Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung

Kein Rückenwind für Kreiskrankenhaus-Pläne: Bebras Parlament lehnt Resolution für Kardiologie ab

Nicht genug Unterstützer: Für eine Kardiologie am KKH (Foto) sprachen sich sieben Stadtverordnete aus – bei 21 Gegenstimmen und einer Enthaltung.
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Nicht genug Unterstützer: Für eine Kardiologie am KKH (Foto) sprachen sich sieben Stadtverordnete aus – bei 21 Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Bebras Politik zögert, sich bei der Frage um die Entwicklung der akutmedizinischen Versorgung im Landkreis bereits jetzt auf die Seite des Kreiskrankenhauses (KKH) zu schlagen.

Bebra - Eine Resolution, die den geplanten Aufbau einer Kardiologie an der Klinik in Rotenburg unterstützt hätte, wurde am Donnerstag mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach dem beschlossenen Aus für die Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ), die in drei bis vier Jahren nach Bad Hersfeld verlagert werden soll, hatte das KKH Mitte Juli verkündet, selbst eine Kardiologie in Rotenburg aufbauen zu wollen. Die vom Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf betriebene Klinik rechnet mit Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro.

Vorgebracht worden war der Vorstoß in der Bebraer Stadtverordnetenversammlung von den Grünen und Freien Wählern. Eine Kardiologie am KKH diene der Bevölkerung „in und um Bebra“ und sei ein wichtiger Meilenstein für die Gesundheitsversorgung im Nordkreis, sagte Bernd Holzhauer. Das HKZ sei als „erfolgreiche Institution bis aufs Blut ausgesaugt worden“, so der FWG-Fraktionschef, der als Kreistagsabgeordneter dem Kauf durch das Klinikum Hersfeld-Rotenburg zugestimmt hatte. „Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal tun würde.“

Die CDU befürchtet, dass die Resolution laufende Prozesse negativ beeinflussen und falsche Signale an die Entscheidungsträger senden könnte. Derzeit würden die Kosten für den Radikalumbau am Klinikum – dem auch das HKZ zum Opfer fallen soll – ermittelt. Klinikleitung und der neue Landrat Torsten Warnecke (SPD) wollten im Oktober über den aktuellen Stand informieren. „Wir glauben, dass man mit der Resolution in diesen Prozess eingreifen würde und ihn eventuell gefährden könnte“, sagte Dana Kerst für die CDU. Das Thema sei zu vielschichtig, um „aus Unwissenheit und Aktionismus heraus eine so unausgegorene Resolution“ zu beschließen.

Es werde nur eine Kardiologie im Kreis von Bund, Land und Krankenkassen unterstützt, betonte wie die CDU auch Ulrich Völke von Gemeinsam für Bebra. Die Altkreise Hersfeld und Rotenburg gebe es nicht mehr – der Landkreis müsse bei der Gesundheitsversorgung zusammenstehen. Auch für die SPD ist die Informationslage nach wie vor zu unklar. „Am HKZ wird noch um vieles gerungen und gekämpft. Dem wollen wir nicht in den Rücken fallen“, so Christina Kindler.

Scharf kritisiert wurde der Informationsfluss im Klinik-Streit von Wolf-Dietrich von Verschuer. Die Rückmeldung an das Rotenburger Stadtparlament markiere einen „absoluten Vertrauensverlust“, so der Grünen-Fraktionschef. Geschäftsführer Rolf Weigel hatte Auskünfte gegenüber den Stadtverordneten verweigert – er sei nur dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg verpflichtet (wir berichteten).

Von Clemens Herwig

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