Partei-Freundschaft seit 40 Jahren

Karl-Heinz Lückert und Herbert Börner verabschieden sich aus Bebraer Stadtpolitik

Bebras CDU-Granden an alter Wirkungsstätte: Karl-Heinz Lückert (links) und Herbert Börner im großen Sitzungssaal im Bebraer Rathaus.
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Bebras CDU-Granden an alter Wirkungsstätte: Karl-Heinz Lückert (links) und Herbert Börner im großen Sitzungssaal im Bebraer Rathaus. Den kühlen Rechner und den langjährigen Fraktionsvorsitzenden verbindet eine politische Partnerschaft über 40 Jahre – und weit mehr als eine Parteifreundschaft. Nur bei wenigen Dingen sind sie sich uneins.

Zwei CDU-Urgesteine verabschieden sich aus der Bebraer Stadtpolitik: Karl-Heinz Lückert und Herbert Börner verbindet eine jahrzehntelange Partei-Freundschaft.

Bebra – Als sie in der Bebraer Stadtpolitik aktiv werden, heißt der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl – und hat seine lange Amtszeit als Bundeskanzler noch komplett vor sich: Jeweils 40 Jahre lang haben sich Herbert Börner und Karl-Heinz Lückert für „ihre CDU“ in verschiedenen Ämtern und Würden für Bebras Belange eingesetzt. Dabei ist eine Verbindung entstanden, die weit über Parteifreundschaft hinausgeht. In diesem Jahr sind die Unions-Urgesteine aus der Stadtpolitik ausgeschieden.

„Wir haben in dieser langen Zeit sechs Bebraer Bürgermeister begleiten dürfen – uns war es, mal locker gesprochen, fast egal, wer unter uns Bürgermeister war“, sagt Karl-Heinz Lückert. Anfang der 1980er-Jahre geht die parlamentarische Arbeit für die beiden heute über 70-Jährigen los. Damals ist August-Wilhelm Mende – „den alle nur Auwi nannten“ – Chef im Rathaus. Und das befindet sich noch an der Rotenburger Straße und nicht am Rathausmarkt, wohin die Stadtverwaltung samt Sitzungssaal für die Stadtverordneten erst kurze Zeit später umzieht.

Dort sitzen sie 40 Jahre später und erinnern sich: „Wir waren bei der Grundsteinlegung 1982 dabei“, sagt Herbert Börner und blickt auf das kunstvoll gestaltete Stadtwappen hinter dem Tisch des Stadtverordnetenvorstehers, an dem er bis April für ein gutes Dutzend Jahre Platz nehmen durfte.

„Wir haben uns natürlich besonders für unsere Dörfer eingesetzt und uns als Anwälte für unsere Stadtteile gesehen – aber auch immer den Blick für Gesamt-Bebra behalten“, sagt Lückert. „In Bebra wird das Geld verdient – das habe ich meinen Ibschen öfters gesagt, wenn sie mal wieder mehr Einsatz für unser Dorf von mir gefordert haben“, berichtet Börner.

Und da ist sie wieder, die alte und einzige Rivalität der beiden – der eine fest in Iba verwurzelt, der andere patriotischer Asmushäuser. Wenn sie sich deswegen scherzhaft auf die Schippe nehmen, wirken sie ein wenig wie die zwei Alten auf dem Balkon der Muppet-Show. „Zwischen uns passt keine Briefmarke“, beschreiben sie ihre über all die Jahre gewachsene enge Freundschaft. Die basiert auf einer klaren Aufgabenteilung: Lückert als kühler Rechner und Zahlenmensch, der alleine 17 Jahre Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses ist, und Börner mit fast 15 Jahren als Fraktionsvorsitzender bildeten so über Jahrzehnte hinweg das schlagkräftige Führungsduo der Bebraer CDU.

„Unser Geheimnis war, dass keiner dem anderen seine Position streitig machen wollte. Wenn mir jemand etwas über den Herbert erzählen wollte, habe ich ihn gleich selbst angerufen – und so lief das auch umgekehrt“, erklärt Lückert. Das habe bei vielen im Laufe der Jahre zu einem Lerneffekt geführt. „Zuletzt wollte keiner mehr dem einen etwas über den anderen erzählen“, sagt Herbert Börner und grinst schelmisch.

Selbst das Thema Dorferneuerung und welcher Ort wann wie viel Geld aus den Fördertöpfen bekommen sollte, kann die beiden Ehrenamtler nicht entzweien. „So eine Männerfreundschaft kriegt ihr nicht kaputt haben wir denjenigen gesagt, die das versucht haben“, berichtet Börner.

Viele dicke Bretter müssen in all den Jahren im Parlament gebohrt werden – ob syrisch-orthodoxes Zentrum, der Streit um die über eine halbe Million Mark teuren Planungskosten für das heutige Biberbad, der Zoff um die vermeintlich zu künstlerisch geratene neue Bebraer Rathausfassade oder die Stadtsanierung II mit ihren Knackpunkten Südtangente und dem viel diskutierten Abriss der Villa Niemeyer – Börner und Lückert sind stets mittendrin und voll dabei. Und das nicht als Leisetreter, sondern streitlustig und mit markigen Worten und Vergleichen.

„Wir wurden als die Abrissbirnen-Fraktion von Bebra betitelt“, sagt Börner. Mit ihnen fallen die alten Häuser an der Bismarck- und Apothekenstraße – „damals gab es viel Kritik an den Plänen, wie die Stadt sich verändern sollte“, erinnert sich Börner. Gemeinsam mit dem „viel zu früh verstorbenen Bauamtsleiter Manfred Klöpfel haben wir so manche Idee beraten – jetzt schauen alle her und sind begeistert, wie gut sich Bebra gemacht hat und wie positiv sich das Stadtbild verändert hat.“ Heute seien plötzlich alle dafür – „der Erfolg hat viele Väter“, sagt Lückert nur. Mit Horst Groß als „einem von uns“, als CDU-Bürgermeister über drei Amtszeiten, habe man viel Gestaltungskraft auch umgesetzt bekommen.

Nur beim Lokschuppen und dem favorisierten Fußballverein sind sich Börner und Lückert uneins: Der Bayern-München-Fan Lückert („Ich bin lieber bei den Gewinnern“) und der 1. FC-Köln-Anhänger Börner („Man muss auch Mitleiden können als echter Fan“) stimmen zwar beide gegen den Erhalt des Lokschuppens – „aber ich habe meine Meinung von damals inzwischen revidiert“, sagt Börner. Spätestens seit der Einweihung sei klar, welch’ „geile Location“ nun zu Bebra gehöre. Dagegen sagt der kühle Rechner Lückert: „Ich habe halt immer noch vor allem die Finanzen im Blick und mache mir auch heute noch Sorgen um die hohen Folgekosten.“

Ihrer im Bund abgestürzten CDU wünschen sie mit dem neuen Vorsitzenden Friedrich Merz, den sie auch beide in der Mitgliederbefragung im Dezember gewählt haben, mehr Biss. „Die CDU muss wieder Volkspartei werden und zu ihren Wurzeln zurückkehren“, sagen sie. Vielleicht ein bisschen so wie zu Helmut Kohls Zeiten – als ihre politische Arbeit für Bebras CDU vor 40 Jahren begann.

Karl-Heinz Lückert (70) ist Asmushäuser. Seit 1974 ist er CDU-Mitglied, war 21 Jahre lang Vorstandsmitglied im CDU-Ortsverband Asmushausen und von 1995 bis 2017 Vorstandsmitglied im CDU-Stadtverband Bebra. 1983 wurde er Stadtverordneter, von 1993 an war er stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. 17 Jahre lang war er Vorsitzender des Haupt-und Finanzausschusses. Auch im Ortsbeirat Asmushausen setzte er Akzente: acht Jahre als Mitglied, vier Jahre als stellvertretender Ortsvorsteher, ebenfalls vier Jahre als Ortsvorsteher.

Herbert Börner (71) gehörte 1977 zu den Gründungsvätern der CDU in seinem Heimatort Iba, wo er von 1997 bis 2016 auch Mitglied im Ortsbeirat war. Von 1981 bis 1993 war er Vorsitzender der Ibaer CDU. 40 Jahre lang ist Herbert Börner Mitglied der Stadtverordnetenversammlung gewesen und war dort in verschiedenen Gremien engagiert. Als Fraktionsvorsitzender lenkte er von 1997 bis 2008 die Geschicke der Bebraer CDU. Von 2009 an war er zwölf Jahre lang – bis zu seinem Ausscheiden in diesem Jahr – Bebras Stadtverordnetenvorsteher. (Peter Gottbehüt)

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