Doppelstunde mit "Herrn Schröder"

Kabarett: In Weiterode ging´s um Hochbegabte und Bildungsferne

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Erstmal ins Klassenbuch gucken: Herr Schröder kennt seine Pappenheimer.

Weiterode. Ein Pädagoge teilte aus: „Herr Schröder“ in Ellis Saal in Weiterode – das bedeutete eine Doppelstunde voller Wortwitz. Der Deutschlehrer und ziemlich frustrierte Beamte Johannes Schröder begeisterte mit seinem Programm „World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“.

Die Reaktion in den Zuhörerrängen: nicht enden wollendes Lachen und stürmischer Applaus. Schon mit seiner ersten Ankündigung nach dem Klingeln der Pausenglocke zog der „Korrekturensohn“ die Zuhörer auf seine Seite: „Ich habe kein Problem, wenn jemand während der Vorstellung isst, trinkt oder nach draußen läuft.“ Schließlich war der Mann in der braunen Cordjacke und den hoch gezogenen Jeans zwölf Jahre im Schuldienst und somit auch Kummer gewöhnt.

Im Saal verteilt er Rollen an Gregor und Thorsten in der ersten Reihe. Die Sina aus Meckbach wird als „Hochbegabte von Geburt an“ seine Klassensprecherin. Das alles gehört zur stimmigen Atmosphäre im Schulalltag, auch die Zuordnung der Besucher auf der Empore als Problemklasse. Besser kommt die eine Hälfte der Zuhörer unten im Saal als die Blumenklasse davon. Mit der will der Herr Schröder auf die Sommerrodelbahn in die Rhön fahren. Die andere Hälfte darf aufräumen und abbauen nach dem Schulfest.

Höchst amüsant plauderte der Mann auf der Bühne über sein früheres Leben am Korrekturrand und zieht dabei genüsslich hochbegabte Schüler, aber auch Kollegen, wie den bildungsfernen Trillerpfeifen-Theo, durch den Kakao. Die Tücken der deutschen Sprache versucht der Lehrer anhand der völlig willkürlich zugeordneten Artikel „der, die, das“ zu hinterfragen: „Kann mir jemand erklären, warum es morgens auf dem Feld der Weizen und das Korn, abends in der Kneipe aber das Weizen und der Korn heißt?“ Das war nur ein prägnantes Beispiel für die Logik der deutschen Sprache. Weitere folgten.

90 Prozent sind glücklich

Als bekennender Single ist Herr Schröder optimistisch: „Mein Bett ist halb voll.“ Seine Schüler hätten den Inhalt der Klassenkasse verwendet und ihn bei Elitepartner angemeldet. Der Profiltext: Vergilbtes Löschpapier im Buch des Lebens sucht frischen Tintenklecks zum Aufsaugen. Nichtsdestotrotz herrsche bei ihm gerade hormoneller Schienenersatzverkehr. Das hielt ihn aber nicht davon ab, mit Anne im Publikum zu flirten. Breiten Raum nahmen Metapher wie „Schatz war ich gut, besser als dein Ehemann?“ und Geheimnisse aus Anastasias Tagebuch („Ich lese jetzt Duden, ein völlig unzusammenhängender Roman“) ein.

Am Schluss brach Johannes Schröder eine Lanze für seine Kollegen: „90 Prozent der Lehrer sind glücklich mit ihren Beruf.“ „Herr Schröder“ war es nicht. Deshalb wurde er Comedian.

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