Kulturzug präsentierte Chansonabend mit Ursula Fiedler und Eva Gerlach

Sorgten an Muttertag für gute Stimmung: Die Wiener Sopranistin und Violinistin Ursula Fiedler, links im Bild, und die Rotenburger Pianistin Eva Gerlach präsentierten beim Kulturzug Bebra ein Chanson-Programm, das die Liebe zum Thema hatte. Foto: Apel

Bebra. Kulturzug-Fans mögen die Wiener Sopranistin und Violinistin Ursula Fiedler und die Rotenburger Pianistin Eva Gerlach schon lange.

Am Muttertag gastierten Beide einmal mehr im Alten Rathaus der Eisenbahnerstadt.

„Wie kommt der Lippenstift in Lehmanns Unterbett?“ ist ihr heiterer, vor ausverkauftem Haus stattfindender Chansonabend überschrieben, und das deutet einigermaßen deutlich an, dass es um die Liebe geht. „Kann denn Liebe Sünde sein?“, fragt Ursula Fiedler charmant, und allen ist klar, dass das nicht der Fall ist. Auch wenn das Ganze, wie in der „Bechstein-Serenade“, schmerzhaft endet: Das verliebte, den Filz eines Bechstein-Flügels auffressende Mottenmännchen, das gerade gelernt hat, dass man den Musikgeschmack des Frauchens akzeptieren sollte, wird auf tragische Weise vom „F“ zerquetscht.

Es folgt ein von Max Rabe bekanntes Werk, das sich mit dem lohnenden Klonen des Geliebten beschäftigt: „Verlässt du mich, klon ich dich, ich hab dein Duplikat, du bleibst mir erspart!“, und die „Kleine Nachtmusik“ von Georg Kreisler. Mit ihr macht sich der Wiener Humorist über die feine Konzertgesellschaft lustig und Ursula Fiedler interpretiert ihn meisterhaft. Überaus vergnüglich schlüpft sie dann in die Rolle der nicht mehr ganz so jungen Frau, die der Jugend das Leben neidet: „Ich möchte so gern ein Teenager sein!“ Statt klassischer Canzones steht sie auf Rolling Stones, träumt sie von „Viertel-Sieben-Sex“ mit jungen Burschen, um dann aber doch zur Erkenntnis zu gelangen, dass sie wohl eher ein „Doppel-Teenager“ ist. Sehr zum Vergnügen des Publikums, das begeistert Beifall spendet.

Im zweiten Teil des Abends bekommen die liebe Verwandtschaft und das zumindest in Wien notorisch morbide Krankenkassenwesen ihr Fett weg. Gekonnt bezieht die Protagonistin des Abends den „unglücklicherweise“ in der ersten Reihe sitzenden Herbert Schmidt in ihren Auftritt mit ein und haucht ihm ein „Alois, du hast so etwas Erotisches!“ entgegen. Aber sie ist auch Meisterin im Geigespielen, und deshalb erntet sie für den kongenial mit Eva Gerlach interpretierten „Czardas“ von Vittorio Monti Bravo-Rufe. Zugabe-Rufe folgen nach dem ersten Abschiedslied, und dann ist tatsächlich Schluss: „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen!“

Dem - in der Mehrzahl weiblichen - Publikum hat’s gefallen: „Es war schweißtreibend komisch, umwerfend, herrlich - eine wunderbare Frischzellenkur“, und Eva Gerlach, die Ursula Fiedler seit bald 30 Jahren kennt, resümiert: „Wir haben unseren Spaß gehabt!“ Dem Kulturzug sei Dank, hoffentlich bald wieder - in der nächsten Saison.

Von Wilfried Apel

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