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Mehrfamilienhaus in Bebra ist nach Brand unbewohnbar

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Von: Clemens Herwig

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Großaufgebot mit 70 Einsatzkräften und drei Wehren: Die Brandschützer kämpften rund eineinhalb Stunden mit den Flammen. Bis etwa 6 Uhr spürten die Feuerwehrleute allerdings noch Glutnestern und Co. nach.
Großaufgebot mit 70 Einsatzkräften und drei Wehren: Die Brandschützer kämpften rund eineinhalb Stunden mit den Flammen. Bis etwa 6 Uhr spürten die Feuerwehrleute allerdings noch Glutnestern und Co. nach. © TV News Hessen

Am Donnerstagmittag riecht es in der Bahnhofstraße in Bebra immer noch nach Rauch. So ist es den Bewohnern des Hauses ergangen, dessen Dachstuhl am Mittwoch in Bebra gebrannt hat.

Bebra – Der Eingang zur Hausnummer 12, die einen Dönerladen und mehrere Mietswohnungen beherbergt, ist abgesperrt. „Polizei Hessen: Siegelmarke“ heißt es auf dem schmalen Streifen, der bei den Klingelschildern über der Haustür und dem Rahmen klebt.

Andreas Hoffmann steht an einem Bauzaun mit Flatterband und wartet auf die Krisensitzung, in der geklärt werden soll, wie es weitergeht. Der 34-Jährige ist einer der acht Bewohner des Gebäudes, die seit Mittwochnacht kein Dach mehr über dem Kopf haben – zumindest keines, das die Bezeichnung verdient. „Aus der Küche kann man in den Himmel gucken“, sagt der Bebraner.

Als die Flammen sich am späten Mittwochabend gegen 23 Uhr im Dachstuhl ausbreiten, ist Hoffmann gerade auf dem Weg ins Bett. Vom Feuer ist in der Wohnung zunächst nichts zu merken – es ist sein Mitbewohner, der als erstes Alarm schlägt, weil er einen lauten Knall vom Dach hört. „Dann hat es nach Grill gerochen. Mein erster Gedanke war: Was ist denn hier los?“, erinnert sich der Bebraner.

Währenddessen pochen die Nachbarn an die Wohnungstür und rufen: „Raus, raus!“ Mit einem Handtuch vor dem Gesicht flüchten die Bewohner durch den verrauchten Flur ins Freie.

Erst drei Stunden später kann Andreas Hoffmann kurz in seine Wohnung zurück und einige persönliche Sachen einsammeln. „Es ist nicht viel übrig. Was das Feuer nicht erledigt hat, hat dann das Wasser geschafft“, sagt der 34-Jährige. Das ist nicht als Vorwurf an die Feuerwehr zu verstehen: Die Bewohner sind den Helfern ausgesprochen dankbar.

Die Nacht verbringt Andreas Hoffmann bei seiner Lebensgefährtin Carmen Anders (23), die ebenfalls in der Kernstadt wohnt. Auch die anderen Mieter kommen für einige Stunden unruhigen Schlaf privat unter, so Bürgermeister Stefan Knoche, der schon während des Feuerwehreinsatzes vor Ort ist.

„Erst ging der Pieper, dann hat die Polizei angerufen“, erinnert sich der Rathauschef an den Auftakt seines nächtlichen Einsatzes. Weil das Haus unbewohnbar ist, sollen die Mieter nun zunächst ins Hotel ziehen, sagt Stefan Pruschwitz. Für den Geschäftsführer der Bebraer Stadtentwicklung ist es am Donnerstag ein raues Erwachen: Das Gebäude gehört der SEB, das Mittelgeschoss ist als Flüchtlingsunterkunft an den Landkreis vermietet.

„Ich bin einfach dankbar, dass die Nachbarn so aufmerksam waren und sich gegenseitig informiert haben“, sagt er. Es wirkt wie Ironie, dass die Stadtentwicklung gemeinsam mit der Feuerwehr mit einer Kampagne und öffentlichkeitswirksamen Wette für mehr Brandschützer in Bebra wirbt (wir berichteten) und in der Mittwochnacht selbst auf die Helfer angewiesen ist.

Kein Zugang: Der Zugang zum Gebäude ist derzeit abgesperrt, die Tür von der Polizei versiegelt.
Kein Zugang: Der Zugang zum Gebäude ist derzeit abgesperrt, die Tür von der Polizei versiegelt. © Clemens Herwig

Dafür, dass er noch am Donnerstag auf der Straße vor dem Mehrfamilienhaus die erste mündliche Kündigung bekommt, hat Pruschwitz Verständnis. Es wird eine Weile dauern, bis dass Gebäude wieder auf Vordermann gebracht wird. Am heutigen Freitag wird zunächst ein Gutachter den Schaden bewerten.

Er wird auch das Nachbarhaus unter die Lupe nehmen. In der Bahnhofstraße 10 hat vor allem das Löschwasser durchgedrückt, dass von der Drehleiter aus in das Dachgeschoss gepumpt worden ist. Auch eine Brandschutzmauer zwischen den Fachwerkhäusern hat wohl verhindert, dass die Flammen sich weiter ausbreiteten.

Im Arbeitszimmer von Monika Niebuhr schwimmt das Festnetztelefon in einer kleinen Wasserpfütze. Die 68-Jährige hat ebenfalls in der Nacht einen lauten Knall gehört – beim Blick aus dem Fenster spiegelten sich in der Dachrinne bereits die Flammen, sagt sie.

„Dann kam der Brandgeruch“. Niebuhr ruft die Feuerwehr, dann macht sie sich mit ihrem schwerkranken Mann Herbert (82) auf dem Weg vom zweiten Obergeschoss auf die Straße und klopft dabei alle Nachbarn wach. Das Ehepaar, das seit 28 Jahren in der Wohnung lebt, schläft in der Brandnacht auswärts bei der Tochter in Heinebach.

(Clemens Herwig)

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