Comedian geht in den Ruhestand

Kalle Pohl mit Best-of-Programm auf Abschieds-Tournee in Ellis Saal

+
Politische Diskussionen mit einem Schwein: Kalle Pohl auf Abschieds-Tournee in Ellis Saal.

Ein Abschied zum Auftakt? Traurig. Wenn es nicht Kalle Pohl gewesen wäre, der da am Sonntagabend in Ellis Saal in Weiterode auf der Bühne gestanden hätte.

Der Mann, der sich neun Jahre mit Mike Krüger in „Sieben Tage, sieben Köpfe“ einen Schein-Kampf – große Nase gegen kleine Größe – geliefert hat. Die Kultur-Saison 2019/2020 in Ellis Saal hat begonnen und mit dem sympathischen Rheinländer, der nun auf Abschieds-Tournee geht, war dieser Start mehr als gelungen.

Doch ein weinendes Auge bleibt. Denn mit seinem Best-of-Programm „Offen und ehrlich – Von allem das Beste“ soll es definitiv für den quirligen Comedian in den Ruhestand gehen. Die Plaudertasche in Jeans und kariertem Hemd gab zwei Stunden lang Einblicke in „Mein Leben, Verwandte und andere Katastrophen“.

Es geht mal wieder um Mann und Frau, ums Älterwerden und die allgemeine Weltenlage einschließlich AfD und Trump. Kalle Pohl packte es an – mit Witzen, feinen Limericks von Schwager Franz-Josef und kleinen Gedichten („Lieber täglich Nordic Walking als einmal Modern Talking“).

Das Alter geht auch an Kalle Pohl nicht spurlos vorüber: „Als ich mich heute Morgen im Spiegel sah, hatte ich mich 30 Jahre jünger in Erinnerung.“ Alte Menschen werden in der Zukunft sehr hip sein, meinte der Entertainer. Die posten dann auf Facebook Fotos von ihren pürierten Schnitzeln und räumen beim Online-Banking das Konto ihrer Enkel leer. Natürlich auch wieder im Programm sind Vetter Hein Spack und Tante Mimi, die dreimal verheiratet war und noch keinen Ehemann zum Mann erziehen konnte.

Mit einer charmanten Mischung aus Understatement und Märchenonkellaune erzählte Kalle Pohl viele Merkwürdigkeiten, und man findet es ganz wunderbar. Manchmal verpasste er – auch dank des erfundenen Dichters Walter Büdesheim aus Düren – selbst dem Alltäglichsten poetischen Pomp. Trockene Schlussfolgerungen machten seine Pointen auf diese Weise noch ein wenig schärfer und wurden von herzhaftem Lachen begleitet.

Pohl-Thema ist natürlich immer wieder die Größe des Mannes, die er mit viel Selbstironie beschreibt. Mit seinem Hand-Schwein, das gerne Willy Brandt imitiert, diskutierte er politisch. Ob denn Olaf Scholz Kanzler könne? Das Schwein kontert: „Gerhard Schröder war fünfmal verheiratet. Scholz nur einmal. Wie soll er da regieren gelernt haben?“ In Interaktion mit dem Publikum sang Pohl seinen großen Hit, spielte virtuos „Schangsongs“ auf dem Akkordeon und hatte immer den Schalk im Nacken.

Kalle Pohl versteht sich auf intuitive Situationskomik und Stegreifspiele. Kecke Limericks und freche Lieder gingen ihm leicht von den Lippen, frei und ungezwungen. Feinste Reime und Wortspielereien lagen im Premiumbereich. Die Zuschauer konnten sich vor Lachen nicht halten und forderten Zugaben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.