Keine Probleme mit Diskriminierung

Lesbisches Paar aus Bad Hersfeld: "Einfach locker sein"

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Sie fühlen sich wohl in Bad Hersfeld: Bettina Sinemus (links) und Anja Ansorge. Diskriminierung und Vorbehalte erleben sie nicht.

Bad Hersfeld/Iba. Die Sektkorken haben Bettina Sinemus und Anja Ansorge nicht knallen lassen, als der Bundestag vor drei Wochen die Ehe für alle beschlossen hat.

„Ehe ist doch nur ein Wort. Von den Menschen, mit denen wir zu tun haben, fühlen wir uns sowieso nicht diskriminiert. Aber es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Politiker jetzt endlich auch so weit sind“, sagt Bettina Sinemus. Die 37-Jährige aus Iba lebt gemeinsam mit ihrer Partnerin Anja Ansorge (39) in Bad Hersfeld.

Häufig zieht es gleichgeschlechtliche Paare in größere Städte, weil die Akzeptanz für Homosexualität dort höher ist – das ist von verschiedenen Studien belegt worden. Bettina Sinemus und Anja Ansorge betonen aber, dass sie in Bad Hersfeld keine negativen Erfahrungen gemacht haben. „Wir sind einfach wie wir sind. Nach meinem Coming-out habe ich anfangs noch überlegt, wie ich mich mit meiner Freundin in der Öffentlichkeit verhalte. Das ist aber schon lange nicht mehr so“, sagt Bettina Sinemus. Man werde allerdings schon manchmal komisch angeguckt, sagt ihre Partnerin. „Gerede gibt es wahrscheinlich auch. Aber das gibt es auch, wenn sich jemand die Haare bunt färbt.“ Und wenn man die richtige Partnerin habe, könne einem das sowieso egal sein, sagen die beiden und lächeln sich an.

An die Minderheit, die immer noch Vorbehalte gegen gleichgeschlechtliche Paare hat, möchte Bettina Sinemus appellieren: „Leute, seid einfach offen und locker und habt Respekt. Wir tun niemandem was. Wir gehen genauso zur Arbeit und waschen zu Hause unsere Wäsche oder kochen uns was wie jeder andere auch.“

Die Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Liebe sei in den vergangenen zehn bis 15 Jahren deutlich gestiegen, sind sich die beiden einig. Aber: „Männer haben es allgemein immer noch schwerer“, sagt Anja Ansorge. Und in kleinen Dörfern mit wenigen hundert Einwohnern sei die Bevölkerung mitunter noch nicht so offen. Auch unter älteren Menschen gebe es mehr Vorbehalte. Die fänden Homosexualität zum Teil gruselig. „Mit unseren eigenen Großeltern gibt es da aber überhaupt keine Probleme.“

Es gibt etwas zu feiern

Und übrigens auch nicht in Iba, dem Heimatdorf von Bettina Sinemus. „Meine Bekannten dort haben mich alle gefragt, ob sie für heute Kuchen backen sollen“, sagt die 37-Jährige. Denn es gibt etwas zu feiern: Bettina Sinemus und Anja Ansorge geben sich heute vor dem Bad Hersfelder Standesamt das Ja-Wort – für eine eingetragene Lebenspartnerschaft. „Sobald eine Umschreibung zur Ehe möglich ist, machen wir das“, sagt das Paar.

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