Kaufhaus Schuhmann: Mode-Chic und Herren-Feinripp

Das Kaufhaus Schuhmann, wie es viele noch kennen. Das Foto hat uns Manfred Bechtel zur Verfügung gestellt.

Das Ende des einstigen Kaufhauses Schuhmann in Bebra ist besiegelt. Es soll im Mai abgerissen werden. Mit dem Kaufhaus verbinden viele Menschen aus der Region Erinnerungen.

Der Bombenangriff auf Bebra im Dezember 1944 verursachte zwar Schäden am Kaufhaus Schuhmann, doch „der Verkauf ging ohne Unterbrechung zur Versorgung der Bevölkerung weiter“, hieß es zum 50. Bestehen des renommierten Bebraer Kaufhauses im Jahr 1986 in unserer Zeitung.

Am 1. März 1936 hatten die Eheleute Karin und Fritz Schuhmann das Textilgeschäft an der Nürnberger Straße 48 eröffnet. Schon drei Jahre später erweiterten Schuhmanns das Haus zum ersten Mal.

„Alles unter einem Dach“ war in den 1950er Jahren angesagt. Fritz Schuhmann erklärte damals, es sei erwiesen, dass 65 Prozent aller Hausfrauen mit Vorliebe alles in einem Haus kauften. So erweiterte auch die Familie Schuhmann 1958 ihr Modehaus auf bis dahin 600 Quadratmetern zu einem Kaufhaus auf 1000 Quadratmetern Fläche.

Was das Herz begehrte 

Über 20 000 Artikel führte das Haus damals: Vom schicken Damenmantel, über Feinripp-Unterhemden für Herren bis hin zum Schnürsenkel fand die Kundschaft, was das Herz begehrte. Das Geschäft war damals das erste Kaufhaus im Kreis Rotenburg.

Karin und Fritz Schuhmann hatten eine Tochter, Erika, die 1957 Hasso Becker heiratete, dessen Eltern wiederum in Recklunghausen ein Kaufring-Kaufhaus führten. Becker zog nach Bebra und stieg in das Geschäft der Schwiegereltern ein.

Um Platz für noch mehr Ware zu schaffen, folgte 1968 erneut eine Erweiterung. Was das Angebot, Preisgestaltung und Präsentation betreffe, müsse man keine Großstadtkonkurrenz fürchten, hieß es damals.

1978 starb Hasso Becker und Erika übernahm das zum Kaufring-Einkaufsverband gehörende Geschäft. 1979 wurden die Verkaufsräume erneut komplett umgestaltet. Auch Uwe Becker, Sohn der Eheleute Becker und letzter Eigentümer des Kaufhauses, war bereits in die Geschäfte eingebunden. Er schloss 1982 sein Studium der Betriebswirtschaft ab, sammelte noch zwei Jahre Erfahrung in Häusern der Kaufring-Gruppe in Deutschland und trat 1985 als alleiniger Geschäftsführer in das Familienunternehmen ein. Sein Großvater Fritz Schuhmann starb kurz darauf im Dezember 1985.

Aus verschiedenen Gründen, Turbulenzen nach der Grenzöffnung und dem beginnenden Trend raus aus der unmittelbaren Innenstadt, schloss das Kaufhaus am 28. Februar 1991. Danach folgte als Mieter die Bekleidungskette NKD. Seit 2001 war das Haus nur noch zeitweise vermietet.

Das Kaufhaus an der Nürnberger Straße hatte übrigens noch einen Vorläufer. Fritz Schuhmanns Vater Hans war ein Mecklarer Kaufmann gewesen, der schon 1933 eine Zweigniederlassung an der Bismarckstraße in Bebra eröffnet hatte. Dessen Vater wiederum war Paul Schuhmacher, der das Unternehmen 1882 in Mecklar gegründet hatte.

Lesen Sie Erinnerungen von Lesern, mehr zur Geschichte des Hauses und wie es nach dem Abriss weitergeht in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung.

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