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Impfstationen starten Betrieb: In Bebra musste man Schlange stehen, in Hersfeld war es ruhig

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Von: Sebastian Schaffner, Laura Hellwig, Wilfried Apel

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Viel los in Bebra: Erwin und Ursel Wetterau vor dem Akkreditierungsteam mit – sitzend von vorne – IT-Supporter Can Sinjari, Josefine Rösner und Julia Jörg.
Viel los in Bebra: Erwin und Ursel Wetterau vor dem Akkreditierungsteam mit – sitzend von vorne – IT-Supporter Can Sinjari, Josefine Rösner und Julia Jörg. © Wilfried Apel

Drei Monate dauerte die „Spritztour“ im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Jetzt gibt es zwei feste Impfstationen: in Bebra und Bad Hersfeld. Wir haben uns dort am ersten Tag umgeschaut.

Bebra/Bad Hersfeld – Seit Dezember Monate waren die mobilen Impfteams im Kreis unterwegs, um die Menschen mit einer Impfung gegen das Coronavirus zu schützen. Damit ist jetzt Schluss. Seit gestern haben zwei stationäre Impfzentren im „be!“ in Bebra und im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an der Frankfurter Straße 7 in Bad Hersfeld geöffnet. Täglich können sich Impfwillige von 11 bis 18 an den beiden Orten den Piks verabreichen lassen. Wir haben uns am ersten Tag einen Eindruck vor Ort verschafft.

Bebra

Ein akademisches Viertelstündchen später als geplant nahm die Impfstation des Landkreises am späten Mittwochvormittag in Bebra im hinteren Bereich des Untergeschosses des Einkaufszentrums „be!“ ihren auf Dauer angelegten Betrieb auf. Erstmals zu haben war der proteinbasierte Impfstoff Novavax, auf den die Politik angesichts einer immer noch zu niedrigen Impfquote eine gewisse Hoffnung setzt.

„Den gibt’s im Moment aber nicht nach Lust und Laune, sondern nur für über 18 Jahre alte, nicht schwangere und nicht stillende Menschen, die sich zum ersten Mal impfen lassen wollen“, betonte Michael Gottbehüt, der nach wie vor die organisatorische Leitung der Impfaktion innehat und der mit seinen Teams sowohl in Bad Hersfeld als auch in Bebra anzutreffen ist.

Beim gestrigen Ersttermin in Bebra konnte er sich auf die Ärzte Dr. Karel Benes, Peter Böhm und Dr. Hasan Ibrahim, drei Krankenschwestern und ein dreiköpfiges Akkreditierungsteam stützen. Das hatte von Anfang an gut zu tun, denn kurz vor elf Uhr hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet. Erster Impfaspirant war Erwin Wetterau aus Bebra, der aber recht bald mit Ehefrau Ursel im Wartebereich Platz nehmen konnte.

Der 74-jährige Pensionär kam als bereits dreimal vom Hausarzt mit Biontech Geimpfter und berichtete, dass sowohl bei ihm als auch bei seiner Ehefrau nach keiner Impfung Komplikationen aufgetreten seien. „Heute begebe ich mich erstmals in die große Arena“, scherzte er, obwohl er seinen „Schuss“ Moderna wie alle anderen Impfwilligen in einer der drei kleinen Kabinen erhielt. Jüngster Impfwilliger in der ersten halben Stunde war der 22-jährige, ebenfalls in Bebra wohnende Majed Sello. Sein Geld verdient der junge Mann bei Amazon in Bad Hersfeld, und auch er erzählte bereitwillig, dass er Biontech immer gut vertragen habe.

Entsprechendes erhoffte sich sehr wahrscheinlich auch eine junge Dame, die sich zur Erstimpfung mit Novavax entschlossen hatte, die aber nicht weiter über die Gründe sprechen wollte, die sie nach langer Zeit des Abwartens zu ihrem Schritt veranlasst haben.

Wie alle anderen reihte sie sich ein in die Reihe der Wartenden. Michael Gottbehüt, der am Mittwoch für Impfstoff-Nachschub sorgte, passte beim Aufziehen ihres Impfstoffs ganz besonders gut auf, und natürlich freute er sich auch, dass mit der entsprechenden Spritze die Impfquote des Landkreises ein kleines Bisschen in die Höhe schnellen dürfte. Den Kreisbewohnern stellte er darüber hinaus in Aussicht, dass etwa ab Mitte März erneut mobile Impfteams unterwegs sein werden, um so „niedrigschwellig wie möglich“ Impfmöglichkeiten für alle bereitzustellen.

Bad Hersfeld

Zum Start in Bad Hersfeld war es ruhig: Bis zum Nachmittag wurden etwa 20 Menschen geimpft.
Zum Start in Bad Hersfeld war es ruhig: Bis zum Nachmittag wurden etwa 20 Menschen geimpft. © Laura Hellwig

Am Nachmittag, etwa gegen 14 Uhr, war es in der Impfstation in Bad Hersfeld ruhig. Bis dato wurden knapp über 20 Impfdosen gespritzt. Im geräumigen Wartebereich sind die allermeisten Stühle frei, auch die Arztzimmer, in denen sich Impfwillige beraten lassen können, sind nicht besetzt.

Aber: „Wir sind auf alles vorbereitet. Wir lagern die Impfdosen im Klinikum und können somit jederzeit Nachschub besorgen“, so Martin Ködding aus dem Leitungsteam der Impfteams.

Auch der neue Impfstoff des US-amerikanischen Herstellers Novavax wurde am ersten Tag nachgefragt und verimpft, berichtet Ködding. Der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums sieht in dem neuen Impfstoff eine Chance, noch ungeimpfte Personen zu erreichen. Novavax sei nicht mit den bisher existierenden Impfstoffen kombinierbar und somit nur für Ungeimpfte vorgesehen.

Zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Novavax liegen drei Wochen, den vollständigen Impfschutz hat man zwei Wochen nach der Zweitimpfung. „Nicht jeder, der zu uns kommt, muss zwangsläufig geimpft nach Hause gehen. Man kann sich auch nur beraten lassen“, sagt Martin Ködding.

Da die Anzahl der Impfungen während der Impftour des Landkreises in den vergangenen Wochen zurückgegangen ist, sieht Ködding die Konzentration der Impfungen an zwei Orten als Vorteil an. Auch die Mitarbeiter schätzen die einfachere Organisation und bessere Infrastruktur an einem zentralen Ort im Vergleich zum täglichen Wechsel des Standortes.

Die Anzahl verabreichter Erstimpfungen ist in der jüngsten Vergangenheit zurückgegangen, weshalb man die Notwendigkeit zweier neuer Impfzentren infrage stellen könnte. Ködding hält dagegen: Auf diese Weise könne man auf alle möglichen Entwicklungen reagieren: Nachfrage nach Novavax, bevorstehende Impfpflicht, Viertimpfungen, Omikron-Impfstoff, Kinderimpfungen, Impfungen für Geflüchtete und alles, was das Gesundheitswesen in Zukunft noch zu erwarten hat.

Impfbereitschaft hat nachgelassen

Während die Nachfrage kreisweit nach dem Anti-Corona-Piks vor allem im Dezember und Januar besonders hoch war, hat die Impfbereitschaft in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen – vor allem, weil die, die sich schützen lassen wollen, dies nun getan haben. Bislang sind in Hersfeld-Rotenburg rund 70 000 Menschen geboostert. Gemessen an der Kreisbevölkerung (120 000 Einwohner) entspricht das einer Auffrischungsimpfquote von gut 58 Prozent.

Von Laura Hellwig, Wilfried Apel und Sebastian Schaffner

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