Auftritt in Ellis Saal

Vom Travestie-Star zum Kabarettisten: Kay Ray begeistert in Weiterode

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Ein 53-jähriger Paradiesvogel: Kay Ray passt in keine Schublade und überschreitet hin und wieder Grenzen – auch die der Gürtellinie.

Der 53-jährige lieferte in Weiterode einen Schnelldurchlauf durch 30 Jahre Bühnenerfahrung. Der Kabarettist überschreitet gerne Grenzen - auch die der Gürtellinie. 

Was die in Ellis Saal nicht ganz unbekannte Sauerländerin Frieda Braun und ihre Splittergruppen-Damen wohl zu Kay Rays Samstagabend-Show „Wonach sieht’s denn aus?“ gesagt hätten? Möglicherweise „Soon Schweinkram“. Oder: „Bei Lichte betrachtet, hat’s der Mann ja voll drauf, woll, aber warum iss der zwischendurch immer so ordinär?“

Dem Weiteröder Publikum und den eingefleischten Kay-Ray-Fans gefiel es, wie der von der Schmidt-Mitternachts-Show bekannte Hamburger daherkam. Wie der 53-Jährige in einer Art Schnelldurchlauf von all dem Schönen und Schlimmen berichtete, was ihm in über 30 Jahren auf der Bühne passiert ist, und von dem, was sich bei seiner Kur in einer Bad Wildunger Klinik, bei der er unter anderem Brettchen gebrannt hat, ereignet hat: „Das war wie im Irrenhaus. Da brauchst du kein Bühnenprogramm mehr zu schreiben, fünf Wochen Klinik reichen.“

Originell, schrill und schräg

Originell, schrill, schräg, wortgewaltig, frech, ordinär, die Dinge beim Namen nennend, handelt Kay Ray in knapp dreieinhalb Stunden so gut wie alles ab, dicht, schnell und schneller sprechend, singend, glänzend gelaunt, das Publikum – manchmal arg frech -– einbeziehend, in keine Schublade passend, Grenzen und insbesondere die Gürtellinie überschreitend („Je tiefer es geht, desto mehr amüsieren sich die Leute“). 

Ein Paradiesvogel mit Frau und Tochter, der sich inzwischen als bisexuell bezeichnet, der aber trotzdem auf Homos und Heteros eindrischt und sich über 68 sexuelle Spielarten, weibliche und männliche Geschlechtsteile und deren Benutzbarkeit lustig macht. Wenn er nicht gerade über das „Problem Transgenderscheißhaus“ philosophiert, oder darüber, dass Deutschland in den 90er-Jahren „noch nicht so enteiert“ war wie momentan: „Irgendwie war die Wirklichkeit wirklicher.“

Der Kabarettist feuert gegen Politikerinnen, die GroKo, die Dummen und die AfD

In diesem Zusammenhang bekommen vor allem Politikerinnen ihr Fett weg: Claudia Roth, Ursula von der Leyen, die „Bundesraute“ und deren mögliche Nachfolgerin: „Wenn wir Pech haben, werden wir in Zukunft von einer Abkürzung regiert: AKK. Alles könnte klappen.“ Aber auch die GroKo („Großer Kokolores: Das Land dämmert dahin, und die GroKo verkündet Ziele“), die AfD, die Behinderten, die Dummen („Das Problem ist, dass das Selbstbewusstsein der Dummen das der Cleveren übersteigt“), die Moslems und die Burkaträgerinnen.

Durchaus originell sind Kay Rays Wortspielereien: Den politisch wenig korrekten Begriff „Negerkuss“ deutet er um in „maximal pigmentiertes Schaumgebäck“, einen Öko-Vibrator preist er an als „Bambusrohr mit ‘ner Hummel drin“, und über sein gesprochen-gesungenes Milva-Deutsch kann man sich wunderbar amüsieren. 

Ernst nehmen muss man ihn, wenn er „asymmetrische Wahrheiten“ verkündet, trotz aller Derbheiten fordert, dass in unserer schnelllebigen Zeit zwischen Fastfood und Speeddating Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Toleranz vonnöten sind, und wenn er den Untergang der Titanic von der GroKo-Besatzung bewältigen lässt: Hochseehofer entwickelt einen Meermasterplan und Merkel lächelt auch noch im Rettungsboot, „denn das Herz einer ehemaligen Stasi-Sekretärin ist ein tiefer Ozean“.

Nach ausgiebigem Applaus gibt es einen langen „Zugabeblock“ mit Videos und Tipps für Notsituationen der besonderen Art und Milvas Lied „Die Gedanken sind frei“, von Kay Ray mit viel Ernst, Wucht und Verneigung vor dem Publikum vorgetragen.

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