Heute gibt es dort "Frozen Yogurt"

Eis bei Olly am Büdchen in Bebra: Vor 50 Jahren ging es los

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Das Büdchen: Olly Moseberg vor ihrem Kiosk, dort, wo heute der Rathausmarkt ist.

Bebra. Nach der Schule standen die Kinder Schlange beim Büdchen von Olly Moseberg: Softeis war der Knaller im Jahr 1965, als die damals 38-Jährige ihren Kiosk eröffnete.

Er befand sich in etwa dort, wo heute am Rathausmarkt eine Lok an die Wand gemalt ist. So wie seine Oma vor 50 Jahren ist auch Enkel Sascha Moseberg (32) wieder Vorreiter in Fragen außergewöhnlicher Leckereien. In seinem neuen Café gibt es „Frozen Yogurt“, noch eine Seltenheit in unserer Gegend.

Heute Frozen Yogurt: von links Sigrid, Sascha, Olly und Karl-Heinz Moseberg. Frozen Yogurt ist eine Art kalorienarmes neues Softeis. Variiert wird es mit Toppings wie Früchten, Keks oder Schokolade.

Olly Moseberg findet, es könnte süßer sein, aber gerade die Tatsache, dass es weniger Dickmacher wie Zucker und keine Sahne enthält, hat den Siegeszug von Frozen Yogurt befeuert.

Auch das Softeis war vor 50 Jahren eine „Riesensensation“, erinnert sich die 88-Jährige, die als Flüchtling aus der Nähe von Eisenach in Bebra gelandet war. Das neue Eis gab es für einen Groschen, und es war so beliebt, dass die Schulkinder sogar Aufsätze über Olly Moseberg und das Eis schrieben.

Ihr Sohn Karl-Heinz half als Zehnjähriger schon beim Verkauf. Später, als Koch-Lehrling in Göttingen, war er weniger begeistert, wenn er an seinem einzigen freien Tag in der Woche zu Hause in Bebra für zwei Stunden die Mutter ablösen musste. Denn das Büdchen war täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Meist verkaufte Olly Moseberg allein Eis, Cola und Süßigkeiten, manchmal half ihr verstorbener Mann Heinz.

Pommes selbst gemacht 

Das Büdchen: Olly Moseberg vor ihrem Kiosk, dort, wo heute der Rathausmarkt ist.

Später gab es auch Pommes in dem Kiosk. Ab vier Uhr früh wurde freitags, samstags und sonntags je ein Zentner Kartoffeln für die Pommes geschält, die, wie das Eis, selbst hergestellt wurden. Mitte der 70er-Jahre fiel das Büdchen der Stadtsanierung zum Opfer. Mosebergs bauten daraufhin ein Restaurant an der Nürnberger Straße. Hier befindet sich heute das Da Marco.

Auch mit dem Restaurant waren Mosebergs Vorreiter, denn bis dahin gab es überwiegend die traditionellen Gasthäuser. Dabei stammte die Familie gar nicht aus dem Gastronomiefach. Mosebergs hatten vor ihrer Flucht in den Westen ein Fuhrunternehmen bei Eisenach.

Im Restaurant wurden täglich über 100 Essen zubereitet, erinnern sich Sigrid und Karl-Heinz Moseberg (beide 61), der in der Küche das Sagen hatte. Neben seinem Traumberuf als Koch begann er mit dem Verleih von Videos und baute sich damit eine neue Existenz auf. Ab 1989 betrieben er und seine Frau dieses Geschäft hauptberuflich.

Saschas Wunsch, ebenfalls Koch zu werden, schlugen die Eltern ab, als er 15 Jahre alt war. So lernte er nach dem Fach-Abi von 2005 bis 2008 Restaurantfachmann und besuchte die Hotelfachschule in Fulda. Zusammen mit seinen Eltern übernahm er 2004 das Holzwurmstüberl in der Tennishalle, das die Familie bis zum vergangenen Jahr führte.

Cocktail-Kreationen 

Als Stefan Knoche vom Stadtmarketing ihn ansprach, ob er nicht Interesse an einer Gastronomie in Semms Ecke hätte, war das seine Chance. Tagsüber betreibt er nun das Café im „be!“, das auch sonntags geöffnet ist. Am Abend kann er sich in der Bar in Semms Ecke unter anderem mit der Kreation neuer Cocktails ausleben.

Auch Olly Moseberg war schon im Café und in Semms Ecke zu Gast, und wen wundert’ s: Es gefällt ihr sehr gut bei Sascha.

Nur das Eis könnte für ihren Geschmack etwas süßer sein.

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