Auftritt im Eiltempo

Ingolf Lück drückte aufs Gaspedal in Ellis Saal

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Ingolf Lück in Ellis Saal: Zu dem in Aussicht gestellten Tänzchen ließ sich der noch immer ausgesprochen flink agierende Entertaine nicht überreden. Foto: Wilfried Apel/NH

Im Schnelldurchlauf jagte Ingolf Lück mit seinem Programm "Sehr erfreut" durch den Sonntagabend in Ellis Saal in Weiterode. Manchmal war es ein bisschen anstrengend.

Irgendwie stand Ingolf Lück in Ellis ausverkauftem Saal mächtig unter Druck. Mehr, als Stammgästen und Fans lieb und teuer war, denn der in Bielefeld geborene, aus der SAT.1-Wochenshow und der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ als schneller Sprecher und begnadeter Tänzer bekannte Comedian absolvierte sein Comedy-Programm mit atemberaubendem, mitunter anstrengendem Tempo und Themenwechseln, die es in sich hatten.

Seine neue Tour ist mit „Sehr erfreut!“ überschrieben, Einblicke in und Ausblicke aus dem Lück’schen Leben verheißend. Die gab es alles in allem reichlich. Angefangen bei der Erkenntnis, mit 60 noch nicht alt zu sein und fast alles noch so gut zu können wie vor 30 Jahren. Halb so lange allerdings. Bis hin zu dem Bekenntnis, dass der allmählich Patina ansetzende Körper kein rotes Fleisch mehr abbauen kann und deshalb regelmäßig einen Veggie-Day spendiert bekommt.

So richtig ab bekamen es als erste die Brandenburger („Nur Wiesen und Nazis!“) und die Bauern, personifiziert in der „komplett deformierten“ Bauer-sucht-Frau-Figur Ludger, vor dem die Geister aus der Geisterbahn weglaufen. Es folgten die Bielefelder („Doktor Oetker ist der Vater von allen!“) und die Ost-Westfalen, die laut Lück zum Lachen in den Keller gehen, dort aber erst dann lachen, wenn sie sich ein tiefes Loch gegraben haben.

Aus der Kindheit des mit Boris-Johnson-Frisur auftretenden Wahl-Kölners erfuhr das Publikum, dass er aus Steinen Sand gemacht hat und zweimal durch die Fahrradprüfung gefallen ist: „Ich konnte nix, und deshalb bin ich zum Fernsehen gegangen.“ Sein aktuelles Bestreben: „Selbst-Suboptimierung: Je weniger einem die Leute zutrauen, desto weniger verlangen sie von einem.“

Dass er zweimal nah dran war verrückt zu werden, belegte der Comedian mit Erlebnissen im Kindergarten, wo er nach entsprechender mütterlicher Wacht-Ansage nach dem Verschlucken eines Kaugummis befürchtete, dass ihm der Hintern zuklebt und dass er von einer riesigen Blase in den Himmel gezogen wird, und mit Geschichten aus Amsterdam, wo er mit über 50 mit seiner Frau kiffte.

Nach der Pause bekamen die Männer, denen aus Nase und Ohren Haare wachsen, und die als Bischöfe „in Frauenklamotten herumlaufen“, ihr Fett weg. Aber auch diejenigen, die in ICEs mit Fahrrädern die Gänge blockieren, und diejenigen, die am Ende von Rolltreppen viel zu lange stehen bleiben. Insbesondere die würde „Ingolf der Schreckliche“ am liebsten durch Falltüren in Gruben fallen lassen, obwohl er sich nicht als Barbar sieht.

Als Vater von Tochter Lilli ist er sehr darum besorgt, dass diese sich nicht an ihren möglicherweise von einem Rudel Wölfe großgezogenen, „notgeilen“ Freund Veit, den sie über Tinder kennengelernt hat, verliert.

Freundlicher, vereinzelt auch begeisterter Applaus, nette Worte von Lück und eine nicht eingeforderte, sehr gut angekommene Zugabe rundeten den Abend ab, bei dem der Protagonist eher oberflächlich agierte und nicht so recht Fühlung zum Publikum aufnehmen konnte – oder wollte.

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