Drei Jahre und drei Monate für 57-Jährigen

Kinder in Bebra missbraucht: Busfahrer zu Freiheitsstrafe verurteilt

Bebra. Der Busfahrer, der sich unter anderem in Bebra an zwei Kindern vergangen hat, wurde am Dienstag verurteilt.

Nach drei Verhandlungstagen erwartet dem Mann eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. 

„Eine Bewährungsstrafe lag außerhalb der Vorstellung“, sagte Richterin Michaela Kilian-Bock bei der Urteilsverkündung in Richtung des Angeklagten und seines Pflichtverteidigers, der für eine solche plädiert hatte. 

Die Aussage des geständigen Angeklagten hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Mit den Eltern der beiden Mädchen, die als Nebenkläger aufgetreten waren, wurde ein Vergleich geschlossen. Der Angeklagte verpflichtete sich, den Familien Schmerzensgeld zu zahlen.

Tränen in den Augen hatten zum Ende des Prozesses sowohl der geständige Angeklagte als auch die Eltern der betroffenen Kinder.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und des Besitzes kinderpornografischer Schriften musste sich der 57-jährige Busfahrer vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten. Schon beim Prozessauftakt hatte er sich für die Taten entschuldigt, die ihm „furchtbar leid“ täten.

Taten zwischen Juni 2016 und Januar 2017

Insgesamt acht „Handlungen“ zwischen Juni 2016 und Januar 2017 hatte die Staatsanwaltschaft dem Mann zunächst vorgeworfen, der seit Januar 2017 in einer hessischen Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft sitzt. Übrig blieben letztlich sechs Taten: das Herstellen von Kinderpornografie in fünf Fällen, davon zwei in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch eines Kindes und ein Fall in Tateinheit mit schwerem sexuellem Missbrauch eines Kindes sowie der Besitz kinderpornografischen Materials.

Vor seiner Verhaftung hatte der Busfahrer für einen Betrieb im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gearbeitet und Kinder zu einer Kindertagesstätte in Bebra gebracht. Während dieser Fahrten soll der Angeklagte im Oktober 2016 zunächst auch ein Flüchtlingsmädchen missbraucht haben. Als dessen Familie wegzog und er im Januar 2017 weitere Fotos von einem anderen Kind machte, kamen die Ermittlungsbehörden dem Mann auf die Schliche. Denn das Kind hatte den Vorfall seinen Eltern geschildert. 

Weitere Missbrauchsfälle ereigneten sich im Sommer und Herbst 2016. So soll der Busfahrer etwa auch die damals siebenjährige Tochter von Bekannten missbraucht haben. 

Fast 650 Dateien auf Computer des Angeklagten

Auf einem Computer des Mannes wurden fast 650 eindeutige kinderpornografische Bild- und Videodateien gefunden.

Die Entwicklung des Angeklagten zeichnete Staatsanwältin Christina Dern in ihrem Plädoyer nach. Nachdem der Mann, der sich schon früher zu jungen Mädchen hingezogen gefühlt habe, 2016 erstmals Zugang zu Kinderpornografie gehabt habe, sei er schließlich selbst aktiv geworden. Dern sprach von einem massiven Vertrauensbruch den Kindern gegenüber, die zum Glück wohl nicht traumatisiert seien. 

Zugute hielt sie dem Angeklagten sein Geständnis und die Einsicht in eine Behandlungsbedürftigkeit seiner krankhaften Neigung. Drei Jahre und sechs Monate forderte sie als Gesamtstrafe. Dem schloss sich die Vertreterin der syrischen Flüchtlingsfamilie an, in dessen Richtung sie sagte: "Sie sind nach Deutschland gekommen, um ihre Kinder zu schützen."

Vier Jahre forderte die zweite Nebenklagevertreterin. Man könne froh und glücklich sein, dass sich das zweite Opfer aus Bebra den Eltern anvertraut habe und so die Taten beendete.

„Man muss das Ganze betrachten“, erläuterte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Dabei sei alles zugunsten des Angeklagten berücksichtigt worden. Der 57-Jährige sei laut Gutachten voll schuldfähig und normal intelligent. Aufrechterhalten wurde der Haftbefehl. Gegen das Urteil könnte innerhalb einer Woche Berufung oder Revision eingelegt werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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