Inselgebäude-Sanierung wird für Stadt mehr als doppelt so teuer

Kostenexplosion am Bebraer Bahnhof

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Immer wieder teure Überraschungen: Pilzbefall und Feuchtigkeitsschäden und zahlreiche weitere Probleme machen die Sanierung des Bebraer Inselgebäudes dramatisch teurer, als geplant.

Die Sanierung des Inselgebäudes am Bahnhof Bebra wird deutlich teurer: Derzeit gehen die Planer von Kosten in Höhe von 8,9 Millionen Euro aus. Veranschlagt waren 5,7 Millionen Euro.

Gründe für die Kostenexplosion: Das bald 150 Jahre alte Inselgebäude ist in deutlich schlechterem Zustand als angenommen. Hinzu komme die Preissteigerung im Baugewerbe. Jetzt soll das Parlament entscheiden, ob das denkmalgeschützte Bauwerk komplett saniert wird – oder ob es bei einem Teilausbau bleibt.

„Wir haben bei dem Gebäude ständig mit Überraschungen zu kämpfen“, sagte Bauleiter Chris Heinemann bei der Präsentation für die Ausschüsse im Bebraer Rathaus. Viele Probleme seien erst während der Arbeiten aufgetaucht. Als Beispiel nennt Projektsteuerer Harry Jost eine aufwendige Asbestentsorgung mit Zusatzkosten von rund 350 000 Euro. Nachträglich im Gebäude eingezogene Stahlträger, die bei der Begutachtung im Vorfeld nicht gefunden wurden, waren verseucht. „Der Eindruck, es wurden keine umfassenden Bestandsaufnahmen gemacht, ist falsch“, so Jost. Spezialisten hätten das Gebäude untersucht, aber keine Chance gehabt, die versteckten Schäden zu entdecken.

Für die Zukunft des Projektes sehen die Planer zwei Alternativen. Zum einen den bisher angestrebten Vollausbau, der nach derzeitigem Stand etwa 8,9 Millionen Euro kostet – 2,5 Millionen Euro davon trägt die Stadt (siehe Hintergrund). Die zweite Möglichkeit: der Südkopf des Inselgebäudes wird zunächst nur so weit saniert, dass die Förderung nicht gefährdet wird. Die Gesamtkosten des Projekts würden auf 7,7 Millionen Euro sinken.

Damit entfiele die Möglichkeit, den Gebäudeteil zu vermieten – Interessent ist der VR-Bankverein, der dort ein Gründerzentrum errichten will. Auch die geplante Ausstellung „Grenzbahnhof Bebra“ müsste schrumpfen. Zudem koste eine spätere Sanierung etwa 1,6 Millionen Euro, eine Förderung sei fraglich. „Das ist eine Hypothek für Sie“, sagte Jost. Die Stadt spare zunächst Geld, um in einigen Jahren draufzulegen.

„Allen Gremienvertretern muss von Anfang an klar gewesen sein, dass bei einer geschenkten Immobilie dieses Alters weitere erhebliche Kosten zu veranschlagen sind, wenn Komplikationen auftreten“, sagt Bürgermeister Uwe Hassl. Eine Elbphilharmonie könne Bebra nicht stemmen, „aber der historische Bahnhof sollte uns diese Mehrkosten Wert sein“.

So haben sich die Kosten entwickelt

Bei einer ersten groben Schätzung aus 2014 sollte der Vollausbau 3,1 Millionen Euro kosten. Im April 2018 ging der Generalplaner Waldhelm aus Jena von 5,7 Millionen Euro aus. Bund und Land fördern mit den Programmen Nationale Projekte des Städtebaus (2,4 Millionen Euro) und Verkehrsinfrastrukturförderung GVFG/FAG (bisher 2,45 Millionen, jetzt bis zu 4 Millionen Euro). Der Anteil der Stadt steigt von 900 000 auf 2,5 Millionen (Vollausbau) oder 1,7 Millionen Euro.

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