Stadtarchivar Hans Möller wird 80 Jahre alt

Zwei Geburtstagskinder: Hans Möller mit dem Schüler Niklas Braun, der am Tag der Fotografie zehn Jahre alt wurde: Hans Möller hat ihm – wie zuvor vielen anderen Schülern – Rede und Antwort zur Stadtgeschichte gestanden, ihn bei der Suche nach Informationen und Fotos unterstützt. Niklas (10) war sehr interessiert, und das hat auch Möller begeistert. Für seine Arbeit zur Geschichte des Bahnhofs Bebra hat Niklas dann auch verdient eine gute Note bekommen. „Herr Möller ist allwissend über Bebra“, sagt der Zehnjährige. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Bebra . „Ich wollte dem Staat noch dienen", sagt Hans Möller im Rückblick.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand wollte er nicht die Hände in den Schoß legen. 22 Jahre bis Ende 2014 hat er das Stadtarchiv geleitet, und mit seinen am Dienstag genau 80 Jahren hat er selbst ein bedeutendes Stück Stadtgeschichte erlebt.

Die Eisenbahn spielte immer eine große Rolle in seinem Leben: So war Möller, der als Fernmeldetechniker bei der Bahn beschäftigt war, Gründungsmitglied des Vereins der Eisenbahnfreunde, und er gehörte zu den Initiatoren des Museums im 1988 sanierten Wasserturm.

Kein Lehrer oder Historiker

Dass Möller 1993 das Stadtarchiv von Rudi Eichhorn übernahm, hatte eine Vorgeschichte. Eichhorn, der Lehrer gewesen war, hatte zusammen mit Möller die Chronik zum Jubiläum 100 Jahre Eisenbahnerchor Germania geschrieben. Er ist selbst Mitglied der „Germanen“ und lange Jahre Kassenführer. Eichhorn hatte ihn dann als seinen Nachfolger vorgeschlagen, und Möller, obwohl kein Lehrer oder Historiker, übernahm gerne diese Aufgabe.

Auch für den Archivar Möller war die Bahn ein Schwerpunkt, aber auch die Unterstützung von Schülern war ihm stets ein großes Anliegen, und er freute sich, wenn die jungen Leute Interesse für die Vergangenheit zeigten.

Vielfältig war die Arbeit im Archiv. Die Zuarbeit mit Plänen und Unterlagen für die Stadtsanierung, Unterstützung beim Erstellen von Festschriften, bei der Ahnenforschung oder bei Ermittlungen des Standesamtes, die Archivierung von Zeitungen und anderem Material. Dabei wurde er von Peter Kehm unterstützt, der zu Jahresbeginn die Archivleitung übernommen hat.

Noch eins war Möller ein Herzensbedürfnis: Das Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, von denen die meisten am 31. Mai 1942 abgeholt worden waren. Knapp sieben Jahre war er damals und sah, wie die jüdischen Kinder mit ihren Eltern die Heimat verlassen mussten. Ihnen wollte er wieder einen Namen und ein Gesicht geben. Viele Gespräche hat er mit Nachfahren der Bebraer Juden geführt und als Zeitzeuge in den Schulen berichtet. Eine Tafel auf dem Rathausplatz verzeichnet nun die Namen der Bebraer Juden.

Als Archivar lebt Möller aber nicht nur in der Vergangenheit. Mit seiner Frau Lieselotte - „wir gehören zusammen wie der Wind und das Meer“ - fährt er gerne Fahrrad. Beide lieben bis heute Frankfurt, wo sie ein paar Jahre ihres Lebens verbracht haben. Und Hans Möller singt nicht nur gerne, er macht auch selbst Musik. In seinem Wohnzimmer steht eine Orgel, die er eigenhändig gebaut und auf der er sich selbst das Spielen beigebracht hat.

„Das Allerschönste in meinem Leben war, dass ich meine Frau kennengelernt habe“, erklärt Möller und lacht fröhlich - wie so oft. Beide zusammen helfen in der Nachbarschaft, wo Hilfe nottut. „Ein Schwätzchen am Gartenzaun“, ein Besuch bei älteren Alleinstehenden - das ist den beiden wichtig.

Am Dienstag feiert die ganze Familie den 80. Geburtstag von Hans Möller.

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