INTERVIEW mit dem Bundestagskandidaten

Gerhard Schenk kandidiert „ohne Netz und doppelten Boden“ für die AfD

Unser Bild zeigt den 66-Jährigen Gerhard Schenk (AfD) mit einer Ausgabe in seinem Wohnzimmer in Bebra.
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Als Volljurist ist Gerhard Schenk mit dem Grundgesetz vertraut: Unser Bild zeigt den 66-Jährigen mit einer Ausgabe in seinem Wohnzimmer in Bebra.

Der 66-jährige Gerhard Schenk aus Bebra will für die AfD in den Bundestag einziehen. Zurzeit ist er Landtagsabgeordneter seiner Partei. Seine Ziele erläutert Schenk im Interview.

Bebra – Seine Partei polarisiert, wie keine andere: Gerhard Schenk – zurzeit Landtagsabgeordneter der AfD in Wiesbaden – will nun gerne nach Berlin in den Bundestag. Mit dem gebürtigen Friedloser, der in Bebra lebt, sprach Redakteur Peter  Gottbehüt über Deutschlands Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Energiewende, über Impfverweigerer, Klimaleugner und über Schenks Motivation, als 66-Jähriger erstmals in den Bundestag einziehen zu wollen.

Herr Schenk, andere gehen in Ihrem Alter in den Ruhestand, Sie wollen in den Bundestag. Was treibt Sie an?

Ich sehe mich nicht am Ende meines Arbeitslebens, denn ich habe noch Ziele: Wir wollen das Land wieder vom Kopf auf die Füße stellen – und dieser Herausforderung stelle ich mich gerne.

In den Landtag sind Sie mit dem 19. Listenplatz, dem letzten, der noch einziehen durfte, eingerückt. Wo steht Gerhard Schenk bei der Bundestagswahl?

Ich stehe gar nicht auf der AfD-Liste. Ich wage den Gang über die Direktkandidatur ohne Netz und doppelten Boden.

Das Land braucht nach 16 Jahren Angela Merkel Aufbruch und Erneuerung – weshalb sind Sie für Deutschlands Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Energiewende der richtige Mann?

Das sind tagesaktuelle Themen, die sehr wichtig sind. Wesentliches Regierungsversagen sehe ich aber bei der Migration, in der Corona-Krise, der verkorksten Energiewende und in der EU-Transferunion. Nur Aufgaben, die im Interesse aller EU Staaten liegen, sollten einheitlich geregelt werden. Einen sich verselbständigenden EU-Superstaat lehnen wir ab. Die soziale Marktwirtschaft, wie zu Erhards Zeiten, gute Bildung und Ausbildung und die klassische Familie mit Vater, Mutter und Kindern sind die politischen Leitbilder der AfD.

Und was ist mit den Zukunftsthemen?

Technische Probleme sollten technisch gelöst werden. Dafür waren wir Deutsche ja weltweit als Erfinder hochgeschätzt und bekannt. Die Digitalisierung ist Motor des Fortschrittes. – Die Energiewende, die politisch gewollt ist, sehe ich als Rolle rückwärts. Sie ist nicht bezahlbar. Mit Industrieanlagen – also Windrädern in unseren Wäldern – ruinieren wir darüber hinaus unsere Natur.

Sie waren als Flut-Helfer in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Katastrophengebiet vor Ort. Die AfD verleugnet ja die Klimakrise. Was denken Sie? Gibt es einen menschengemachten Klimawandel und müssen wir nicht schleunigst umsteuern?

Das Hochwasser im Ahrtal war ein Wetterphänomen, eine vorhersehbare Katastrophe, die miserabel gemanagt wurde. Der Klimawandel ist wohl auch zum Teil durch uns Menschen beeinflusst. Wenn ich aber höre, man könne das Klima daran hindern, sich zu wandeln, welche Hybris und Selbstüberschätzung spricht daraus? Wohl niemand würde behaupten, man könne die Aktivitäten der Sonne oder den Vulkanismus beeinflussen oder steuern. Das Klima wird sich immer wandeln, dem haben wir uns anzupassen. Zum Verständnis der Klimakomplexität empfehle ich die Dokumentation „Das Geheimnis der Wolken“.

Wenn Sie die Energiewende als Minister verantwortlich anpacken dürften – was würde Gerhard Schenk tun?

Funktionierende Systeme übergangsweise solange Nutzen, bis durch Forschung und Entwicklung ausreichend saubere und sichere Energie – zum Beispiel durch Dual-Fluid- oder Thorium-Reaktoren – erzeugt werden kann. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den vorhandenen Atommüll als Energiequelle zu nutzen und zugleich die Reststrahlungszeit zu verkürzen. Weltweit sind Pilotprojekte am Start. Auch als ehemaliger Atomkraftgegner bin ich dafür, uns technologisch nicht abhängen zu lassen, die Chance zu nutzen und dringend in dieser Richtung zu forschen.

Also moderne Atomkraft statt erneuerbare Energie?

Die sogenannte erneuerbare Energie ist wind- und sonnenabhängig. Dass die Sonne nachts nicht scheint und der Wind nicht immer weht, ist bekannt. Der erzeugte Strom ist deshalb nur bedingt regelbar und wird in meinen Augen zurecht als Flatterstrom bezeichnet. Diese Energiewende gibt es nur so lange, wie sie subventioniert wird. Jeder Stromkunde bezahlt dieses Experiment mit seiner Stromrechnung. Das hat zu den weltweit höchsten Strompreisen geführt. Die Folge ist eine Deindustrialisierung Deutschlands. Unternehmen verlagern zunehmend ihre Produktion ins Ausland, dorthin, wo Strom viel günstiger ist.

Die AfD hat eine – sagen wir – kritische Einstellung zur Corona-Impfung. Als studierter Jurist und Ökonom mit zwei Abschlüssen sind Sie ja ein intelligenter Mensch. Welche Position haben Sie?

Die Freiwilligkeit der Impfentscheidung ist Konsens in der AfD. Dieser Eingriff in die körperliche Unversehrtheit ist die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen. Auch einen indirekten Impfzwang durch Diskriminierung jeder Art lehnen wir strikt ab. Ich bin nicht geimpft. Der Impfstoff hat nur eine Notfallzulassung. Die Bedenken der Kritiker nehme ich ernst und vertraue im Übrigen der bewährten natürlichen Immunisierung.

Vor Wahlen wird gern munter über Koalitionen spekuliert. Fände die AfD eine demokratische Partei, die mit ihr zusammenarbeiten würde – welche wäre Ihr Wunschpartner?

Mit der Politik der aktuell herrschenden sogenannten demokratischen Parteien sehe ich keine Möglichkeit der Zusammenarbeit.

Also dann doch lieber Opposition ...?

Wir stellen Fragen und zwingen die Regierungskoalition dazu, Farbe zu bekennen. Die Diskrepanz zwischen Lippenbekenntnissen und tatsächlichem Regierungshandeln legen wir offen. Der Wähler hat jetzt die Möglichkeit, uns als Opposition mehr Einfluss auf die Politik unseres Landes zu geben.

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