Bebra wartet auf die Bahn

Marode Brücke in Weiterode: Kosten für Neubau noch unklar

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Stehen vor einer langen Durststrecke: Die Weiteröder wollten mit ihrem Protest im Februar, der auch ein Kamerateam anlockte, die Brückensperrung verhindern. 

Die Fußgängerbrücke über die Bahngleise in Bebras größtem Ortsteil Weiterode ist seit Februar gesperrt – und wird das auch bleiben. 

Derzeit verhandeln Stadt und Bahn über einen Neubau des maroden Überwegs, eine zunächst noch angedachte Sanierung sei nicht wirtschaftlich und damit vom Tisch, sagt Uwe Hassl auf Anfrage unserer Zeitung. Derzeit sei bei den Verhandlungen die Bahn am Zug.

Die Sperrung der Brücke zwischen Alleestraße und Oststraße hatte im Frühjahr für Aufregung gesorgt. Die Bahn hatte sie aus Sicherheitsgründen kurzerhand mit Gittern unzugänglich gemacht. Die Ingenieure befürchteten etwa, dass sich durch Fußgänger marode Betonteile lösen und in das Gleisbett fallen könnten.

Die Weiteröder protestierten, auch das Fernsehen berichtete. Im Ortsteil ist die Brücke über die Gleise eine rege genutzte Abkürzung zum Ortskern, der Umweg durch die Sperrung rund 1,5 Kilometer lang. Bereits 2014 hatten die Weiteröder mit einer Unterschriftenaktion den Abriss der Brücke durch die Bahn verhindert, für die das marode Bauwerk keinen Nutzen mehr hat. Auch das Stadtparlament sprach sich im Februar dafür aus, den Fußgängerüberweg schnellstmöglich wieder verkehrstüchtig zu machen.

Seitdem ist es ruhig geworden um das Bauwerk, das voraussichtlich mindestens 90 Jahre alt ist. Der Stadt liege ein Vertragsentwurf vor, bei dem die Bahn die Abbruchkosten übernehmen würde, heißt es aus dem Rathaus. Bei den Kosten für Planung und Bau einer neuen Brücke müsste sich Bebra beteiligen – in welcher Höhe, stehe noch nicht fest. Weil die Bahn keinen Planungsauftrag erteilt hat und ohnehin lieber nur abreißen wolle, falle dem Unternehmen die Schätzung der voraussichtlichen Kosten schwer, so Hassl.

Also müsse ein Vergleichsbauwerk herangezogen werden oder eine Kostenschätzung erfolgen. Das sei Aufgabe der Planer der Bahn, die aber „nicht in die Gänge kommen“, sagt der Bürgermeister. Bei einer ersten Schätzung im Frühjahr waren die Kosten mit 350 000 Euro beziffert worden.

Ein Neubau sei frühestens ab 2023 realistisch und würde zwei Jahre dauern. Zunächst müsse geklärt werden, wie das Projekt finanziert wird. „Die Brücke würde, wenn überhaupt, durch die DB Netz geplant und gebaut“, so Hassl. Dafür benötige die Bahn allerdings einen maximalen Planungsvorlauf.

Für die Weiteröder sind das schlechte Nachrichten: Sie wollten mit ihrem Protest verhindern, dass mit den Gittern vor der Abkürzung auch ein Stück Lebensqualität weggesperrt wird. So wollte die CDU in der jüngsten Parlamentssitzung dann auch wissen, ob die Stadt die Zulässigkeit der Sperrung überprüft hat. Bei der Brücke handele es sich um eine Anlage der Bahn, sagt der Bürgermeister. „Wir sind nicht befugt, eine eigene Prüfung vorzunehmen, die im Übrigen auch keine Rechtsbindung gegenüber der Bahn entfalten würde.“ Der Weiteröder Ortsbeirat fordert nun, dass die Bahn schnellstmöglich eine Kostenschätzung vorlegt.

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