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„Jeder kann bei Problemen einfach klingeln“: Die 49-jährige Andrea Siegel ist Ortsvorsteherin in Rautenhausen

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Von: Clemens Herwig

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Generationswechsel: Ortsvorsteherin Andrea Siegel hat das Amt von Vorgänger Karlheinz Meise übernommen. Den Unterstand am Osterfeuerplatz hatte der 74-Jährige mit auf den Weg gebracht. Für seine Nachfolgerin hat er sich zu einem ihrer Lieblingsorte mit Blick über Rautenhausen entwickelt.
Generationswechsel: Ortsvorsteherin Andrea Siegel hat das Amt von Vorgänger Karlheinz Meise übernommen. Den Unterstand am Osterfeuerplatz hatte der 74-Jährige mit auf den Weg gebracht. Für seine Nachfolgerin hat er sich zu einem ihrer Lieblingsorte mit Blick über Rautenhausen entwickelt. © Clemens Herwig

Die 49-jährige Andrea Siegel ist Ortsvorsteherin in Rautenhausen. Sie hat viel vor im kleinsten Bebraer Ortsteil.

Rautenhausen – Andrea Siegel hat eine Liste mit Dingen, die in Rautenhausen „noch im Argen liegen“. Die Weiden am Bachlauf müssten geschnitten, die Herzen im Ort für den neuen Abfallcontainer am Friedhof erwärmt werden. Und: Corona hat Breschen in das Zusammenleben in Bebras kleinstem Stadtteil geschlagen, die repariert werden sollen. Die Aufgabe der 49-Jährigen ist ein Marathon, kein Sprint. „Ich kann nicht alles auf einmal machen“, sagt die Ortsvorsteherin.

Sie sitzt auf einer Bank am Osterfeuerplatz mit Blick auf das Dorf. Seit es dort auch einen hölzernen Unterstand gibt, ist es einer ihrer Lieblingsplätze. Auf den Weg gebracht hat das Projekt noch ihr Vorgänger. Als Karlheinz Meise nach 40 Jahren als Ortsvorsteher sagt: „Irgendwann ist Schluss“, entsteht in Rautenhausen eine Lücke, die Andrea Siegel füllen will.

Von Meise hat sie gelernt, dass Ortsvorsteher gelegentlich „auch ein dickes Fell mitbringen müssen und man sich nicht zum Spielball machen lassen darf“. Der 74-Jährige steht ihr auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. So will Andrea Siegel partout nicht einfallen, wann der Unterstand am Osterfeuerplatz fertig geworden ist. Es wurmt sie. Ein Griff zum Handy, ein kurzes Telefonat – wenig später ist die Antwort klar („2019“) und Karlheinz Meise stapft den Hang zum Holzunterstand hinauf.

Meise hat seine Schreiben viele Jahre auf einer Schreibmaschine getippt. Als er verabschiedet wurde, schenkt der Ortsbeirat seinem langjährigen Ortsvorsteher ein kleines Modell davon. Siegel und Meise müssen bei der Erinnerung schmunzeln. Mittlerweile tauscht sich das Gremium per Kurznachrichtendienst WhatsApp aus. „Jeder kann mich bei Problemen übers Handy erreichen oder einfach klingeln“, betont die neue Ortsvorsteherin. Sie will ansprechbar sein – versteht ihre Rolle aber nicht als Sheriff, der jeden Tag durch den Ort patrouilliert.

Die 49-Jährige will vor allem auch frischen Wind ins Zusammenleben in Rautenhausen bringen. Erste Ideen hat sie bereits: „Vielleicht kann man das Lindenblütenfest reaktivieren.“ Mit alten Fotos, mit einem gemeinsamen Blick in die Ortschronik. Mit schönen Erinnerungen und viel Gelächter. Pläne gibt es auch für den Tag der Heimatpflege: Die 17 Helfer beim jüngsten Einsatz samt Schwätzchen mit Familienpizza haben Andrea Siegel begeistert. „Dabei haben Leute miteinander geredet, die sonst nicht unbedingt dazu kommen.“ Geht es nach ihr, kann es das häufiger im Jahr geben. Ein Laminiergerät, um den Flyer für das Projekt wetterfest zu verpacken, hat sie bereits gekauft.

Dass ihr das Amt als „Zugezogene“ anvertraut wird, ist für die 49-Jährige keine Selbstverständlichkeit. Aufgewachsen ist Siegel in Alheim, seit 20 Jahren ist sie Rautenhäuserin. „Ohne Aufgabe geht es nicht. Ich war schon immer ein Vereinsheini“, sagt die Ortsvorsteherin, die lange für den TSV Bebra Handball gespielt hat und sich seit zehn Jahren im Ortsbeirat engagiert. Auch in der Feuerwehr war sie aktiv – bis sie der eigene Körper vor zwei Jahren ausgebremst hat und sie nicht mehr schwer heben darf.

Kontaktfreudig ist die 49-Jährige allein schon berufsbedingt: Seit elf Jahren arbeitet die gelernte Bürokauffrau an einer der Tankstellen an der Hersfelder Straße in der Kernstadt. „So lange wollte ich das eigentlich gar nicht machen“, sagt sie mit einem Lachen. „Ich fühle mich einfach wohl.“

Andrea Siegel ist verheiratet, zur Rautenhäuser Patchwork-Familie mit Ehemann Thorsten gehören drei Kinder aus den ersten Ehen und ein gemeinsames Kind des Paares.

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