Bebraer sprechen sich für Bürgernähe aus und unterstützen den Kreistagsbeschluss

Irritation wegen Umorganisation der Jugendhilfe in Hersfeld-Rotenburg

Das Landratsamt in Rotenburg: Der bisher hier vertretene Allgemeine Soziale Dienst, eine Kernaufgabe des Jugendamts, ist jetzt in Bad Hersfeld zentralisiert worden. Archivfoto:  Schankweiler-Ziermann

Bebra. Die Veränderungen in der Jugendhilfe in Hersfeld-Rotenburg beschäftigten während der jüngsten Sitzung die Bebraer Stadtverordneten. 

Sie unterstützten ohne Gegenstimme den ebenfalls einstimmig gefassten Beschluss des Kreistags zur Jugendhilfe.

Die Bebraner zeigten sich einhellig irritiert über die Verlagerung des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), der Tagespflegebörse und der Kindergartenfachberatung nach Bad Hersfeld. Kurze Wege für die Bürger gingen ebenso verloren wie die bewährte sozialräumliche Einbindung der sozialpädagogischen Fachkräfte des Landkreises in die Strukturen vor Ort.

„Wir befürchten weitere Verlagerungen von Dienstleistungen des Landkreises nach der Realisierung des geplanten Neubaus in Bad Hersfeld“, heißt es aus Bebra.

Gerhard Schneider-Rose (SPD), der das Thema auf die Tagesordnung gebracht hatte, kritisierte, im Mai seien alle Umzüge bereits vollzogen und damit der Kreistagsbeschluss übergangen worden.

Die Fachkräfte säßen jetzt trotz ihrer vielen schwierigen Gespräche fast alle in Doppelbüros im ehemaligen Polizeigebäude in der Friedloser Straße 12a. Etwa 20 Sozialpädagogen hätte gemeinsam zwei Besprechungszimmer zur Verfügung, sagte Schneider-Rose, und weiter: „Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass diese unzumutbare Enge Argumentationshilfe für den geplanten Neubau am Landratsamt in Bad Hersfeld sein wird.“ Der Verlust an ortsnahen Dienstleistungen für die Bürger durch Fachkräfte, die sich in der Region gut auskennen, habe mit Altkreisdünkel nichts zu tun, sondern mit Bürgernähe.

Zur Tagespflegebörse sagte Schneider-Rose, in Bebra hätten bisher vier Fachkräfte 300 Kinder und 100 Tagesmütter betreut, die alle einmal im Jahr nach Bebra gekommen seien und die Stadt kennengelernt hätten. Für die Innenstadt habe dieser Publikumsverkehr einen positiven Effekt gehabt, auf den man nicht kampflos verzichten wolle.

Gerhard Schneider-Rose ist Kenner der Materie. Er war selbst viele Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe beim Kreis tätig, zuletzt als stellvertretender Fachdienstleiter.

Bürgernahe Verwaltungsstrukturen forderte auch Ulrich Völke (Gemeinsam) und sprach von deren Zerschlagung im Altkreis Rotenburg. Er finde den Zentralisierungswahn abscheulich, stimmte Klaus Reifschneider (FWG) zu und fragte, wer die Mehrkosten für die Wege zahle.

Auf Vorschlag von Thorsten Strippel (CDU) wurde der SPD-Antrag so geändert, dass man in Bebra weitgehend den Kreistagsbeschluss bekräftigte. Es sei „nicht unser Zuständigkeitsbereich“, auf die Rücknahme der Umstrukturierung hinzuwirken, meinte Strippel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.