Theaterscheune begeistert

Spielfreude pur: Lüdersdorfer Kirmestheater kommt stark aus der Corona-Zwangspause

Inkasso-Hasso ist nicht zimperlich: Der rabiate Geldeintreiber (Stefanie Koch) versteht nur die Körpersprache und setzt den armen Felix (Jens Trieschmann) ganz schön unter Druck.
+
Inkasso-Hasso ist nicht zimperlich: Der rabiate Geldeintreiber (Stefanie Koch) versteht nur die Körpersprache und setzt den armen Felix (Jens Trieschmann) ganz schön unter Druck.

Minutenlang applaudierte das Publikum und war froh, endlich andere Muskeln bewegen zu dürfen als die Lachmuskeln. Die waren beim Lüdersdorfer Kirmestheater überstrapaziert worden.

Lüdersdorf – Die Theaterscheune war nach langer Corona-Zwangspause wieder voll in ihrem Element. An drei vor Abenden spielte sich die muntere Gruppe in der Lüdertalhalle schnell erneut in die Herzen ihrer Fangemeinde. In der Komödie „Die zwei längsten Stunden seines Lebens“ aus der Feder von Bernd Kietzke ging es wie gewohnt turbulent zu. Zwölf Darsteller, drei Akte, ungebremste Spielfreude und Gags am laufenden Band – so ist man das in Lüdersdorf gewohnt.

Ehen am Scheidepunkt: Während es für Ehepaar Sauffen dank der Haschkekse wieder prickelt, ist der Mann der Vermieterin nur noch genervt. Richtig gut läuft es auch noch nicht beim Vater des arbeitsscheuen Felix. Von links: Joachim Koch, Jens Trieschmann, Nikolas Schade, Johanna Kopetzky und Stefan Trieschmann.

Im Stück ging es um den arbeitsunwilligen Felix (herrlich lässig und genervt: Jens Trieschmann), der in den besagten zwei Stunden ziemlich ungeladene Gäste empfängt. Zum Beispiel seine stets angesäuselte Vermieterin Angela Häuser (mit entspanntem Charme: Peggy Schmidt), die außer Alkohol noch die Miete von Felix kassieren möchte. Ihr Ehemann Jörg (überzeugend zerrissen: Joachim Koch) ist verzweifelt auf der Suche nach ihr und dem Sinn der Ehe. Geld wollen auch Inkasso Hasso (wunderbar verwegen: Stefanie Koch), Gerichtsvollzieherin Isabell Pein (so gründlich muss man erst mal sein: Louisa Treuberg) und Trude, die Besitzerin einer Getränkebude (im schönen Lüdersdorfer Platt und glaubwürdig abgebrüht: Jutta Flechsenhar).

Dann kommen die Eltern der angeblichen neuen Freundin auf die Bühne, die einen Zug verpasst haben und das neue Milieu der Tochter kennenlernen wollen. Stefan Trieschmann und Johanna Kopetzky waren diese Rollen als Ehepaar Sauffen auf den Leib geschrieben – zwischen Ehe-Frustration und Begierde war alles drin. Auch die Eltern des mittlerweile bemitleidenswerten Felix tauchten auf: Nikolas Schade und Laura Knierim gelang es, das Komische in vielen Facetten einzufangen. Letztendlich war da Nina, die durchgeknallte Stalkerin. Lilly Flechsenhar spielte diese Rolle der dümmlich-naiven, aber irgendwie auch selbstbewussten Frau bravourös.

Viel Szenen- und ein großartiger Schlussapplaus

Breiti, mit bürgerlichem Namen Max, brachte als Freund von Felix die Haschkekse ins Spiel, die am Ende alle Ehepaare glücklich machten. Ein sehr cooler Marius Schade war da die vollkommen richtige Besetzung. Natürlich war das Happy End vorprogrammiert, wie es sich für Komödien so gehört. Und es gab, dank Inkasso Hasso und Isabell Pein, sogar eine Jobaussicht für die arbeitsscheuen Freunde Felix und Breiti-Max.

Es waren großartige Laiendarsteller am Werk, die keinen Kalauer ausließen und sich selbst manchmal nicht einkriegen konnten vor Lachen bei einer Pointe. So soll Amateurtheater sein. Die Zuschauer hatten großen Spaß mit den oft überraschenden Witzen und Slapstick-Dialogen. Mit viel Szenen- und einem großartigen Schlussapplaus bedankte sich das Publikum bei den außerordentlich spielfreudigen und engagierten Darstellern. (Susanne Kanngieser)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.