Auch Kommunen ächzen unter den Baukosten

Jetzt sind es 26 Millionen Euro: Kosten für B83-Brücke bei Bebra sind explodiert

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Ausgelastete Firmen und wenig Konkurrenzangebote: Gerade im Brückenbau mache sich die Preissteigerung bemerkbar, heißt es von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Die Kosten für den geplanten Brückenabriss samt -neubau über die Bahnanlagen zwischen Bebra und Lispenhausen sind auf 26 Millionen Euro gestiegen - und haben sich damit mehr als verdoppelt.

Der Brückenneubau über die Bahnanlagen an der B83 zwischen Bebra und Lispenhausen wird wohl mehr als doppelt so teuer. Finanzier ist der Bund - und damit der Steuerzahler. 

Statt wie ursprünglich vorgesehen rund zwölf Millionen Euro sollen die Gesamtkosten inklusive Neubau der Umgehung nun 26 Millionen Euro betragen. Was private Häuslebauer in den Ruin treiben würde, schluckt der Bund als Financier. Die Kosten für den Neubau teilen sich Bund und Bahn – hinter der ja auch der Bund steckt. 

Im Grunde geht es um Geld des Steuerzahlers. Wie kommt es zu dieser exorbitanten Preissteigerung? Peter Wöbbeking, Regionalbevollmächtigeter der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, nennt das „eine Frage des Marktes“. Es gebe wenig Angebote bei Ausschreibungen, kaum eine Konkurrenzsituation, deshalb könnten die Unternehmen solche Preise anbieten – trotz europaweiter Ausschreibung. Noch nie habe ein ausländisches Unternehmen für Projekte in Hessen ein Angebot abgegeben, erklärt Wöbbeking. 

Preissteigerung macht sich besonders im Brückenbau bemerkbar

Besonders im Brückenbau sei diese Preissteigerung festzustellen, im normalen Straßenbau falle sie geringer aus. „Bundesweit sind sehr viele Brücken zu sanieren. Sie sind alle etwa 50 Jahre alt, deshalb sind die Firmen gut ausgelastet“, sagt der Regionalbevollmächtigte weiter. 

Aufgrund des Fachkräftemangels könnten die Unternehmen auch nicht beliebig aufstocken und weitere Aufträge annehmen. Aufschieben könne man die Brückensanierung in der Regel nicht, gerade auch nicht die zwischen Bebra und Lispenhausen. Zu Ostern soll die alte Brücke abgerissen werden. 

Über Kostensteigerungen im Bauwesen stöhnen auch die Kommunen und Zweckverbände. Achim Großkurth, Vorsitzender des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Hersfeld-Rotenburg, berichtet, dass Ausschreibungen aufgehoben und Projekte, soweit möglich, verschoben werden mussten. Über 40 Prozent Kostensteigerung gegenüber der Planung seien vorgekommen.

Bauhandwerks-Innung: Hohe Löhne und Abfallentsorgung sorgen für Kosten

Mark Baumgardt, Obermeister der Bauhandwerks-Innung Hersfeld-Rotenburg, nennt gestiegene Kosten und Arbeitskräftemangel sowie überbordende Bürokratie als Gründe für die Preissteigerungen. In den vergangenen sechs Jahren seien die Löhne um 30 Prozent gesteigen. Die Abfallentsorgungskosten im Bau seien um 700 Prozent gestiegen: Was früher Bauschutt gewesen sei, müsse heute als Sondermüll entsorgt werde, erklärt er weiter.

Die Kommunen im Kreis leiden unter den Baukosten

Bauen ist in den vergangenen zwei bis drei Jahren richtig teuer geworden. Das musste man auch in den Rathäusern im Landkreis registrieren. Bebras Bürgermeister Uwe Hassel will sich nicht auf eine Prozentzahl festlegen, spricht aber von einer galoppierenden Steigerung. Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth geht von etwa 30 Prozent aus.

Neuer Weg: Die Stadt Rotenburg hat den Neubau des Feuerwehrgerätehauses an einen Generalunternehmer zum Festpreis vergeben. Diese Lösung halten viele Kommunen nur in Ausnahmefällen für machbar.

Stephan Heckeroth, Leiter des Baumanagements im Verwaltungszweckverband Alheimer (Alheim und Rotenburg), nennt eine Steigerung gegenüber der Planung zwischen 20 und 45 Prozent. Er habe aber inzwischen eine leichte Beruhigung des Marktes registriert. 

Maik Ebert, Pressesprecher der Stadt Bad Hersfeld, sagt, bei kleineren Summen könnten durchaus schon mal die doppelten Baukosten gegenüber der Planung erreicht werden. Bei größeren Projekten haben man schon sechsstellige Summen nachlegen müssen.

Zwischen Kostenschätzung und Ausschreibung liegen Monate

Haunetals Bürgermeister Gerd Lang fasst das Problem der Kommunen zusammen unter dem Stichwort „Zeitfaktor“. Kosten würden für die Aufstellung des Haushaltsplans geschätzt. Bis die Genehmigung des Haushaltsplanes vorliege und mit der eigentlichen Umsetzung, sprich Ausschreibung, begonnen werden könne, vergingen einige Monate.

Besonders bei Projekten, die öffentlich gefördert werden, liege zwischen der ersten Kostenschätzung und der eigentlichen Ausschreibung mindestens ein Jahr. Das bedeute, dass man die Kostensteigerung im Prinzip schon für etwa eineinhalb Jahre berücksichtigen müsse. 

Maik Ebert ergänzt: Wenn der Haushalt erst später im Jahr vorgelegt und verabschiedet werde, lande man bei „Mondpreisen“, wenn Projekte unbedingt noch im selben Jahr durchgezogen werden müssen.

Kommunen haben kaum Chancen, die "Mondpreise" zu umgehen

Wehren können sich die Kommunen nicht gegen die Preissteigerungen. Zur Begründung nennen die Unternehmen in der Regel gestiegene Kosten für Lohn, Material und auch Maut. „Die Baufirmen haben volle Auftragsbücher und können entsprechend höhere Preise fordern“, sagt Heringens Bürgermeister Daniel Iliev.

Den Kommunen bleibt, Aufträge zu streichen oder sie zu verschieben. Wenn existenzielle Fragen berührt werden, also Infrastruktur zu zerbrechen droht, müssen alle Auftraggeber in den sauren Apfel beißen und eben „Mondpreise“ bezahlen.

Bebras Bürgermeister Hassl würde es bevorzugen, nicht dringende Projekte aufzuschieben und erst dann Aufträge zu vergeben, wenn sich die Konjunktur abgekühlt hat – antizyklisches Verhalten könnte auch den Baufirmen in wirtschaftlich schwachen Zeiten helfen.

Bauhandwerk leidet unter Bürokratie und Fachkräftemangel

Mark Baumgardt, der Obermeister des Bauhandwerks der Innung Hersfeld-Rotenburg, sieht den Schwarzen Peter für hohe Preise nicht bei den Bauunternehmen. Eine entscheidende Rolle spiele auch hier der Fachkräftemangel, sagt er. Mitarbeiter seien durch den engen Arbeitsplan stark belastet. Denen müsse man durch ein entsprechendes Gehalt einen Anreiz geben, in der Branche zu bleiben. 

Baumgardt kritisiert, dass Jugendliche auch in den Schulen zu höheren Abschlüssen gedrängt würden, statt sie ins Handwerk zu empfehlen. Für Weiterbildung könnten sie sich auch nach der Ausbildung noch entscheiden. Außerdem – ganz anderes, aber wichtiges Thema: Viele Bewerber um Ausbildungsplätze seien gar nicht ausbildungsreif. Auch hier sieht Baumgardt die Schulen in der Pflicht. 

Der Obermeister kritisiert auch die wachsende Bürokratie, die teure Zeit erfordere: „Früher habe ich für ein Angebot zwei bis drei Stunden gebraucht. Heute dauert es einen Tag.“ Die Unternehmen müssten Zertifikate und Referenzen beibringen und viele Vorgaben erfüllen. Außerdem gebe es ständig neue Verordnungen seitens der Verwaltungen, deren Umsetzung Zeit und Geld kostet.

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