Heimatverbundener Hip-Hop: Daniel Kör rappt über Bebra

Singt auch über seine Heimatstadt: Der Hobby-Hip-Hopper Daniel Kör aus Bebra bricht in seinen Liedern bewusst mit dem gängigen Klischee, Rapper würden hauptsächlich Drogen und Waffen thematisieren. Er schreibt lieber jugendfreie Texte. Foto: Schaffner

Bebra. Keine Drogen, keine Waffen, noch nicht einmal Schimpfwörter: Der Hip-Hopper Daniel Kör aus Bebra bricht mit gängigen Klischees der Rap-Szene.

Denn seine Lieder sind weitestgehend jugendfrei. Im Oktober stand der 27-Jährige erstmals vor mehreren hundert Menschen auf einer Bühne, drehte kürzlich sein erstes professionelles Musikvideo und träumt von einem Auftritt beim Open-Flair-Festival in Eschwege.

„Die letzten Monate waren schon aufregend“, sagt er. Seinem Premierenauftritt auf einer Kneipenterrasse am Anger folgten weitere Gastspiele in umliegenden Clubs. Auch seine Musikvideos auf der Videoplattform Youtube werden inzwischen tausendfach geklickt. Dennoch gibt sich der Hip-Hopper mit armenischen Wurzeln betont bodenständig. „Musik ist nur mein Hobby“, sagt Kör, der sein Geld als Lagerarbeiter in Bad Hersfeld verdient.

Zumal es inzwischen in fast jeder Stadt Nachwuchskünstler gebe, die mit ihren Liedern auf den Markt drängten. Dank Handykameras könne jeder halbwegs talentierte Rapper ein Musikvideo hochladen und über Facebook verbreiten, sagt Kör, der auch ein Großteil seines Publikums über das Internet erreicht.

Zumindest in Bebra hat er sich nach eigenen Angaben in den vergangenen sieben Jahren ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Die oft derben und expliziten Texte nationaler Rap-Berühmtheiten wie Bushido und Haftbefehl macht er sich dabei nicht zu eigen. Im Gegenteil: „Viele meiner Fans sind noch jung und lassen sich schnell beeinflussen“, sagt er, „deshalb schreibe ich jugendfreie Texte, die auch jeder versteht“.

Dass er durchaus ein Vorbild für Jugendliche in Bebra ist, wurde ihm erst kürzlich wieder vor Augen geführt. Nachdem er ein Video veröffentlich hatte, in dem er mit Bebra-T-Shirt, Sonnenbrille und schräg aufgesetzter Mütze durch die Stadt rappt, berichtete ihm eine Mutter, dass ihr zehnjähriger Sohn das Video gesehen habe und seitdem genauso durch die Straßen laufe.

„Die Geschichte hat mich so berührt, dass der kleine Junge in meinem neuen Video mitspielen durfte“, sagt er. Das neue Video, ein Vier-Minuten-Film mit dem Titel „Wo wir herkommen“, ist Körs erstes professionell gedrehtes Musikvideo. „So ein Profi-Video war schon immer mein Wunsch“, sagt er. Also habe er sich für den Dreh von einem Hersfelder Bekannten Videokameras mit Kran und Gleisen ausgeliehen. Kaum war das Video bei Youtube veröffentlicht, hatten es innerhalb der ersten zehn Tage schon mehr als 4500 Menschen angeklickt.

„Die Klicks bedeuten mir viel und treiben mich an, weiter Musik zu machen“, sagt er. Große Karrierepläne hat er jedoch nicht. Sollte er aber einmal einen Wunsch freihaben, dann hätte er schon eine sehr konkrete Idee: „Einmal vor zehntausend Menschen auf dem Open-Flair in Eschwege aufzutreten, das wäre ein großer Traum von mir“.

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