Wenn Wildschweine wüten: Ohne Zaun ist das Spielfeld nicht zu schützen

Gilfershäuser diskutieren über die Zukunft ihres verwüsteten Sportplatzes - wird er noch gebraucht?

So sah es nach der letzten „Schweinerei“ aus: Vereinschef Horst Groß im März auf dem Sportplatz in Gilfershausen.
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So sah es nach der letzten „Schweinerei“ aus: Vereinschef Horst Groß im März auf dem Sportplatz in Gilfershausen.

Wenn sie auf das Spielfeld kommen, wird es eine schmutzige Partie: Wildschweine haben immer wieder auf dem Gilfershäuser Sportplatz gewütet.

Gilfershausen – Nachdem Wildschweine im März eine riesengroße Sauerei hinterlassen hatten – wir berichteten – waren die Tiere inzwischen zwei weitere Male da. Jetzt diskutieren Ortsbeirat und Verein, wie es weitergehen soll. Denn das Problem sind nicht nur die Schweine, sondern auch, dass die Spielstätte nicht so recht gebraucht wird.

Keine Mannschaft der Spielgemeinschaft FSG Bebra, zu der auch der FC Gilfershausen gehört, nutze derzeit den Platz am Ortsrand – auch vor Corona-Zeiten nicht, betont Ortsvorsteher Norman Nieborowsky. Das ist der Grund, warum sich die Stadt Bebra mit finanzieller Schützenhilfe für einen Zaun gegen die rabiate Rotte schwer tut. Auch der Privatsender RTL hatte über das wiederholte Wüten der Wildschweine berichtet – und für Unmut gesorgt, weil im Beitrag für viele zu einseitig die Stadt in die Pflicht genommen worden war.

Denn dass etwas passieren muss, darin sind sich Ortsbeirat und Verein einig. Ohne Zaun gebe es keine Zukunft für den Platz. Nur: Wie genau diese Zukunft aussehen soll, steht nach einer gut 45-minütigen Diskussion in der Ortsbeiratssitzung am Dienstag – in der durchaus auch Spitzen verteilt wurden – noch nicht fest, berichtet Nieborowsky.

Der Verein will am liebsten wieder Fußballspiele auf dem Feld sehen, das aber auch zum Sporttreiben für die Gilfershäuser da sei. Ein Angebot, in das viel Arbeit geflossen ist, könnte ohne viel Gegenwehr eingestampft werden, so die Befürchtung. „Wo hört es dann auf?“, fragt Schriftführer Jürgen Küch, der zu den Vertretern des FC in der Sitzung gehörte. Um den Platz vor Wildschweinen zu schützen, seien eine massivere Absperrung oder ein Elektrozaun nötig, der regelmäßig kontrolliert werden müsste. Küch rechnet mit Kosten von bis zu 20 000 Euro: „Das können wir alleine nicht leisten“ – ebenso wenig, wie weiterhin Wildschweinen hinterher zu räumen.

Auch der Ortsbeirat ist geschlossen dafür, dass das Gelände genutzt wird – allerdings nicht nur fürs Kicken. In Gilfershausen gebe es so viele Pferde, da sei ein Reitplatz beinahe sinnvoller, so ein augenzwinkernder Vorschlag in der Sitzung. In der Spitze steckt das berühmte Körnchen Wahrheit: So gehören zu den wenigen Nutzern keine Fußballer, sondern die Brennball-Frauen, die dort trainieren und Freundschaftsspiele austragen – und auch in Solz spielen könnten. Als Vorbild sei Asmushausen denkbar, sagt Norman Nieborowsky. Dort soll der Sportplatz kleinteiliger umgestaltet werden: ein Kleinfeld, ein Aktivpark, ein Beachvolleyballfeld und ein Basketballplatz sind geplant. „Ich habe selbst ein weinendes Auge dabei“, so der Ortsvorsteher und Fußball-Schiedsrichter mit Lizenz bis zur A-Klasse. Der Verein will sich nun intern besprechen, sagt Jürgen Küch. Geprüft werden soll, wie der Sportplatz genutzt wird, was man sich dort vorstellen kann und wo für den FC Gilfershausen die Schmerzgrenze für die Kosten beim Zaunbau liegt. Dann sollen die Ideen – im besten Fall gemeinsam mit dem Ortsbeirat – an den Magistrat in Bebra herangetragen werden.

Von Clemens Herwig

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