Kirchen-Studie: Auf den Pfarrer kommt es an

Dr. Lutz Friedrichs. Foto: Apel

Bebra. Warum engagieren sich die einen und stehen fest hinter „ihrer" Kirche? Und warum gibt es immer mehr andere, denen Kirche und die Themen, für die Kirche steht, gleichgültig sind?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die groß angelegte, fünfte Mitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die im vergangenen Jahr unter dem Titel „Engagement und Indifferenz - Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis“ veröffentlicht worden ist. Sie war am Freitagabend Hauptthema bei der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Rotenburg, bei der der frühere Heringer Pfarrer und jetzt im Landeskirchenamt sowie im Predigerseminar tätige Privatdozent Dr. Lutz Friedrichs Ergebnisse der Studie erläuterte, Fragen stellte und Anregungen unterbreitete.

Bei seinem „Blick nach innen“ stellte Friedrichs fest, dass die Studie, bei der gut 2000 Evangelische und gut 1000 Konfessionslose befragt worden sind, belege, dass die immer kleiner werdende Kirche an Überzeugungskraft in der Gesellschaft verliere - nicht zuletzt deshalb, weil sie immer mehr an Kraft zur Weitergabe des Glaubens verliere. „Es gibt eine engagierte Minderheit und eine indifferente große Mehrheit, die sich nicht an Kirche beteiligt, die jedoch zunehmend kirchliche Amtshandlungen nachfragt“, unterstrich der Theologe, der beklagte, dass die Zahl der „etwas Verbundenen“ in den vergangenen 20 Jahren deutlich abgenommen habe und dass die Mehrheit der Evangelischen „religionsloser“ geworden sei.

Kirche unglaubwürdig?

Stärkstes Motiv für Kirchenaustritte sei nicht etwa die Pflicht zur Zahlung von Kirchensteuer, sondern die „Unglaubwürdigkeit“ von Kirche, berichtete Friedrichs: „Muss uns das nicht hellhörig machen?“ Eindringlich verwies er darauf, dass der Person des Pfarrers laut Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung eine Schlüsselrolle zukomme: „Es sind nicht Seelsorgegespräche, sondern es sind ganz überwiegend die öffentlichen Auftritte, in denen der Pfarrer als Person wahrgenommen und bei denen er zum Repräsentanten der Kirche wird.“

Präses Reinhard Kerst (Ober-ellenbach) sprach mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse davon, dass Kirche ihr Augenmerk noch stärker auf Gottesdienste, diakonisches Engagement und religiöse Erziehung richten müsse: „Wir müssen uns den Jugendlichen zuwenden!“ Ähnlich sah es Pfarrer Wilhelm Altmüller (Rotenburg), der dazu aufforderte, die mit feinem Gespür ausgestatteten jungen Leute um ihrer selbst willen ernst zu nehmen. Bernd Marschler (Königswald) wies bei der Aussprache auf die Wichtigkeit der Amtshandlungen hin: „Es muss etwas rübergebracht werden, und wir müssen die Leute erreichen, die normalerweise nicht zu den Gottesdiensten kommen!“

Von Wilfried Apel

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