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Mitarbeiter ohne Maske: Tegut in Bebra verweist nach Kunden-Kritik auf Attest

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Von: Clemens Herwig

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FFP2-Maske Corona Maskenpflicht. (Symbolbild)
Zwei Tegut-Angestellte in Bebra tragen an der Arbeit keine Maske. (Symbolbild) © Swen Pförtner/dpa

Das Unternehmen aus Fulda verweist auf Anfrage unserer Zeitung auf eine „Freistellung aus gesundheitlichen Gründen“.

Bebra – Auch wenn die Corona-Einschränkungen derzeit gelockert werden, gilt für den Einzelhandel weiterhin die Maskenpflicht. In Bebra weisen Schilder am Eingang des Tegut an der Lindenallee die Kunden darauf hin – was einigen Einkaufenden deshalb sauer aufstößt, weil zwei Mitarbeitende des Lebensmittelmarktes trotzt Kundenkontakts keinen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Das Unternehmen aus Fulda verweist auf Anfrage unserer Zeitung auf eine „Freistellung aus gesundheitlichen Gründen“ – es ist nicht das erste Mal, dass der Rückgriff auf die Ausnahmeregelung Schlagzeilen macht.

Bereits Anfang Januar hatte es Ärger über fehlende Masken bei den Mitarbeitern einer Tegut-Filiale in Korbach gegeben. Eine Befreiung von der Tragepflicht ist nur mit ärztlichem Attest möglich. Der Korbacher Mediziner und Stadtverordnete Dr. Peter Koswig hatte Zweifel an der medizinischen Grundlage geäußert, die Arbeitschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Kassel schaltete sich ein. Tegut musste daraufhin bei seinen Corona-Hygienemaßnahmen nachbessern.

Seltene Ausnahme

Die Coronaschutzverordnung sieht Ausnahmen von der Maskenpflicht vor – allerdings nur für Personen, die aus medizinischen Gründen keine Mund-Nase-Bedeckung tragen können, weil diese „das Tragen oder auch das Anlegen erheblich erschweren oder unmöglich machen“. Beispiele sind etwa Verletzungen im Gesicht, schwere chronische Erkrankungen und Behinderungen. Der Ausnahmefall muss durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden, dass der Arbeitgeber im Zweifelsfall prüfen lassen kann. 

Im Bebraer Fall seien die Atteste „von den Behörden, dem Ordnungsamt Bebra und auch von der Polizei Rotenburg geprüft worden“, so Unternehmenssprecher Matthias Pusch. Beide Mitarbeitenden seien dreifach geimpft und testeten sich täglich. Auf die Kunden-Kritik, dass die Mitarbeitenden in Bereichen mit viel Kundenkontakt wie an der Obstauslage eingesetzt würden, heißt es: „Im Verkauf ist es nicht möglich, ohne Kundenkontakt zu arbeiten.“ Beide Mitarbeitenden achteten auf den vorschriftsgemäßen Abstand, darüber hinaus werde die „regelmäßige Personalhygiene“ eingehalten.

Trotzdem hatten sich Tegut-Kunden mit ihrer Kritik an unsere Zeitung gewandt und sich über die gleich zwei Mitarbeiter ohne Maske gewundert. Bei der Stadt Bebra habe es dagegen noch keine Beschwerden gegeben, so Bürgermeister Knoche auf Anfrage unserer Zeitung. Auch im Gesundheitsamt und beim RP Kassel lagen bis vor Kurzem noch keine Hinweise vor.

Dennoch ist die Arbeitsschutzbehörde des RP nun involviert, die für Nord- und Osthessen zuständig ist und bei Kontrollen überprüft, ob die geltenden Regeln eingehalten werden. Die Hinweise würden zum Anlass genommen, um „der Angelegenheit nachzugehen“, so Sprecher Hendrik Kalvelage Ende vergangener Woche. Der Vorgang befinde sich in Bearbeitung, heißt es mittlerweile. „Nähere Einzelheiten können wir, auch mit Rücksicht auf den laufenden Vorgang, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mitteilen“, so der Sprecher des Kasseler Regierungspräsidiums.

Das sagt das Gesundheitsamt

Laut Gesundheitsamtsleiterin Adelheid Merle erfüllen nur wenige medizinische Diagnosen die Voraussetzungen für eine Entbindung von der Maskenpflicht. Die Ausnahmeregelung sei daher selten und der Hauptgrund meist eine geistige Beeinträchtigung. Das Gesundheitsamt kann für Einzelfallprüfungen von strittigen Attests hinzugezogen werden. „Wir haben das in den zwei Jahren sehr selten erlebt“, sagt Merle.

Generell gelte: Die Maske soll zusätzlich zur Abstandsregel beim Eigen- und dem Schutz von Anderen helfen. Das Gesundheitsamt empfiehlt daher, dass Mitarbeiter, die nachweislich keine Maske tragen können, möglichst in Bereichen mit wenig Kundenkontakt oder mit anderen Sicherheitsmaßnahmen wie Plexiglasscheiben an der Kasse eingesetzt werden. Ein Corona-Schutzvisier sei dagegen ohne Maske in Hessen nicht zulässig und gaukele „ein falsches Sicherheitsgefühl vor, weil die Luft seitlich und unterhalb des Visiers ungehindert entweichen kann“, so Merle.

Die Maskenpflicht im Einzelhandel gilt unabhängig vom G-Status (genesen, geimpft oder getestet) sowohl für Kunden als auch Mitarbeiter. Verantwortlich für die Umsetzung und Einhaltung ist der Inhaber des Geschäfts. Für Kunden gilt daher: Auch ein ärztliches Attest berechtigt nicht automatisch zum Zutritt, weil die Inhaber von ihrem Hausrecht Gebrauch machen können.

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