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Mit dem Rad zur Reha-Klinik: Helfer retten Vater-Tochter-Tour in Hersfeld-Rotenburg

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Von: Clemens Herwig

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Ohne Helfer wäre Schluss gewesen – doch Norbert Schäfer (links) ist zur Stelle. Der Zierenberger hat Enrico Wübbold und Sofia samt Gepäck mit seinem Laster aufgelesen und beherbergt sie, bis das Rad repariert ist.
Ohne Helfer wäre Schluss gewesen – doch Norbert Schäfer (links) ist zur Stelle. Der Zierenberger hat Enrico Wübbold und Sofia samt Gepäck mit seinem Laster aufgelesen und beherbergt sie, bis das Rad repariert ist. © Clemens Herwig

Über Landkreis-Grenzen hinaus packen Helfer mit an, damit ein Vater-Tochter-Gespann aus Bebra seine neuntägige Radtour zu einer Reha-Klinik in Niedersachsen fortsetzen kann.

Hersfeld-Rotenburg /Zierenberg/Uslar/ Kassel – Der Ausflug stand nach einer Fahrrad-Panne schon am zweiten Tag vor dem Aus. Eine Familie aus Zierenberg sowie zwei Unternehmen aus Uslar und Kassel sorgen nun dafür, dass die Tour weitergehen kann.

Gestartet sind Enrico Wübbold und seine sechsjährige Tochter Sofia am Montag, die Hitze machte dem Duo zu schaffen. Besonders der Vater hatte mit seinem schwer beladenen alten Fahrrad und einem beinahe zum Bersten beladenen Anhänger zu kämpfen. Gehofft hatte das Duo auf 30 geradelte Kilometer pro Tag – sie schafften es bis in den rund 14 Kilometer entfernten Alheimer Ortsteil Baumbach. Dort schlugen Vater und Tochter an einem Angelteich ihr Lager auf. Das Hinterrad von Wübbolds Rad lief zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr rund. Reparaturversuche scheiterten, die Tour drohte zu kippen.

Doch Unterstützer gibt es viele. Auch Familie Schäfer aus Zierenberg hatte sich nach einem Aufruf in unserer Zeitung bei den Radfahrern gemeldet und ihnen auf dem Weg zur Reha einen Ort zum Übernachten angeboten. Als Vater Norbert Schäfer von der Panne hört, plant der selbstständige Transportunternehmer am Dienstag kurzerhand seine Route neu, um die beiden samt Ausrüstung aufzulesen. „Wir sind für sowas immer zu haben, das ist doch überhaupt kein Problem“, sagt der 50-Jährige beim Verladen des Gepäcks am Angelteich. Dann geht es nach Kassel, wo das Rad repariert werden soll.

Mit dem Rad zur Reha

Sofia hat Probleme mit dem Sprechen – oft kommuniziert sie über einen Sprachcomputer. Eine vierwöchige Therapie in einer Kinder-Klinik in Bissendorf (Niedersachsen) soll helfen. Weil für die Kur der Familienurlaub ausgefallen ist und der Vater seiner Tochter eine Freude machen will, er mit der scheuen Sechsjährigen aber nicht in vollen Zügen fahren will, hat Wübbold eine Camping-Radtour mit mehr als 230 Kilometern in neun Tagen geplant.

Damit das klappt, hat bei Luisa Weckesser von der Firma Bikeleasing-Service am Dienstag das Telefon geglüht. Das Unternehmen aus Uslar hat bereits das Kinderfahrrad der Sechsjährigen für die Tour gesponsert. „Als wir gehört haben, dass Sofias großes Abenteuer auf der Kippe steht, mussten wir sofort handeln“, sagt Weckesser. Sie ruft die Partner der Firma an und wird bei Neddermann in Kassel fündig. Der große Händler könne am schnellsten mit den nötigen Ersatzteilen helfen, so die Hoffnung.

Kur fürs Rad auf dem Weg zur Reha: Bei Fahrrad-Experte Phil Neddermann (rechts) wird Enrico Wübbolds über 50 Jahre altes Bauer-Fahrrad repariert.
Kur fürs Rad auf dem Weg zur Reha: Bei Fahrrad-Experte Phil Neddermann (rechts) wird Enrico Wübbolds über 50 Jahre altes Bauer-Fahrrad repariert. © Andreas Fischer

Enrico Wübbold und Sofia werden die Reparatur in Zierenberg abwarten. Die Schäfers bieten ihnen ein bequemes Wohnmobil, einen Pool „und vier Hunde“, sagt Norbert Schäfer mit einem Lachen. Vater und Tochter sparen sich dadurch etwa 60 Kilometer auf dem Rad und viel Zeit – bis zum 27. Juli müssen sie zur Kur in Niedersachsen sein. Notfalls, sagt Schäfer, fährt er die Bebraner auch bis ans Ziel. „So viel Hilfsbereitschaft macht einfach sprachlos“, sagt Familienvater Wübbold, der darauf hofft, dass sein Fahrrad wieder fit wird. „Dann können wir noch ein paar Kilometer fahren. Sofia wäre sonst traurig. “ (Clemens Herwig)

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