Auftritt am Sonntag in Ellis Saal

Sie ist die Mutter der Weiteröder Mundartgruppe

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Eine, die schlecht „Nein“ sagen kann: Hildegard Thon mit dem 91-jährigen Karl Heise, der auch beim Mundartnachmittag am Sonntag wieder mit dabei ist.

Ohne sie ist der Mundartnachmittag in Weiterode undenkbar: Hildegard Thon. Am Sonntag stehen die Mutter der Mundart-Kompanie und ihre Mitstreiter auf der Bühne in Ellis Saal. 

Sie schiebt gerne Konventionen beiseite. Genau so viel Spaß macht es Hildegard Thon allerdings auch, Traditionen zu bewahren. Seit 1985 beim Kirmesheimatabend, und seit 2013 beim Mundartnachmittag der 2011 von Andreas Nölke ins Leben gerufenen, inzwischen unter das Dach des Kulturvereins Ellis Saal geschlüpften Weiteröder Mundartgruppe.

Der geht am Sonntagnachmittag zum vierten Mal „in der guten Stube der Stripper“ über die Bühne und ist ohne Hildegard Thon, den „Spekdoagelmensch üssem Rohrwäg“, nicht denkbar. Mit ihrer offenen, sehr menschlichen, zupackenden, Mitstreiter motivierenden und Jung und Alt begeisternden Art ist sie sowohl beim Kirmesdorfklatsch als auch beim Mundartnachmittag Kopf und Mutter der Kompanie.

Beim Gedanken ans Aufhören gibt es sofort die Gegenrede

Den Kirmesdorfklatsch, bei dem wichtige und witzige Ereignisse des zurückliegenden Jahres „durchgehechelt“ und mit bisweilen spitzer Zunge aufs Korn genommen werden, hat sie zusammen mit „Schulzen Walter“ erfunden und von 1991 an zwei Jahrzehnte lang mit Brunhilde Jost fortgeführt. Seit 2011 ist sie mit „ihren vier Jungs“ zugange, und immer wenn sie überlegt, ob es denn nicht vielleicht doch Zeit sein könnte, ans Aufhören zu denken, sagt ihr so mancher: „Weißt Du denn nicht, wie viele Leute sich gerade wegen des Dorfklatsches auf den Heimatabend freuen?“

Das mag daran liegen, dass das Quintett kein Blatt vor den Mund nimmt und sich über Bürgermeister, Ortsvorsteher, Pfarrer und all diejenigen, denen Unannehmlichkeiten passiert sind, lustig macht. Aber auch daran, dass es Grenzen nicht überschreitet, und dass es die zwischen Ronshausen und Weiterode kraft Herkommens bestehenden Zwistigkeiten auf hohem Niveau pflegt. Auf Platt natürlich, obwohl „die Gadd“ als Kind gar nicht Platt sprechen durfte und „Widderererisch“ neu lernen musste. Und mit selbst getexteten, die Heimat in den Himmel hebenden Liedern, bei denen nicht selten das ganze Kirmeszelt mitsingt.

Beim anstehenden Mundartnachmittag wird „Heisen Karl“, das Weiteröder Urgestein, Hildegard Thon und „ihren“ Plattschwätzern eine große Stütze sein. Wenn der fast blinde, im Geiste junggebliebene 91-Jährige voller Heimatstolz aus der Erinnerung heraus Bilder vom alten Weiterode und von der durchs Dorf fließenden Ulfe malt, wird es meistens mucksmäuschenstill. 

Ganz im Sinne von „Mutter Thon“, die mit der Mundartgruppe auch dafür gesorgt hat, dass der örtliche Dialekt in einer Art Mundartwörterbuch, mit vielen schönen Geschichten garniert, festgehalten worden ist.

Dreifache Mutter, sechsfache Großmutter - und seit 44 Jahren beim Roten Kreuz

Das Leben für die Tradition ist allerdings nur eine Seite der 1951 als fünf Pfund schwerer „Hänfterling“ in der Borngasse geborenen und seit 1970 mit der Familie im Rohrweg lebenden Weiteröderin, die gerne Strümpfe strickt und die man oft laut pfeifend auf dem Fahrrad durch Bebras größten Stadtteil fahren sieht. 

Eine andere ist, dass sie im 44. Jahr im Ortsverband Weiterode des Deutschen Roten Kreuzes aktiv ist. „Mein Schulfreund Werner Koch hat mich 1976 überredet, gleich zu Lehrgängen geschickt und überall mithingenommen.“ Was folgte, war der Aufstieg bis zur Kreisbereitschaftsführerin, langjähriges Wirken als Ausbilderin und Vorsitzende des Ortsverbands sowie die Auszeichnung mit der Katastrophenschutzmedaille des Landes Hessen in Gold durch Ministerpräsident Volker Bouffier. 

Ungeachtet dessen stellt die 2020 auf die Goldene Hochzeit zusteuernde Ehefrau, dreifache Mutter, sechsfache Großmutter und lange Jahre in Ronshausen als Sparkassenangestellte tätige Rentnerin fest: „Das wahre Rot-Kreuz-Leben, die Kameradschaft, die Menschlichkeit, erlebt man nur an der Basis.“ So ist sie eben: ganz Mensch. Eine, die noch immer schlecht „Nein“ sagen kann.

Mundart-Spektakel am Sonntag

Die Mundartgruppe des Kulturvereins Ellis Saal lädt am Sonntag, 19. Mai, ab 16.30 Uhr zum „Widdererer Mundart-Spekdoagel“ ein. Thematisch geht es vor allem ums Einkaufen anno dunnemals – ganz nach dem Motto: „Frieher krechsde hie im Dorf alles fer de Schnüdd!“ Davon will die Mundartgruppe erzählen, wie immer musikalisch unterstützt von der Chorgemeinschaft Baumbach/Sterkelshausen/Weiterode und vom Weiteröder Mandolinenorchester.

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