Angehende Mediziner mit Förderverein umwerben

Bebra kämpft weiter um Hausärzte

Ein Hausarzt hält in seiner Praxis ein Stethoskop in der Hand.
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Der Ärztemangel macht sich auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zunehmend bemerkbar.

Die Stadt Bebra kämpft mit dem Hausärztemangel und versucht einen neuen Weg: ein Stipendium für angehende Mediziner.

Bebra - Bebras Bürgermeister Stefan Knoche bereitet nun einen erneuten Anlauf für ein Hausarzt-Stipendium vor. Gegründet werden soll ein Förderverein unter Federführung der Stadt, der angehende Mediziner unterstützt und an Bebra und die Region bindet.

Ziel ist es, potenzielle Medizinstudenten frühzeitig für den Beruf und eine Niederlassung in Bebra zu begeistern. Die Stadt will jährlich 10 000 Euro zur Verfügung stellen und weitere Mitglieder gewinnen, um möglichst viele Studierende unterstützen zu können. Geplant ist keine Vollfinanzierung der Ausbildung, sondern ein monatlicher Zuschuss von zunächst bis zu 400 Euro, der auch in Sachspenden erfolgen kann. Zudem soll der Förderverein ein Netzwerk zu niedergelassenen Ärzten in der Region schaffen und Ausbildungsmöglichkeiten wie Praktika, Famulatur und die Facharztausbildung zu vermitteln.

Es ist der zweite Anlauf für den Vorstoß, der laut Knoche schon vor Jahren hätte starten müssen und mit dem die Stadt eine Vorreiterrolle im Landkreis einnehmen könnte. „Wir machen den Aufschlag, aber der gesamte Kreis steht vor diesem Problem“, sagt der Rathauschef. In der Parlamentssitzung Ende April war die Mehrheit der Stadtverordneten dafür, das Konzept vor einer Entscheidung noch weiter auszuarbeiten. Verändert hat sich seitdem nicht viel.

Erneut abgestimmt werden soll bei der kommenden Sitzung am Donnerstag, 10. Juni. Die ersten Signale sind positiv: So sprach sich der Sozialausschuss am Dienstag einstimmig für den Vorschlag aus.

Das Hausarzt-Stipendium sei ein Langzeitprojekt und nur ein Mosaikstein der Lösungsansätze, die einmal ein Bild ergeben sollen, sagt Rathauschef Knoche. So hat Bebras Parlament die Stadt bereits beauftragt, die Voraussetzungen für ein Medizinisches Versorgungszentrums (MVZ) in kommunaler Hand sowie ein „Haus der Hausärzte“ zu prüfen. Dazu sei man auf vielen Ebenen in Gesprächen, sagt der Bürgermeister. Ein deutschlandweit agierendes Rechtsbüro sei beauftragt, die möglichen Rechtsformen für ein kommunales MVZ sowie die Arztverträge zu prüfen und auch als Vermittler zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu dienen. „Die Frage ist: Bekommen wir überhaupt die nötigen Arztstellen?“, so Knoche. Für ein erfolgreiches MVZ seien nicht nur Hausärzte, sondern es sei eine Verzahnung von Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen nötig.

Die Rückmeldung aus den Gesprächen mit Medizinern sei bisher: Es gibt Interesse. Die Idealvorstellung in Bebra ist derzeit, dass die Stadt ein MVZ aufbaut, Ärzte anstellt und dann Stück für Stück den Betrieb in die Hand der Mediziner übergibt. Nach in Frage kommenden Objekten werde bereits Ausschau gehalten. Im günstigsten Fall sei eine Anbindung an bereits bestehende Strukturen möglich, so Knoche.

Auch einen Kontakt zum neuen Medibus-Betreiber gebe es, der bereits in Cornberg und Nentershausen für einen Ausgleich des Ärztemangels sorgen soll. Dem vormaligen Betreiber, der KV, war beispielsweise Solz als Standort zu nah an Cornberg.

Der Bürgermeister betonte erneut, dass die Stadt für ein kommunales MVZ Geld in die Hand nehmen müsse: „Niemand macht sich etwas vor: Das wird in den ersten Jahren keine schwarzen Zahlen schreiben“, so Knoche. Wenn die politischen Beschlüsse bis Ende des Jahres gefasst und dann auch die Strukturen des Ärztehauses abgesteckt seien, „haben wir schon viel erreicht.“

HINTERGRUND

Der Hausärzteverband Hessen hat sich gegen den Aufkauf hausärztlicher Praxen durch kommunale MVZ-Träger ausgesprochen und führt Wettbewerbsverzerrung durch ein „verstaatlichtes ambulantes Gesundheitswesen“ ins Feld. Die Versorgung könne aus der Ärzteschaft sichergestellt werden. Wie der Unterversorgung in ländlichen Kommunen begegnet werden soll, blieb unbeantwortet. „Wir schlagen uns nicht drum“, sagt Bebras Bürgermeister. „Wenn es jemand machen will, rollen wir den Roten Teppich aus und bestellen die Blaskapelle.“

Von Clemens Herwig

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