schmidt repariert, bastelt, schraubt und holt immer wieder andere Handwerker dazu, wenn er selbst nicht weiterkommt – wie zum Beispiel bei Holzarbeiten.

Im Einsatz: Imker Yusuf Hurigoglu.

Die Kirche mit dem markanten Wehrturm ist ihm eine Herzensangelegenheit. Aber auch der Schutz von Fledermäusen, Turmfalken und jüngst auch Bienen. Die hatten sich im Fachwerk über dem 1,20 Meter starken Mauerwerk eingerichtet. Das verwundert nicht, wenn man den jetzt im November rosa blühenden Baum vor der Kirchentür betrachtet, vermutlich eine Zaubernuss.

Waben an der Elektroleitung

Die Bienen sollten nicht im Boden des Obergeschosses überwintern, obwohl sie nur von draußen zu ihrem Bau flogen. Auf dem Markt in Bebra sprach Otto Schmidt den Imker Yusuf Hurigoglu, den Josef an, der gleich bereit war, zu helfen. Als er kam, waren die Dielen schon aufgesägt. Unter denen befindet sich das Schalholz, darunter wiederum eine Lehmschicht und Schlacken aus der Dampflokzeit zur Wärmedämmung.

Hochmoderne Technik: Das Glockengeläut ist programmiert. Otto Schmidt kann auch per Funk von zu Hause aus die Glocken läuten.

Die Bienen hatten ihre kunstvollen Waben um die Elektroleitung, die zum Kronleuchter führt, und auf der Schalung gebaut. Der Imker fing die beiden Königinnen ein, die in eine Kiste kamen und zwei Tage später hatte sich das kleine Volk auf die beiden aufgeteilt. Versprengte Reste, so erzählt Otto Schmidt, habe der Josef mit Honig auf dem Finger einzeln in die Kisten befördert.

„Wir wollten die Bienen nicht ausräuchern“, sagt der Küster, denn er ist auch ein Naturfreund. Für ihr Engagement ist die Gemeinde vom Nabu ausgezeichnet worden: „Kirche als Lebensraum“ heißt es am Kirchenportal. Der massive Bau, dessen Turm 1,80 breite Mauern hat, bietet auch Turmfalken und dem Großen Mausohr, einer Fledermaus, Unterschlupf.

Otto Schmidt (66) ist ein Kenner des Gotteshauses, einer wahren Schatztruhe. Der gelernte Werkzeugmacher, der viele Jahre bei Hilti gearbeitet hat, macht auf Wunsch auch Führungen.

So stammen die zwölf teils restaurierten Weihekreuze (für jeden Apostel eines) aus der katholischen Zeit, ebenso die Nischen im Mauerwerk des Altarraums. Otto Schmidt und Pfarrer Tobias Gottesleben berichten, dass der Haken in einer der Nischen wohl zum Aufhängen eines Gefäßes diente, in dem sich der Pfarrer die Hände wusch.

Putz aus Quark

An der Außenmauer ist sogar noch der Austritt der Rinne zu sehen, über die das Wasser nach draußen lief. Von einer Restauratorin weiß Otto Schmidt auch, dass der weiße Innenputz aus Sand, ungelöschtem Kalk und Quark besteht. „Um die Gilfershäuser Kirche brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Sie ist in guten Händen“, freut sich Pfarrer Gottesleben.

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