Partnerschaft mit US-Kirchengemeinde

Das halbe Dorf wanderte aus: Gemeinde aus Ohio besucht Heimatort Asmushausen

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Der Baum soll Früchte tragen: Die evangelische Gemeinde St. John aus Powellsville/Ohio feiert ihre Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Asmushausen mit der symbolträchtigen Pflanzung eines Apfelbaums vor der Dorfkirche. Initiatorin Kendra Hughes gießt das zarte Pflänchen gemeinsam mit Pfarrer Martin Schacht. 

Asmushausen/Ohio. Der Apfelbaum, der seit einigen Tagen vor der Kirche in Asmushausen steht, ist gleich in doppelter Hinsicht ein Symbol.

Früchte tragen soll die Partnerschaft der evangelischen Gemeinde Asmushausen mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde des Dörfchens Powellsville im US-Bundesstaat Ohio. Und der Grund für die Partnerschaft ist: Die Hälfte der Einwohner in Powellsville hat ihre Wurzeln in Asmushausen. Ganze Großfamilien wanderten in den 1850er- und 1860er-Jahren von dort in die USA aus.

Jahrzehntelang bestand kaum noch Kontakt zwischen den beiden Dörfern. Doch von Asmushausen hat in Powellsville fast jedes Kind schon einmal gehört. Die Organistin der örtlichen Kirche, Kendra Hughes, geborene Staker (eingedeutschte Form von Stöcker), nahm sich 2016 vor, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Sie wandte sich an die evangelische Synode in Süd-Ohio und die stellte den Kontakt zu Pfarrer Martin Schacht in Asmushausen her. Im September flog die Amerikanerin nach Deutschland. „Es hat sich angefühlt, als ob ich nach Hause gekommen wäre“, sagt sie. Sie schlug eine Partnerschaft der Kirchengemeinden vor, Pfarrer Martin Schacht war schnell überzeugt.

Als nun der erste Besuch der Amerikaner in Deutschland anstand, war das Interesse in Powellsville groß. Denn rund 100 der 200 Einwohner dort haben Vorfahren, die aus Asmushausen kommen. Georg Apel war 1839 der erste, der sein Glück in der „neuen Welt“ suchte. Er zog nach Ohio, wohin im 19. Jahrhundert viele Deutsche auswanderten. Eine Zeit lang arbeitete er als Eisengießer und war dann ein erfolgreicher Farmer. In Asmushausen sprach sich das herum – und zahlreiche Familien wagten ebenfalls die Reise ins nun nicht mehr ganz so Ungewisse. Anlaufpunkt war die Farm der Apels. Das gerade erst entstehende Dorf wurde von den Asmushäuser Familien geprägt. 1875 gründeten sie die evangelische Kirche St. John. Noch heute leben Nachfahren der Gleims und Kaufmanns in Powellsville. Aus Stöcker wurde Staker, aus Röse wurde Rase.

Landschaft wie in Ohio

Bei ihrem Besuch in Deutschland stimmte die waldhessische Landschaft viele der 24 amerikanischen Besucher melancholisch. „It looks just like at home“, (dt.: Es sieht genauso aus wie bei uns) war immer wieder zu hören. Und tatsächlich: Auf den Fotos aus ihrem Heimatdorf, die die Gäste den Asmushäusern zeigten, sind Hügel mit sattem Grün und dichten Wäldern zu sehen – und der Friedhof überblickt, wie in Asmushausen, von einer kleinen Anhöhe aus das Dorf.´

Viel gemeinsame Zeit hatten die beiden Kirchengemeinden bei ihrem Treffen am Freitag allerdings nicht: Nach einem gemeinsamen Gottesdienst, bei dem Kendra Hughes die Orgel spielte, und einem Barbecue (dt.: Grillen) verabschiedeten sich die Amerikaner schon wieder. Sie unternehmen anlässlich des Luther-Jahres eine Rundreise durch Deutschland. Pfarrer Martin Schacht freute sich über den "sehr bewegenden und sehr unkomplizierten" Besuch. Schon bald will eine Gruppe der Asmushäuser Gemeinde nach Ohio fliegen. 

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