Vielerorts Ersatzprogramm

Kirmesspaß in Hersfeld-Rotenburg auch dieses Jahr nur auf Sparflamme

Ein fröhliches Bild, das traurig machen kann: Volle Kirmeszelte wie hier beim Weiteröder Heimatabend 2019 wird es auch im zweiten Corona-Jahr 2021 nicht geben.
+
Ein fröhliches Bild, das traurig machen kann: Volle Kirmeszelte wie hier beim Weiteröder Heimatabend 2019 wird es auch im zweiten Corona-Jahr 2021 nicht geben.

Die Kirmessen in Hersfeld-Rotenburg in ihrer herkömmlichen Form sind für diesen Sommer und Herbst im fast alle abgesagt. Vielerorts wird aber ein Ersatzprogramm angeboten.

Hersfeld-Rotenburg – Die Kirmessen in ihrer herkömmlichen Form fallen wohl auch im zweiten Corona-Jahr fast gänzlich aus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unserer Zeitung bei Veranstaltern im Landkreis, die stattdessen Ersatzprogramme vorbereitet haben. Um keine falschen Erwartungen zu wecken, sagt aber zum Beispiel Manuel Bachmann (Lispenhausen): „Unter dem Titel Kirmes gibt es dieses Jahr nichts.“

Zwei Monate vor dem Festtermin erreichten die Planung den Punkt, ab dem Kosten produzieren würden. Das könne man sich als Verein nicht erlauben, so der Vorsitzende des SC Lispenhausen.

Die Kirmessen auf den Dörfern werden allesamt von Ehrenamtlichen organisiert. Die Veranstalter müssen mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Hygienekonzepte abstimmen – und die Behörde kann bislang nur bis zum 19. August Genehmigungen erteilen, weil dann die derzeit gültige Corona-Schutzverordnung ausläuft, erklärt Kreis-Pressesprecher Pelle Faust.

Deswegen halten sich beispielsweise die Kirmesburschen in Ransbach (erstes Oktoberwochenende) noch zurück: „Wenn die Corona-Zahlen es dann zulassen, machen wir eine abgespeckte Version“, sagt Vorsitzender Julian Suresch. „Die Getränkelieferanten stünden in den Startlöchern und wir haben im Bekanntenkreis DJs.“ In trockenen Tüchern sei aber noch nichts. Anvisiert würde ein Dämmerschoppen am Freitagabend und Musik an öffentlichen Plätzen am Samstag – eine Indoor-Veranstaltung wie sonst in der Turnhalle gebe es nicht.

Bebra entscheidet Ende August

Im Gegensatz zu den Dorfkirmessen steht hinter der Bebraer Kirmes mit der Stadtentwicklung Bebra (SEB) eine Marketinggesellschaft mit anderen Möglichkeiten als die von Ehrenamtlichen getragenen Dorfvereine. Deswegen visiert SEB-Chef Stefan Pruschwitz nach wie vor eine Kirmes mit vollem Programm an, sofern Corona es zulässt. Eine Entscheidung soll Ende August fallen. Gefeiert wird in Bebra vom 30. September bis zum 4. Oktober.

Weiter fortgeschritten sind die Planungen in Solz (21. und 22. August) sowie in Breitenbach am Herzberg (11. und 12. September). Dort ist Musik an den üblichen Orten mit DJs geplant – auf den Festplätzen werden aber keine Zelte aufgestellt. Gefeiert wird unter freiem Himmel. „Man holt sich die Getränke nicht an der Theke, es funktioniert alles mit Bedienung und mit Maske bis zum Sitzplatz. Zutritt gibt es für Geimpfte, Getestete und Genesene“, sagt Selina Stein, Vorsitzende der Breitenbacher Burschenschaft.

Selbst in Solz, wo kommende Woche gefeiert wird, steht noch alles unter Vorbehalt. Geplant ist neben dem Ständchenspielen und Musik auf dem Festplatz auch ein Familiennachmittag am Sonntag. Ob die nun geltenden Regeln dann noch aktuell sind? „Da müssen wir uns überraschen lassen. Alles muss schnell absagbar sein“, sagt Adrian Göbel, Vorsitzender der Kirmesgruppe.

So planen die Kirmesveranstalter in Hersfeld-Rotenburg das Programm

Solz (21. und 22. August): „Eine komplette Kirmes machen wir nicht. Wir waren uns einig, dass das nicht geht“, sagt Adrian Göbel, Vorsitzender der Kirmesgruppe. Dennoch nicht fehlen darf das Ständchenspielen am Samstag. Außerdem legt am Samstagabend auf dem Festplatz – unter freiem Himmel – ein DJ auf. Am Sonntag soll dort ein Familiennachmittag stattfinden und abends ein Dämmerschoppen.

Ronshausen (17. und 18. September): „Die Kirmes ist abgesagt“, sagt auch Dirk Wohner von Veranstalter ESV Ronshausen. Das Motto lautet „Ronshausen feiert Kirmes daheim und im Verein“. Aber ein kleines offizielles Programm gibt es. Am Freitag organisiert der ESV an der Grundschule einen Luftballonwettbewerb für Kinder. Weiter geht’s mit einem Fackelzug zum Alten Sporthaus, wo ein Kirmesfeuer entzündet wird. Die Idee kam auch daher, dass die Feuer zu Ostern und Walpurgisnacht ebenfalls abgesagt werden mussten. Am Feuer gibt es Bratwurst und Getränke. Am Samstag sorgen die „Netten Jungs aus der Nachbarschaft“ fürs Ständchenspielen im Dorf, mit Musik vom Band.

Derzeitige Corona-Auflagen gelten nur noch bis 19. August

Derzeit sind laut Gesundheitsamt gemäß der Corona-Schutzverordnung 750 Personen in geschlossenen Räumen wie Kirmeszelten und 1500 Personen im Freien wie bei Festzügen erlaubt. Geimpfte und Genesene werden dabei nicht mitgezählt. Veranstalter müssen die Kontaktdaten der Gäste erfassen, zum Beispiel über die Luca-App. Bei Veranstaltungen im Freien wird, wo kein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden kann, das Tragen von Masken empfohlen. Verpflichtend ist das drinnen in „Gedrängesituationen“, also beim Einlass, in Warteschlagen und auf dem Weg zum Platz. Für den Getränkeausschank gibt es weitere Auflagen. „Feiern in Festzelten sind möglich, wenn eine umfassende und regelmäßig Durchlüftung durch offengehaltene Seitenwände gewährleistet wird“, sagt Kreis-Pressesprecher Pelle Faust. Zu Veranstaltungen, die ab dem 20. August geplant sind, kann das Gesundheitsamt allerdings noch keine Aussagen treffen. Dann gibt es neue Auflagen, die auf Landes- und Bundesebene entschieden werden.

Lispenhausen (9. Oktober): „Es wird keine Kirmes in dem Sinne geben“, sagt Manuel Bachmann vom SC Lispenhausen. Nicht verzichten müssen die Lispenhäuser aber auf das Ständchenspielen am Samstag. Dafür sind auch schon drei Kapellen gebucht, berichtet Bachmann. Die Bürger können sich an der Haustür ein Lied wünschen und anstoßen, mit eigenen Gläsern. Organisiert wird das von der Kirmes-AG, zu der neben dem SCL auch die TG 08, die Jungen Hirsche und die Schützen gehören.

Weiterode (14. bis 18. Oktober): Von einem ausführlichen Alternativprogramm berichtet Anika Koch aus dem Weiteröder Festausschuss. Alles sei so geplant, dass es auch bei verschärften Corona-Maßnahmen möglich wäre. Der Heimatabend findet digital statt: Sketche, Tänze und Musikbeiträge werden per Video aufgenommen und vom Festausschuss zusammengeschnitten. Das Ergebnis gibt’s dann auf USB-Sticks oder auf Youtube. „So kann man sich den Heimatabend zum üblichen Termin zu Hause anschauen“, sagt Koch. Bei der Fleischerei Holzhauer kann man sich ein Care-Paket für den Heimatabend kaufen. Der Lampionumzug am Freitag soll, anders als im Vorjahr, wieder stattfinden, damit es auch für die Kinder „Kirmes-Feeling“ gibt, erklärt Koch. Etwas abgespeckt wurde im vergangenen Jahr das Ständchenspielen am Samstag – dieses Jahr soll es wieder in gewohnter Form stattfinden. Auch mit einem Glas Schnaps an der Haustür. Die Gläser sollten die Weiteröder selbst parat haben. Einen offiziellen Festzug gibt es nicht. Allerdings hatten sich im vergangenen Jahr viele Gruppen spontan an den üblichen Stellen versammelt und seien um 14 Uhr dann losgezogen. Die Angebote des Festausschusses sind aber sämtlich für Zuhause gedacht. Dazu könnte auch ein Musikstream mit Ben H. aus der Kajüte gehören, das steht noch nicht genau fest. Das Katerfrühstück für Zuhause am Montag kann man sich bei der Linde vorbestellen und die Landbäckerei Däche bietet Kirmeskuchen an. In vollem Umfang erscheint die Festzeitschrift.

Gerne veröffentlichen wir von allen Kirmessen, nicht nur den vier hier genannten, im Vorfeld der Veranstaltung das Programm – auch wenn es eine abgespeckte Version ist. Schicken Sie dafür eine E-Mail an rotenburg@hna.de. (Christopher Ziermann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.