Zwischen Meckbach und Blankenheim

Fuldawiesen sind Paradies für Laubfrösche: Derzeit entstehen zwei weitere Laichtümpel

In den Fuldawiesen zwischen Meckbach und Blankenheim treffen mehrere Naturschutzgebiete zusammen. Unser Foto zeigt den Blick über einen bestehenden Laubfroschtümpel in Richtung Ludwigsau.
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In den Fuldawiesen zwischen Meckbach und Blankenheim treffen mehrere Naturschutzgebiete zusammen. Unser Foto zeigt den Blick über einen bestehenden Laubfroschtümpel in Richtung Ludwigsau.

Zum Jahrtausendwechsel war der Laubfrosch in Hersfeld-Rotenburg beinahe ausgestorben: nicht mehr als 60 männliche Exemplare lebten noch im Kreis.

Blankenheim/Meckbach – Das letzte Refugium der Amphibien im Landkreis damals: die Wildecker Kieswerke in Obersuhl. Mittlerweile hat sich die Population stabilisiert – auch durch den unermüdlichen Einsatz von Naturschützern. In den Fuldawiesen entsteht seit sieben Jahren ein regelrechtes Paradies für die Tiere. Derzeit werden zwei weitere Laichtümpel für Laubfrösche angelegt und der Krollsbach umgeleitet. Auftraggeber des 200.000 Euro schweren Projektes ist die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal (NGMF).

Die Bezeichnung Fuldawiesen wird dem besonderen Fleck Natur kaum gerecht: Zwischen Blankenheim und Meckbach treffen ein Landschafts- und ein Vogelschutzgebiet sowie eine FFH-Fläche zusammen. Die „Wiesen“ sind Natura-2000-Schutzgebiet und werden bei Hochwasser regelmäßig überspült – Resultat sind sogenannte Feuchtwiesen mit ihren Besonderheiten.

Diese Voraussetzungen wurden bereits für ein gutes Dutzend Laubfroschtümpel genutzt. Mit Erfolg: Im Fuldatal gibt es wieder knapp 300 sogenannte Rufer – die Größe einer Laubfroschpopulation wird über die lärmenden Männchen während der Laichzeit bestimmt. Die Amphibien verteilen sich auf drei Teilpopulationen. Erreichen diese Gruppen eine Stärke von mehr als 200 laut quakender Männchen, sind sie auch in heißen Sommern und harten Wintern überlebensfähig. „Da sind wir ganz dicht dran“, sagt der zuständige Landschaftsplaner Heinrich Wacker aus Rotenburg.

Und deshalb bekommen die Störche neue Nachbarn. Unterhalb des hohen Nests für die Vögel an der Grenze zwischen Meckbach und Blankenheim wird derzeit das mit 2000 Quadratmetern größere von zwei Laubfroschlaichgewässern ausgehoben. Zuständig für die Erdarbeiten ist die Bebraer Firma Beisheim. Zunächst wurden Baumweiden gefällt und Wurzelstöcke sowie Strauchweiden gerodet. Der Bewuchs wurde nicht einfach entsorgt, sondern am Rand des künftigen Tümpels zu einem Totholzhaufen aufgeschichtet. Er soll als Winterquartier der Laubfrösche dienen.

Ebenfalls beseitigt werden müssen menschengemachte Hindernisse, denn der Tümpel entsteht auf einer ehemaligen Müllkippe. Beim Weg in die Tiefe – das Laubfroschrefugium soll rund einen Meter unter der Höhe des Fuldaufers liegen – taucht regelmäßig Bauschutt auf. Plastik, Badelatschen, Flaschen und alte Kochtöpfe landen in der Baggerschaufel. „Das hat man früher einfach so entsorgt“, stellt Wacker trocken fest.

Mit mehreren Baggern werden derzeit die Tümpel ausgehoben und ein neuer Bachlauf angelegt. Bei den Arbeiten tauchen immer wieder Überbleibsel einer ehemaligen Müllkippe auf – einige davon halten Karl-Heinz Both (links) und Matthias Hohmann von der NGMF und Planer Heinrich Wacker in die Kamera. Mit Klick auf das Symbol oben rechts ist das gesamte Bild zu sehen.

Als Wanderkorridor wichtig für die Amphibien ist auch der etwa 2,5 Kilometer lange Krollsbach. Er entspringt im Seulingswald und mündet im Naturschutzgebiet in die Fulda. Weil das schmale Gewässer an einem viel befahrenen Wirtschaftsweg liegt, komme es aber „häufiger zu Verlusten“, sagen Karl-Heinz Both und Matthias Hohmann von der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal. Der Bach soll daher auf 380 Metern einen neuen Verlauf nehmen und am kleineren Tümpel (1000 Quadratmeter) vorbei zur Fulda fließen. Dabei schlängelt sich das Gewässer durch die Wiesen und versorgt sie mit Wasser.

Die Projekte der NGMF werden aus dem Bund-Länder-Programm Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzs (Gak) finanziert. Sie sind zudem Teil des Konzepts „Nasse Wiese“ des Landkreises, mit dem die Fuldawiesen entwickelt werden sollen. Bis zum 18. Dezember sollen die Erdarbeiten fertig sein. Dann muss der Bauschutt entsorgt werden. Den Rest übernimmt die Natur.

Der Laubfrosch

Naturfreunde im Kreis bekommen Laubfrösche selten zu sehen: Die drei bis fünf Zentimeter großen Amphibien stehen als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste in Hessen. Derzeit gibt es rund 1000 Rufer im Kreis, überwiegend in der Obersuhler Aue und dem Naturschutzgebiet Rhäden. Zu erkennen sind sie an der leuchtend grünen Farbe und an ihrer lauten Stimme. In der Laichzeit von April bis Juni ist das Konzert der Männchen bis zu einen Kilometer weit zu hören. Erreicht werden Lautstärken von 90 Dezibel – so laut wie ein Kammerkonzert. Die Weibchen legen derweil jeweils bis zu 400 Eier. Laubfrösche benötigen einen komplexen Lebensraum: Tümpel für den Nachwuchs, artenreiche Wiesen für die Nahrung sowie Hecken und Gehölze als Sommerresidenz und Winterquartier. Wird es kalt, zieht es sie auch in angrenzende Waldgebiete.

Von Clemens Herwig

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