Ungewöhnlicher Bau im Fahrradschuppen

Gigantisches Wespennest im Kreis Hersfeld-Rotenburg gefunden

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Knapp einen Meter hoch: Mit einem Zollstock verdeutlicht Andreas Jentsch die Ausmaße des Wespennests in seinem Fahrradschuppen.

Imshausen. „Für uns war in diesem Jahr keine Fahrradsaison“, witzelt Familienvater Andreas Jentsch. Der Grund: Ein gigantisches Wespennest hat sich im Zeitraum von April bis September im Fahrradschuppen der Familie aus Imshausen gebildet.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Denn fast in jedem Jahr entdeckt die Familie mindestens ein Wespennest. Meist faustgroß, vereinzelt auch in der Größe eines Handballs.

Doch im Fahrradschuppen lebten diesmal anscheinend viel fleißigere Schwärmer als in vergangenen Jahren. Bis September hatte das Nest eine Höhe von knapp einem Meter und eine Breite von weit über einem halben Meter.

Wespen störten nicht

Mit diesem Wachstum wuchs auch das Interesse von Andreas Jentsch. Aus diesem Grund habe er es auch nicht entfernen lassen. Außerdem störten die neuen Untermieter die Familie nicht. Die Wespen interessierten sich weder für die Jentschs, noch für ihr Essen. Ob beim Grillen oder bei Kaffee und Kuchen auf dem Balkon, keiner der gelb-schwarzen Summer störte.

Allerdings kamen weder die Eltern noch ihre beiden Kinder Laura (12) und Dominik (14) an ihre Fahrräder. Mutter Manuela Jentsch machte einen besonders großen Bogen um die Tiere, da sie allergisch auf Stiche reagiert.

Die Aktivität lässt nach: Nur noch vereinzelt krabbeln die Tiere seit Beginn der kalten Jahreszeit durch den Schuppen.

Der Sommer blieb für die Familie weitgehend frei von Zwischenfällen – beim Versuch, den Nestbau zu dokumentieren, wurde Vater Andreas Jentsch allerdings zweimal gestochen. Seit Beginn der kalten Jahreszeit sterben die Tiere nach und nach.

Dass das Nest etwas ganz Besonderes ist, weiß Imker Gunther Koch (69) aus Obersuhl: „Von so einem großen Nest habe ich noch nie etwas gehört“, berichtet der Vorsitzende der Imkervereinigung Wildeck. Handelte es sich bei den Bewohnern des Fahrradschuppens vielleicht um ein Hornissenvolk? Diese Art der Hautflügler baut nämlich viel größere Behausungen. Außerdem sind die Tiere in ihrem Wesen viel ruhiger. Nach einem Besuch und der Lektüre von Fachliteratur war aber klar: Es handelt sich um die „Gemeine Wespe“ (Vespula vulgaris).

Tiere in Ruhe lassen

Solch ein gigantisches Ausmaß erreichen nur wenige Bauten der Insekten. Zu Spitzenzeiten, meist im September, erreicht ein Nest eine Stärke zwischen 7000 und 10.000 Exemplaren. „Grundsätzlich sollten die Tiere in Ruhe gelassen werden. Wer sich von den Wespen gestört fühlt, sollte einen Imker zur Hilfe holen“, erklärt Gunther Koch. Die können die Wespen dann umsiedeln. Denn in Deutschland stehen die Tiere unter Naturschutz. Beruhigend sei, dass Wespen aus hygienischen Gründen niemals zweimal an der gleichen Stelle bauen, erzählt Koch weiter.

Familie Jentsch hat also gute Chancen auf eine Radtour im kommenden Jahr.

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