Publikum im Lokschuppen Bebra ist begeistert

Stefan Eichner singt Mey-Lieder mit Gefühl, aber ohne Schmalz

Das Bild zeigt Bernd und Rita Eisel neben Sänger Stefan Eichner, der ein Autogramm unterschreibt.
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Vorweggenommenes Geburtstagsgeschenk: Bernd und Rita Eisel aus Weiterode haben sich beim Hören von Reinhard-Mey-Liedern kennengelernt. Was lag da näher, als der geliebten Ehefrau einen Tag vor ihrem 50. Geburtstag für so viele Sommer Danke zu sagen, sie zum Stefan-Eichner-Konzert einzuladen und sich ein Autogramm geben zu lassen. Der Kulmbacher Sänger unterschrieb sehr gerne.

Die Chemie stimmte zwischen dem Comedian und Sänger Stefan Eichner und dem Publikum im Bebraer Lokschuppen, das einen Abend mit Liedern von Reinhard Mey genoss.

Bebra - Kaum zu glauben, dass der Stefan Eichner 46 Jahre alt ist und vier Kinder hat. Junggeblieben, den eher älteren Besucherinnen und Besuchern freundlich zugewandt, einen „ganz, ganz schönen Abend“ versprechend, stellt er sich vor. Ähnlich schnell sprechend wie der Kulmbacher Thomas Gottschalk erzählt er, wie er sich mit Reinhard-Mey-Liedern das Gitarre-Spielen beigebracht hat, wie ein Benefizkonzert in Kulmbach letztendlich den Anstoß dafür gab, mit Liedern des Berliner Liedermachers durch die Lande zu ziehen – mit Liedern, die, wie Eichners großes Vorbild es ausdrückt, „von Hand gemacht und aus Fleisch und Blut“ sind.

Eichner singt sie in eigener Weise nach, anfangs vielleicht ein bisschen flott, dann aber immer öfter den Originalen sehr nahe kommend. Ja, und über die freut man sich natürlich, besonders, wenn sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen und so effektvoll vorgetragen werden wie bei „Der Mörder ist immer der Gärtner“. Der Song soll 1974 entstanden sein?

Und die herrliche Glossierung der von Freiherr Bodo organisierten „Diplomatenjagd“, bei der der Außenminister den Tod findet, von Tontechniker Axel Deubener im Lokschuppen mit Waldhornecho eindrucksvoll verstärkt, soll fünf Jahre älter sein? Kaum zu glauben, so frisch bringt Eichner sie rüber. Auch Meys Erfahrungen mit Kindern, die sich Eichner zu eigen macht: „Aller guten Dinge sind drei“. Den damit verbundenen alltäglichen Wahnsinn hat so mancher im Auditorium offensichtlich ebenfalls erlebt, denn nach diesem Stück ist der Beifall besonders stark. Aber auch nach „Maikäfer fliege“ werden viele Hände gerührt und natürlich nach „Über den Wolken“. Alle Anwesenden sollten mitsingen – und haben das zur Freude von Eichner auch gern getan.

In der Pause merkt Karl Knoth aus Bebra an, dass er es sehr gut findet, wie der Künstler Lieder mit Geschichten, auch von sich selbst, verbindet: „Gefühlvoll, aber nicht schmalzig.“ Ähnlich geht es Bernd und Rita Eisel aus Weiterode, die hervorheben, dass so manches Chanson von Reinhard Mey hochaktuell ist. Das Stück „Sei wachsam“ etwa, das in jüngster Zeit – ganz gegen Meys Intention – von Querdenkern vereinnahmt wird: „Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt.“ Eichners klare Antwort: „Wir müssen Flagge zeigen!“

Nach dem letzten offiziellen Lied und einem herzlichen Dankeschön fürs Kommen gibt es reichlich Zugaben. Passenderweise „Hauptbahnhof Hamm“, wunderbarerweise „So viele Sommer“ mit der auch von Eichner gefühlvoll und sprachlich großartig herausgearbeiteten Quintessenz „Die Liebe überstrahlt alles im Leben“, „Viertel vor sieben“, und natürlich, sehr nah am Original, „Gute Nacht, Freunde“.

Als das Publikum sich erhebt, strahlt Eichner übers ganze Gesicht: „Mensch, war das schön bei euch!“

2022 tritt er am 31. März in Bad Hersfeld im Buchcafé auf.

Wilfried Apel

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