Statt 30 Stundenkilometern

Mit Tempo-20-Zone: Bebra will Autoposer in der Innenstadt ausbremsen

Näher dran an der Schrittgeschwindigkeit: Gerald Körösi von der Bebraer Straßenverkehrsbehörde an einem der neuen Schilder in der Bismarckstraße.
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Näher dran an der Schrittgeschwindigkeit: Gerald Körösi (wegen des Bildschnitts nur mit Klick auf das Symbol oben rechts zu sehen) von der Bebraer Straßenverkehrsbehörde an einem der neuen Schilder in der Bismarckstraße.

Bei der Lösung des Autoposer-Problems tritt Bebra aufs Gaspedal – und will die Show-Fahrer mit den brüllenden Motoren und knatternden Auspuffrohren künftig ausbremsen.

Bebra – Die Innenstadt zwischen Kasseler Straße, Lindenallee und Nürnberger Straße wird seit zwei Wochen Stück für Stück zur Tempo-20-Zone.

Bisher waren dort maximal 30 Stundenkilometer erlaubt. „Wir nähern uns der Schrittgeschwindigkeit“, sagt Gerald Körösi von der Bebraer Straßenverkehrsbehörde im Ordnungsamt, der sich von der neuen Geschwindigkeitsbegrenzung einen Dämpfer für die Autoposer und mehr Sicherheit für Fußgänger erhofft.

„Wir müssen abwarten, wie sich die Beschilderung und die Geschwindigkeitstafel auswirken“, sagt er. An der Bismarckstraße leuchtet jetzt eine Anzeige jeden Autofahrer an, der mit mehr als 20 Stundenkilometern unterwegs ist – derzeit noch mit der Geschwindigkeit in rot, ab kommender Woche soll ein trauriger Smiley für ein schlechtes Gewissen bei Temposündern sorgen. Wenn das nicht genügt, könnte eine Anfrage beim Ordnungsbehördenbezirk – der ebenfalls im Bebraer Rathaus sitzt – zu verstärkten Kontrollen führen.

Verkehrssünden werden teurer

Ab dem 9. November müssen Verkehrssünder durch Änderungen der Straßenverkehrsordnung tiefer in die Tasche greifen. So steigt das Bußgeld für verbotswidriges Parken auf Rad- und Gehwegen sowie Halten und Parken in zweiter Reihe etwa von bis zu 35 Euro auf bis zu 110 Euro. Falschparken auf Parkplätzen für Schwerbehinderte kostet statt 35 Euro dann 55 Euro und auf einem Lade-Parkplatz für E-Autos ebenfalls 55 Euro. Autoposing, also unnötiger Lärm, vermeidbare Abgasbelästigungen und nutzloses Hin- und Herfahren werden um das Fünffache teuer: 100 Euro statt 20 Euro. Auch Rasen wird härter bestraft: Außerorts verdoppelt sich das Bußgeld für bis zu 10 km/h zum Beispiel auf 20 Euro, bei bis zu 15 km/h auf 40 Euro und bei bis zu 20 km/h auf 60 Euro. Innerorts ist es ähnlich: Bis zu zehn Stundenkilometer schneller als erlaubt kostet 30 Euro, bis zu 15 km/h drüber 50 Euro und bei bis zu 20 km/h werden 70 Euro fällig.

Bereits im Juli hatte die Stadtverordnetenversammlung über den Straßenverkehr in der Innenstadt diskutiert. Ausgangspunkt war ein Antrag der Grünen-Fraktion, die sich vor allem rund ums Einkaufszentrum be! eine verkehrsberuhigte Zone wünschte – auch, um „die Lust am Show-Fahren zu nehmen“, so Fraktionschef Wolf-Dietrich von Verschuer.

Der Vorschlag stieß auf Widerstand bei Gastronomie und Einzelhandel, die auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen sind. Zudem zeichneten sich Probleme bei der Umsetzung ab, weil verkehrsberuhigte Zonen etwa keine Gehwege und zeitlich begrenzten Parkplätze haben dürfen. Die Mehrheit im Parlament lehnte den Vorschlag daher ab, verwies das Problem aber zur Lösungssuche in die Verkehrskommission.

Die habe sich im August für eine Tempo-20-Zone ausgesprochen, sagt Körösi. Seit zwei Wochen wird die Beschilderung geändert. Neun Verkehrszeichen weisen bereits auf die neue Geschwindigkeitsbegrenzung hin, eines in der Mühlenstraße fehlt noch. Gerald Körösi wollte längst fertig sein, doch die Schilder sind aus Blech und das Blech kommt aus China – die Lieferzeit derzeit: sechs Wochen. (Clemens Herwig)

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