Fußgängerbrücke

Gesperrter Weg über Bahngleise in Weiterode wird vor 2025 nicht ersetzt

Der früher rege genutzte Überweg über die Gleise in Weiterode wächst seit seiner Sperrung langsam aber sicher zu. Unser
+
Der früher rege genutzte Überweg über die Gleise in Weiterode wächst seit seiner Sperrung langsam aber sicher zu. Unser

Seit über zwei Jahren ist die Fußgängerbrücke in Weiterode gesperrt, einen direkten Weg über die Bahngleise gibt es seitdem nicht mehr. Jetzt gibt es Neuigkeiten dazu.

Weiterode –Während das kurzentschlossene Vorgehen der Bahn anfangs für Proteststürme in Bebras größtem Ortsteil sorgte, ist es mittlerweile ruhig um das stillgelegte Bauwerk geworden. Vor 2025, so die Rückmeldung aus dem Rathaus auf Anfrage unserer Zeitung, sei mit einem Neubau nicht zu rechnen.

Stefan Knoche, Bürgermeister in Bebra

Die Stadt soll zahlen, weil die Bahn keine Brücke mehr braucht

Dafür gibt es mehrere Gründe: Eine Reparatur des maroden alten Bauwerks, das laut Bahnkataster mindestens 94 Jahre alt ist, lohnt nicht – es müsste neu gebaut werden, auf Kosten der Stadt, weil die Bahn dort keine Brücke mehr braucht. Eine Entscheidung des Bebraer Parlaments dazu steht allerdings aus. Die Verwaltung ist derzeit noch dabei, den Auftrag aus der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2020 umzusetzen: Die grobe Kostenschätzung der Bahn für einen Brückenneubau, rund 1,1 Millionen Euro inklusive Abriss des bestehenden Bauwerks, soll von einem unabhängigen Fachbüro überprüft werden.

Ein Ingenieurbüro aus Bad Hersfeld sei nach einer Ausschreibung beauftragt worden, mit einem Ergebnis der Prüfung werde im September gerechnet, sagt Bürgermeister Stefan Knoche. Ob die Schätzung der Bahn, die auf den Kosten für eine vergleichbare Brücke beruhe, auch bei den derzeit explodierenden Baukosten bestand habe, sei aber fraglich. Das Nachrechnen des „Kostenvoranschlags“ lässt sich die Stadt rund 15 000 Euro kosten.

Ob die Bahn die eventuelle neue Brücke baut und die Stadt sie erwirbt oder ein fremdes Unternehmen beauftragt wird, auf Bahngelände und nach Bahnstandards zu bauen, wäre ebenfalls noch zu klären. Zudem beeinträchtige ein Brückenneubau den Schienenverkehr, eine Chance für die nötigen Sperrzeiten sehe die Bahn erst ab dem Jahr 2025, beschreibt Bebras Bürgermeister den Stand der Verhandlungen.

Für die Anwohner ist das ein klarer Verlust von Lebensqualität

In Weiterode wird das mit wenig Begeisterung aufgenommen. „Corona hat uns ziemlich in die Defensive gedrängt“, sagt Hans-Jürgen Ernst. Der Anwohner hatte wiederholt den Erhalt der Brücke gefordert und auch eine Demonstration gegen die Sperrung mitinitiiert. Der Überweg verbindet das Wohngebiet Eichbach mit dem Ortskern, ohne die Abkürzung auf Bahngelände wird der Weg für Fußgänger rund 1,5 Kilometer länger und führt über die Lange Brücke mit ihrem schmalen Bürgersteig. Für Ernst ist das ein klarer Verlust von Lebensqualität, der auch Auswirkungen auf die Weiteröder Grundschule haben könnte, wenn sich die Familien im Neubaugebiet außerhalb des Ortskerns eher in Richtung Bebra orientieren.

Hans-Jürgen Ernst, Anwohner

„Die Brücke fehlt“, sei weiterhin die Rückmeldung vieler Weiteröder, mit denen er spreche. Dafür, dass die Diskussion um den Überweg im vergangenen Jahr durch die Corona-Krise in den Hintergrund geraten ist, hat er Verständnis. „Jetzt ist aber wieder Offensive gefragt“, sagt Hans-Jürgen Ernst. Auch mit dem Gedanken an eine erneute Unterschriftenaktion werde gespielt – 2014 hatte sich Weiterode damit erfolgreich gegen eine geplante Sperrung gewehrt. (Clemens Herwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.