Neues Graffiti zum Kirmeswochenende ohne Kirmes

Liebeserklärung an Weiterode aus der Dose

Das Bild zeigt Jeanette Rehs vor dem bunten Graffiti. Vor sich hält sie eine Mund-Nase-Maske auf der I love Weiterode steht.
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Graffiti-Künstler respektieren das Werk anderer Sprayer. Das heißt: Was einmal an der Wand ist, wird nicht einfach übersprüht. „In diesem Fall konnten sie guten Gewissens eine Ausnahme machen“, sagt Janette Rehs über die ehemalige Schmuddelecke am Posten 80.

Lange war der sogenannte Posten 80 eine Schmuddelecke mit wilden Sprühmotiven. Jetzt schmückt die Wand der Eisenbahnbrücke in Weiterode ein buntes Graffiti.

Weiterode - Schon vorher war die Brückenwand mit Graffiti besprüht, diesmal jedoch aus der Spraydose von Profis. Neben der Linde, dem Kirmesfestzelt, der Kirche und dem Kräutergarten im Weiteröder Schienendreieck zeigt das Kunstwerk auch das Maskottchen des Bebraer Ortsteils: den Stripper.

Die Weiteröder sind bekannt für ihren Lokalpatriotismus: Es gibt T-Shirts und Corona-Masken mit der Aufschrift „I love Weiterode“, einen Regenschirm, einen Leinenbeutel. Das Kunstwerk auf der Brückenwand aus Beton mit Motiven aus dem Bebraer Stadtteil ist da nur der nächste logische Schritt – selbst wenn es die Vereinsgemeinschaft den Gegenwert eines „soliden E-Bikes“ gekostet hat, wie Janette Rehs sagt. Die leidenschaftliche Weiteröderin ist die treibende Kraft hinter dem Graffiti. „Zu sehen ist vieles, was Weiterode ausmacht“, sagt sie.

Bereits vor drei Jahren hatte Rehs die Idee, die „Anfängerwerke“ durch echte Kunst zu ersetzen. Der erste Kontakt zu einem Sprayer verlief allerdings im Sand, nachdem der Posten 80 für neue Lärmschutzwände und eine Fluchttreppe zur Baustelle wurde. Dass es jetzt mit dem Verein Urbane Experimente aus Kassel geklappt hat, ist glückliches Timing: Die plötzlich bunte Wand war eine Überraschung am Kirmeswochenende ohne Kirmes – in Weiterode übrigens ein Grund, Trauer zu tragen.

Fast den gesamten Kirmes-samstag haben die Künstler an dem Graffiti gearbeitet, regen Publikumsverkehr und ein Beinahe-Polizeieinsatz inklusive. Eine ältere Weiteröderin hatte beim Vorbeifahren mit dem Auto ein gewisses Misstrauen entwickelt, weil fremde Herren unter der Brücke eine Wand besprühten – ließ sich aber doch noch von der Rechtmäßigkeit der Aktion überzeugen. Die Genehmigung, die Wand zu verschönern, hatte die Bahn bereits vor drei Jahren erteilt und nun erneuert, sagt Rehs: „Das war völlig unkompliziert.“

Das Graffiti basiert auf einem groben Entwurf von ihr (siehe Foto). Vielleicht ist es so zu erklären, dass das Weiteröder Kirmeszelt größer ist als die Kirche. „Fairerweise muss man sagen: Die Kirmes hat auch mehr Besucher als der Gottesdienst“, sagt Janette Rehs mit einem Grinsen. Möglicherweise ist der Posten 80 nicht das letzte Graffiti-Projekt: Rehs würde gern über ein Förderprogramm, bei dem dann auch Kinder mitarbeiten können, weitere Brücken in Weiterode schmücken: „Davon haben wir ja genug“, sagt sie.

Von Clemens Herwig

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