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80 Kilometer vor dem Ziel: Radtour von Sofia (6) aus Bebra zur Reha-Klinik abgebrochen

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Von: Sebastian Schaffner, Clemens Herwig

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Sind vor einer Woche mit dem Rad zur Reha-Klinik aufgebrochen: Tochter Sofia (links) und Vater Enrico Wübbold, hier kurz nach dem Start in Bebra. Die ungewöhnliche Radtour hat nun in Bad Lippspringe ihr jähes Ende gefunden.
Sind vor einer Woche mit dem Rad zur Reha-Klinik aufgebrochen: Tochter Sofia (links) und Vater Enrico Wübbold, hier kurz nach dem Start in Bebra. Die ungewöhnliche Radtour hat nun in Bad Lippspringe ihr jähes Ende gefunden. © Clemens Herwig

Die Radtour der sechsjährigen Sofia aus Bebra ist früher beendet als geplant. In Bad Lippspringe sei seiner Tochter die Puste ausgegangen, berichtet Vater Enrico Wübbold per Telefon.

Bebra/Bad Lippspringe - „Und das war von vornherein klar: Wenn Sofia sagt, sie möchte nicht mehr, dann beenden wir das sofort.“

Das Mädchen benötigt eine Sprachtherapie. Um zur Spezialklinik im über 220 Kilometer entfernten Bissendorf (Niedersachsen) zu gelangen, hatte ihr Vater eine neuntägige Fahrradtour geplant. Ein ehrgeiziges Unterfangen, wie sich im Laufe der Reise herausstellen sollte. Los ging es am vergangenen Montag, kalkuliert war ein Tagesschnitt von 30 Kilometern, übernachten wollten die beiden jeweils im Zelt.

Technische Defekte und die Hitze machten dem Vater-Tochter-Gespann aber immer wieder zu schaffen. Über die Landkreisgrenzen hinaus sprangen jedoch, wie berichtet, immer wieder Helfer in die Bresche, um den beiden bei ihrer ungewöhnlichen Tour zu helfen. Auch Teile der Ausrüstung und das Rad für Sofia haben sie großzügigen Spendern zu verdanken. Sofias Eltern haben einen Schwerbehindertenausweis und leben von Hartz 4.

Radtour von Vater und Tochter zur Reha-Klinik - „Bereuen keinen Kilometer“

Von ihrem jetzigen Standort, dem 15.000-Einwohner-Städtchen Bad Lippspringe am Rande des Teutoburger Waldes, wären es noch rund 80 Kilometer bis zur Klinik mit dem Rad gewesen. Sind die beiden jetzt enttäuscht? „Nein, wir bereuen keinen Kilometer“, sagt der 50-Jährige.

Die Reha soll am morgigen Mittwoch beginnen. „Ob wir das jetzt noch pünktlich schaffen, weiß ich nicht“, sagt Enrico Wübbold. „Ich arbeite jetzt in Ruhe die Liste der Menschen ab, die auch dank der Berichterstattung ihre Hilfe angeboten hatten. Bislang habe ich zwar leider nur Absagen bekommen, aber ich hoffe, dass die Leute zu ihrem Wort stehen.“ Er wolle sich aber keinen Stress machen. „Sofia ist gut drauf, sie spricht viel. Das ist die Hauptsache.“ Und im Zweifel wolle er in der Klinik anrufen und fragen, ob sie ein paar Tage später kommen könnten.

Für die Rückfahrt von der Reha-Klinik werden noch Helfer gesucht

Mit dem Zug die letzten Kilometer zu fahren, möchte Enrico Wübbold möglichst vermeiden. Durch das Neun-Euro-Ticket und die Ferienzeit befürchtet er volle Züge – nicht ideal für seine scheue Tochter, die oft nur über einen Sprachcomputer kommuniziert. Zumindest das Gepäck für die Klinik ist mit dem Zug vorausgefahren.

Und wie kommen die beiden nach der vierwöchigen Reha zurück? Vater und Tochter hoffen, dass sie jemand bis nach Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) mitnimmt. „Von dort aus wollen wir mit dem Rad wieder selbst nach Hause fahren und zelten“, sagt er. „Das ist Sofia ganz wichtig.“

Diese Strecke kennen sie ja jetzt auch. Erkenntnisse vom Hinweg will Vater Wübbold in seine Rückfahrtplanungen einfließen lassen. Unter anderem hatte er die Steigungen unterschätzt, wie er einräumt: „Da gibt’s ein paar ganz schön heftige Berge, die uns viel mehr Zeit und Kraft gekostet haben, als gedacht.“ (Sebastian Schaffner und Clemens Herwig)

Kontakt: Enrico Wübbold, Tel. 0 15 77/7 24 47 79.

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